16. Dezember 2021

Nothing to be ashamed of

Hi ihr! Seid ihr schon im Weihnachtsmodus? Ich noch nicht wirklich, aber das ist vollkommen normal für mich. Weihnachten hat für mich bisher noch keinen großen Wert und seit ich erwachsen bin, komme ich eh nicht mehr in Weihnachtsstimmung. Ich hoffe, ihr schafft das aber oder verbringt die Zeit anderweitig so, wie es euch gut tut.
 
Ich wollte euch heute von einem kleinen persönlichen Schritt der Überwindung erzählen. Von einem weiteren "Das habe ich zum ersten Mal gemacht und es war nicht schlimm"-Erlebnis, das ich gestern erlebt habe. Denn auch ich erlebe solche Momente noch und das zeigt nur, dass die persönliche Entwicklung im Kontext der Krankheitsgeschichte nie aufhört.
 
Und zwar geht es um Pflaster. Normalerweise benutze ich die eher selten und nur in größeren Notfällen, wo ich das Gefühl habe, dass ich das meiner Haut schulde. Außerdem glaube ich, damit über Nacht meine Schandtaten etwas wiedergutmachen zu können und der Wunde die Chance zur Heilung zu geben, bevor ich wieder wach und allzeit bereit bin, meine Haut zu bearbeiten (man weiß ja nie, nech). Zusätzlich vermindert diese Prozedur die triggernde Krustenbildung, die wir alle nie lange genug dran lassen können. Also ein recht effektives Mittel für die selteneren Fälle. Trotzdem habe ich Pflaster bisher nur zuhause benutzt und bin damit bisher noch nie vor die Tür. Bis gestern.




Gestern bin ich so (wärmer angezogen natürlich :D) in die Uni gegangen. Zum ersten Mal mit einem deutlich sichtbaren Pflaster unter Menschen. Natürlich hat die Maskenpflicht dafür gesorgt, dass man es die meiste Zeit nicht sehen konnte, aber einige Mitstudenten haben es in den Momenten, wo ich ohne Maske war, doch gesehen. Es springt einen ja auch förmlich an, haha. Trotzdem habe ich keinen Kommentar und keine Nachfrage gehört. Es gab keinerlei Reaktionen - mit mir wurde gesprochen und umgegangen wie immer. Und das war so schön zu merken! Auch ich brauche es, mir mithilfe solcher Erfahrungen immer wieder vor Augen zu führen, dass mir nichts passiert. Wenn ich ausstrahle, dass ich niemandem wegen meines Pflasters eine Erklärung schuldig bin, fragt auch niemand. Und wenn doch jemand gefragt hätte, hätte ich die Kurzversion der Wahrheit gesagt: "Ich hab da eine Wunde, die ich schützen will." Punkt. Mehr ist für andere Menschen doch eh nicht von Belang. Ihr müsst euch nicht rechtfertigen, wenn ihr für eure Haut sorgt, eure Trigger minimiert oder Ähnliches. Genauso wenig müsst ihr euch deswegen schämen! Ich hab da ein Pflaster im Gesicht. Und jetzt?

10. Dezember 2021

Was geben uns Selbsthilfegruppen?

Hey ihr! Ich hoffe, ihr seid gut in den Winter gekommen und habt inzwischen vielleicht sogar den ersten Schnee erlebt! Die vorweihnachtliche Zeit ist in vollem Gange und ich wünsche euch, dass ihr sie genießen könnt.
 
Seit der Konferenz Anfang Oktober (klick) sind so viele schöne Entwicklungen im BFRB-Universum zu beobachten - gerade im Bereich Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen. Das möchte ich zum Anlass nehmen, diesen Post zu schreiben. Ein netter Nebeneffekt wäre natürlich, wenn ich euch das Konzept einer Selbsthilfe schmackhaft machen kann, sodass ihr es selbst mal ausprobiert, falls ihr das bisher noch nicht gemacht habt. Denn hinterher kann man immer noch sagen, dass es nichts für einen war!

Aber gut, erst einmal zu den Entwicklungen, die wir als Community zu verzeichnen haben und die mehr als willkommen geheißen werden: Es gibt nach und nach immer mehr Selbsthilfegruppen!! Vielleicht wisst ihr, dass die SHG Köln mit dem Gründungsjahr 2010 die erste ihrer Art in ganz Deutschland war. Lange Zeit passierte wenig und bis vor ein paar Jahren konnte man die bundesweiten Selbsthilfegruppen an einer Hand abzählen... Ein Paradebeispiel der schlechten Situation rund um BFRB's in Deutschland. Man konnte von Glück sprechen, wenn man in machbarer Entfernung dieser wenigen Gruppen wohnte. Corona hat das Argument der Entfernung durch Online-Treffen zwar gewissermaßen ausgehebelt, aber das soll eben nicht für immer so bleiben. Trotzdem denke ich, dass die Konsequenzen der Pandemie wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich nun immer mehr Gruppen zusammenfinden, um einander Halt zu geben. Wie gesagt brachten nicht zuletzt unsere BFRB-Tage und auch die wertvolle Arbeit von Christina Gallinat auf Instagram mehrere Steine ins Rollen. Inzwischen sind es so viele Gruppen geworden, dass sogar eine kleine Liste zusammengekommen ist. Schaut hier auf Christinas Webseite gerne mal nach, ob in eurer Nähe eine Selbsthilfegruppe vorhanden oder in Gründung ist. Und ich bin mir sicher, dass es nicht bei den aufgelisteten Städten bleiben wird, sondern dass da noch mehr hinzukommen werden!

Jetzt zu der eigentlichen Frage, die ich in diesem Post mit Inhalt füllen möchte: Was geben uns Selbsthilfegruppen? Wie können sie helfen?

1. Betroffene lernen zu allererst, das Thema zum Thema zu machen. Sie erleben, wie andere Menschen darüber sprechen und sie selbst beginnen, darüber zu sprechen. Viele Betroffene öffnen sich in diesem geschützten Rahmen sogar zum ersten Mal überhaupt und merken, dass ihnen dadurch nichts Schlechtes widerfährt. Dadurch ist es möglich, dass Scham Stück für Stück abgebaut wird.

2. Betroffene fühlen sich verstanden. Sie verstehen die Krankheit (mehr und mehr) und lernen dadurch, die Krankheit und sich selbst besser zu akzeptieren, weil sie sehen, dass die anderen Gruppenteilnehmer auch nur normale und sehr liebenswerte Menschen sind. Es gibt einige Aha-Momente, weil viele Mythen rund um das Krankheitsbild, die einen vielleicht schon länger begleiten, aufgelöst werden. Die Treffen ermöglichen, am Thema dranzubleiben und erschaffen Gelegenheiten, etwas für sich selbst zu tun, indem neue Erkenntnisse gewonnen und im eigenen Leben integriert werden.

3. Betroffene fühlen sich unterstützt in der Community und auf ihrem eigenen Weg mit dem Skin Picking. Plötzlich ist keiner mehr allein oder komisch, sondern es gibt einen starken Zusammenhalt, Tipps, Empfehlungen und Informationen und zwar von Leidensgenossen und Experten ihrer eigenen Krankheitsgeschichten. Das kann durchaus auch ordentlich Motivation schenken, weil man plötzlich eine Art von Aufmerksamkeit erhält, die im Alltag oft fehlt. Man fühlt sich wahrlich gesehen und allein das kann Kraft geben.

4. Betroffene finden mehr zu sich selbst, weil die Selbsthilfegruppentreffen die Möglichkeit bieten, Selbstentwertung und Ähnliches abzubauen. Die Treffen zeigen, dass wir alle wunderbare und wertvolle Menschen sind. Sie zeigen, dass keiner willensschwach ist und erlauben, die eigene Schönheit zu erkennen. Das wird durch das empathische Mitfühlen der anderen Gruppenmitglieder erreicht, was auf sich selbst übertragen werden kann. Betroffene lernen also Selbstfürsorge und Selbstmitleid.
 
5. Betroffene bekommen die Chance dazu, sich zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen. Bei den Treffen lernt man sehr liebe Menschen kennen, die durchaus zu Freunden werden können.

Natürlich ist dies keine vollständige Auflistung, sondern nur eine kleine Sammlung von Aspekten. Wie ihr euch denken könnt, sind Selbsthilfegruppen aber genauso wenig ein Wundermittel wie die Creme aus der Apotheke von nebenan. Es geht darum, das Potential zu erkennen und für sich zu nutzen. Selbsthilfegruppen haben selbstverständlich auch ihre Grenzen - so können sie zum Beispiel nicht (in vollem Umfang) das leisten, was eine Therapie leisten kann und sind letztendlich immer nur Anregungen. Denn am Ende machen wir selbst was aus dem, was uns die Gruppe mitgibt.

Falls ihr wissen wollt, wie die Online-Treffen der SHG Köln ablaufen, dann schaut mal in diesen Post von mir. Außerdem gibt es eine FAQ-Seite der SHG Köln, wo ihr auch nochmal einige Infos finden könnt. Seid euch immer bewusst: Ihr begebt euch bei einem Selbsthilfegruppentreffen in einen geschützten, sensiblen und vertrauensvollen Rahmen mit lauter Gleichgesinnten - da braucht ihr keine Angst oder Scham haben. Den anderen Teilnehmern geht es doch wie euch. Sie kennen viele eurer Gefühle, Gedanken und Erfahrungen nur zu gut und wissen deshalb ganz intuitiv, was man eher nicht macht und wie man rücksichtsvoll und herzlich reagiert. Ihr seid also stets willkommen!

15. November 2021

Ankündigung - Scham Workshop

Guten Abend, ihr da draußen! Neue Woche, neue Ankündigung.
 
Nein, ich habe noch nicht genug drüber geschrieben...: Die BFRB-Tage haben ja viel Positives mit sich gebracht; viele Steine angestoßen, die jetzt hoffentlich anfangen, zu rollen. Doch es gibt da auch eine Sache, die mich ganz direkt betrifft und vielleicht ja auch euch, wenn ihr wollt.

Vielleicht wisst ihr, dass ich auf der diesjährigen Konferenz erneut als Referentin teilnehmen durfte. Diesmal sogar mit einem Workshop zu einem Thema, welches ganz besonders viele Betroffene beschäftigt: Die Scham. Und vielleicht wisst ihr ebenso, dass dieser Workshop mit seinen rund 70 Teilnehmern bei der Konferenz einfach nicht in die zeitliche Vorgabe von 60min passen wollte. :D Naja, um euch nicht zu lange auf die Folter zu spannen: Nach dem Konferenzwochenende hat mich eine liebe Betroffene aus der Stuttgarter Selbsthilfegruppe angeschrieben, die den ersten Teil meines Workshops besucht hat, abends aber verhindert war. Sie war so begeistert von dem Workshop, dass sie mich mit dem Workshop in die Selbsthilfegruppe eingeladen hat!

Da konnte ich natürlich nicht "Nein" sagen! Ich fühlte mich beim Lesen ihrer Mail so unfassbar geehrt und für meine Arbeit wertgeschätzt, das kann ich euch nicht sagen. Übrigens fühle ich mich nach wie vor so, wenn ich daran denke, dass wir ihre Idee in die Tat umsetzen! Mir bedeutet es wirklich sehr, sehr viel, dass ich als Betroffene mit einem vorbereiteten Thema eingeladen werde, um vor anderen Betroffenen zu sprechen und mich mit ihnen auszutauschen. Manchmal denke ich mir schon "Wer bin ich, dass ich das machen kann?". Umso irrealer ist es für mich. Dabei werde ich mich gleich im Anschluss nochmal an die Präsentation setzen, die ich bei der Konferenz gezeigt habe, um sie zu optimieren. Vielleicht wird die Vorstellung dann greifbarer. Vielleicht verstehe ich dann einen Ticken besser, dass ich Wertvolles zu sagen habe - so wie alle anderen Betroffenen auch.

Nun aber zu den für euch wichtigen Infos: Wir öffnen den Workshop aus verschiedenen Gründen für alle Interessierten, statt ihn nur mit festen Mitgliedern der SHG Stuttgart durchzuführen. Wenn ihr mögt, könnt ihr also dabei sein!

Bei was?: Workshop "Skin Picking und Scham: Erfahrungen teilen" von mir und mit euch (der gleiche Workshop wie auf den BFRB-Tagen 2021)
Wann?: Am Donnerstag, den 25.11 ab 19:30 Uhr
Wie lange?: ca. 90min
Wo bzw. welche Plattform?: Digitale Durchführung über Zoom
Anmeldung etc.?: Die Anmeldung zum Workshop läuft über eine Mailadresse (schreibt mir gerne kurz eine Mail, dann gebe ich sie euch durch) bis zum 22.11 um 23:59 Uhr, danach wird der Zugangslink zum Meeting an alle verschickt, die sich angemeldet haben
Kosten?: Keine
Noch Fragen?: Schreib mir gerne eine Mail

Ich freue mich sehr, euch dort zu sehen und mich mit euch dem Thema Scham zu widmen! Lasst euch nicht von Ängsten, Sorgen oder gar Schamgefühlen abhalten - die haben wir alle! Wir schaffen gemeinsam einen sicheren und vertrauensvollen Raum, wo all das Platz hat und sein darf. Jeder erzählt nur so viel von sich wie er mag. Mit diesem Austausch werden wir eine ganz wundervolle Erfahrung schaffen, da bin ich mir sicher. Für mich ist alles erreicht, wenn nur einer von den Teilnehmern eine einzige kleine Erkenntnis mitnimmt oder sich für die Zeit des Workshops gut aufgehoben gefühlt hat.

Danke an dich, liebe C., für diese tolle Möglichkeit! Ich bin super dankbar.

10. November 2021

Eindrücke meiner Haut - 27

Guten Abend, ich hoffe, es geht euch gut.
 
In meinem Jubiläumspost von neulich (klick) habe ich u.A. erwähnt, dass meine Postserie "Eindrücke meiner Haut" schon viel zu lange keinen neuen Teil bekommen hat. Der letzte Part ist vom März..... upsi. Aber heute bringe ich wie angekündigt mal ein paar neue Eindrücke mit. Meine Haut ist gerade seit langer Zeit im ungefähr gleichen Zustand, der nicht gerade gut ist. Aktuell habe ich sogar wieder diese großen, störenden Knoten im Gesicht, bei denen man nie lernt, dass rumdrücken nichts bringt. :/ Gott, sie tun sooo weh! Wann erreiche ich endlich wieder einen Zustand, wo ich keine Schmerzen und offenen Stellen oder Entzündungen habe? Es erscheint mir gerade absolut unerreichbar... Und Schminke ist momentan mein größter Feind. Aber dazu vielleicht bald nochmal mehr, dafür habe ich auch extra Fotos.

 
Diese Eindrücke sind vom 20.10:



Steinigt mich bitte nicht für die Videoqualität... I really try! :D Und ihr wisst ja: Youtube macht es auch nicht gerade besser.


Dieses Video (in hoffentlich etwas besserer Qualität) ist gestern Abend, also am 9.11, entstanden:


Wie es aussieht, könnt ihr dieses Video (wieder wie früher) auf HD stellen. Damit sieht es tatsächlich besser aus! Aber leider hört man mein Radio im Hintergrund, sorry dafür, hahaha. Ich bin halt echt (noch) kein Profi, dafür hoffentlich authentisch. Großer Youtuber werde ich also nicht mehr, aber ich glaube, das wissen wir schon lange.

2. November 2021

7 Jahre - Mein Überblick


Und schon sitzen wir hier und stellen fest, dass die Zeit seit Corona noch schneller vergeht als eh schon, sodass der Blog inzwischen 7 Jahre alt ist! 7 Jahre... Das ist echt eine wahnsinnig lange Zeit! Ich weiß, ich weiß, das habe ich in den letzten zwei Jubiläumsposts bestimmt auch schon gesagt, aber 7 Jahre sind echt krass. Findet ihr nicht?
 
Jedenfalls schaffe ich es dieses Jahr mal wieder auf den Tag genau, wie es aussieht. Denn am 2. November 2014 habe ich den ersten Beitrag auf diesem Blog geschrieben. Happy Birthday, Blog! :) Wo ich das gerade nochmal schwarz auf weiß vor mir sehe: 2014 kommt mir inzwischen irre lang her vor. 2014 war ich selbstverständlich noch eine andere Jacqueline als heute, denn seitdem habe ich viel gelernt und mich weiterentwickelt. Ich bin keine 17 mehr, ich bin 24 Jahre alt. In diesen Jahren tut sich bei uns Menschen enorm viel, würde ich behaupten. In mancherlei Hinsicht stehe ich an völlig anderen Punkten als früher, aber es gibt auch hin und wieder Momente, wo ich mich genauso fühle wie damals. Vielleicht kennt ihr das von euch selbst? Was ich aber eigentlich sagen wollte: Der Blog ist mittlerweile zu einer Art Chronik geworden und zeigt einige meiner Entwicklungsschritte sehr gut. Nicht alles, was ich vor über einem halben Jahrzehnt geschrieben habe, würde ich heute nochmal genauso schreiben. Zum Glück habe ich nicht alle meine über 500 Beiträge im Detail im Kopf, aber es gibt einzelne Posts oder Aussagen, an die ich mich noch erinnere und wo ich mich aus heutiger Sicht fast ärgere, das jemals so gesehen (und vor allem hier geschrieben) zu haben. Aber hey, es ist nur menschlich, nicht alles zu wissen und dazuzulernen. Auch, wenn ich zum Zeitpunkt der Blog-Erstellung bereits seit knapp zwei Jahren vom Skin Picking wusste, gab es für mich noch viel zu erfahren. Gibt es übrigens auch immer noch! Damals wusste ich es einfach nicht besser und wollte gleichzeitig nur anderen Betroffenen helfen, indem ich ehrlich über meine Krankheitsgeschichte berichte. Das ist heute nicht anders, aber ich habe wie bereits geschrieben viel gelernt: Durch Austausch, durch neue Informationen und nicht zuletzt auch durch eigene Erfahrungen. Deshalb lag es mir für den diesjährigen Jubiläumspost am Herzen, zu erwähnen, dass ich nicht mehr zu 100% hinter ausnahmslos allem stehe, was sich hier auf dem Blog finden lässt. Behaltet bitte immer den jeweiligen Entstehungszeitpunkt der Beiträge im Hinterkopf! Trotzdem sehe ich den Großteil dessen, was ihr hier lesen könnt, nach wie vor so und möchte auch nicht, dass ihr mich jetzt für unaufrichtig haltet. Es ist, wie bereits erwähnt: Dieser Blog ist nur ein Spiegel meiner persönlichen Entwicklung (im Kontext meiner Dermatillomanie). Und das ist etwas, was ich über die vergangenen 7 Jahre gelernt habe.

Vielleicht labere ich nur Blödsinn, heute ist auch nicht wirklich mein Tag, muss ich gestehen. Entschuldigt das. Wir kommen deshalb lieber endlich zum richtigen Rückblick auf das letzte Blogjahr: Was ist seit November 2020 passiert? Falls ihr schon länger dabei seid, wisst ihr, dass ich so versuche, die wichtigsten Geschehnisse einmal zusammenzufassen. Für den Überblick ist das eine tolle Sache, wie ich finde und es ist auch ziemlich interessant, sich die verschiedenen Jahresrückblicke hintereinander durchzulesen. Und wer weiß, vielleicht kann ich dadurch sogar diejenigen etwas abholen, die erst relativ frisch mitlesen.

Mir ist in diesem Jahr danach, mit den mehr oder weniger persönlichen Dingen zu beginnen. Ich habe das hier (bis auf eine Ausnahme) nicht oft oder intensiv thematisiert, aber ich besuche seit Anfang Dezember 2020 ziemlich regelmäßig die Online-Treffen der Selbsthilfegruppe Köln unter der Leitung von Ingrid Bäumer. Hin und wieder moderiere ich seit ein paar Monaten sogar. Ingrid und ich kennen uns schon einige Jahre, ich war auch zweimal vor Ort in Köln bei der Selbsthilfegruppe. Seit Corona gibt es das digitale Format, welches Betroffenen von egal woher erlaubt, an den Treffen teilzunehmen und darüber bin nicht nur ich froh, sondern auch andere Teilnehmer, die nicht aus Köln kommen. Jedenfalls habe ich darüber auch im Dezember schon geschrieben (klick), um euch einen Eindruck davon zu geben, wie die Online-Treffen ablaufen. Demnächst wird es wahrscheinlich noch einen weiteren Post zu diesem Thema geben.

Wo wir schon halb bei Corona waren... Auch bei dieser Thematik bin ich auf meinem Blog sehr zurückhaltend, aber es gibt einen Post (diesen hier), wo ich euch ein wenig davon erzählt habe, wie sehr ich unter der ganzen Pandemie und ihrer Konsequenzen leide. Da mein Leiden sich aber nicht ausschließlich auf meine Dermatillomanie bezieht, bleibe ich dahingehend weiterhin sehr reserviert. Nur so viel: Es hat sich seit dem verlinkten Post nicht wirklich etwas verändert. Ich erlebe immer wieder recht langanhaltende und starke Tiefphasen, wo ich quasi ständig drücke und kratze... Zu sehen zum Beispiel bei den Bildern dieses Beitrags. Da war meine Haut mal wieder sehr schlimm und mein Skin Picking ebenso. Keine gute Kombi.

Eins der besagten Fotos aus dem Post "Schmerz, Entzündung und Trigger"
 
Kommen wir zu einer erfreulicheren Sache: Im Dezember 2020 habe ich überraschenderweise einen Instagram-Account gestartet, der meine Öffentlichkeitsarbeit ein wenig ausweiten und ergänzen sollte. Hier könnt ihr meinen Ankündigungspost dazu lesen. Ich habe im Laufe der darauffolgenden Monate noch zwei Fazits über meine Zeit und Erfahrungen auf der Plattform geschrieben, die ihr bei Interesse hier und hier finden könnt. Da ich bald ein Jahr auf Instagram bin, könnte man schauen, ob es sich lohnt, nochmal ein Fazit zu ziehen und auf weitere Erfahrungen einzugehen. Ich schätze jedenfalls sehr, was Instagram als Plattform im Gegensatz zum Blog für Chancen bzw. Vorteile bietet. Dennoch ist der zeitliche Aspekt nicht zu unterschätzen und das habe ich zuletzt während meines Praktikums gemerkt. Naja, mehr dazu in einem weiteren Fazit.

Mein erstes Foto auf Instagram

Im April habe ich dann eine ganz neue und aufregende Erfahrung machen dürfen: Ich habe nicht nur mein erstes Fotoshooting überhaupt gemacht, sondern auch noch eins, was speziell das Skin Picking und meine Haut verarbeitet und in den Fokus gestellt hat. Das war für mich ein äußerst besonderes Erlebnis, von dem ich mir vorstellen könnte, so etwas in Zukunft mal zu wiederholen. Die Fotos sind auch der absolute Wahnsinn geworden, wie ich finde! Falls ihr das verpasst habt, könnt ihr einfach diesem Link folgen und gelangt zum passenden Post. :)
 
Mein absolutes Lieblingsbild des Shootings
 
In den jährlichen Rückblicken führe ich gerne die Teile meiner Postserien auf, die erschienen sind. Das hilft auch mir selbst dabei, das Ganze zu überblicken und manchmal stelle ich fest, dass ich erstaunlich wenig dazu gepostet habe. Zum Beispiel bei meiner Gastpostserie: Hier ist nur ein weiterer Teil erschienen, aber immerhin schon der zwölfte Beitrag von euch für euch! Und es war ein wirklich toller Gastbeitrag, dessen Inhalt übrigens auch in der SHG Köln immer wieder als Tipp weitergegeben wurde. Das zeigt mir, dass es so wichtig und wertvoll ist, Erfahrungen miteinander zu teilen!

Die liebe Janika hat seit Anfang 2019 meinen Blog unheimlich bereichert, indem sie innerhalb der Postserie "Derma Self Love Club" Beiträge für euch geschrieben hat. Im Januar 2021 gab es einen neuen Teil (Part 11) und im Mai den nächsten (Part 12). Im Sommer hat sie dann ihren eigenen, wundervollen Blog gestartet, der aber inzwischen von ihr entfernt wurde. Weil dieser Blog auch nach jetzigem Stand nicht wiederkommen wird, kann es gut sein, dass sich Janika hier nochmal wieder zeigt. Aber alles zu seiner Zeit, ihr werdet es dann schon erfahren.

Den inzwischen sechsten Teil von "Vorher-Nachher"-Beiträgen habe ich im Februar geteilt (siehe hier). Entstanden sind diese Fotos im Kontext von selbstgemachten Bewerbungsbildern - die waren übrigens für mein Praktikum, welches ich von August bis September gemacht habe. Ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie Schminke mein Aussehen verändern kann.


So und jetzt kommen wir tatsächlich zu einem dieser Momente, wo ich mich frage "Ehrlich? Hab ich nur so wenig Beiträge innerhalb dieser Postserie veröffentlicht?". Es geht um meine größte Postserie - die zu den Eindrücken meiner Haut. Klar, irgendwie ist jedes Foto eine Momentaufnahme (und damit ein Eindruck) meiner Haut, aber damit habe ich versucht, den aktuellen Stand mal zu zeigen und zwar auch dann, wenn es sonst vielleicht nicht unbedingt viel zu erzählen gab oder kein spezielles Beitragsthema. Jedenfalls ist im Februar und dann im März ein Teil dieser Serie erschienen, danach nichts mehr. :D Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Aber ich hab tatsächlich neulich erst Fotos gemacht, die ich wahrscheinlich für einen weiteren Teil nutzen werde.

Eine weitere wichtige und besonders schöne "Kategorie", wenn man es so nennen möchte, meiner Jahresrückblicke sind all die Dinge, die im Rahmen der Bekanntmachung des Skin Pickings passiert sind. Und das nicht nur von mir selbst, sondern auch ganz generell. Ich versuche ja immer, euch auf dem Laufenden zu halten und euch neue Artikel, Studien und Ähnliches weiterzuleiten. Leider muss ich zugeben, dass ich es im letzten Jahr nicht gut geschafft habe, das im Blick zu behalten, sodass ich davon ausgehe, dass mir ganz sicher was entgangen ist. Besonders bei den Entwicklungen der Forschung habe ich den Überblick verloren... Verzeiht es mir. Trotzdem möchte ich euch von allem berichten, was ich mitbekommen habe, los geht's:

Im letzten Jahresrückblick hatte ich es bereits angekündigt: Es gab ein Youtube-Video, in welchem ich über (mein) Skin Picking sprechen durfte und das ist beim sehr bekannten Kanal "Auf Klo" von funk erschienen. Das ist zweifelsohne eine der größten Chancen gewesen und ich bin nach wie vor super dankbar dafür. Hätte ich zu dem Zeitpunkt schon Instagram gehabt, wäre es da sicher abgegangen... Das Video wird auch immer noch von Menschen geguckt. Falls ihr es verpasst haben solltet, kommt ihr hier auf meinen Post dazu.

Mit diesem Post habe ich euch auf mehrere Online-Artikel etc. aufmerksam gemacht. Und in Sachen Studien habe ich dreierlei an euch weitergegeben: Eine Studie von der Universitätsmedizin Rostock, eine Studie zu drei Selbsthilfetechniken und eine Studie zur Trichotillomanie von der lieben Linda Hollatz. Ich würde sagen, danach kam die Zeit, wo ich den Überblick verloren habe...

Dafür habe ich mal wieder ein neues Medium für die Öffentlichkeitsarbeit testen dürfen: Podcasts. Sind sehr im Trend die Dinger. Zuerst war ich bei der Hautärztin Dr. Karin Forschner zu Gast (klick) und kurz darauf bei der wunderbaren Christina (klick). Christinas Podcast ist ja nur einer ihrer Kanäle, auf denen sie ihre hoch wertvollen Inhalte teilt, aber er ist auf jeden Fall ein Herzstück ihrer Arbeit, würde ich sagen. Außerdem ist auch Christina sehr erfolgreich auf Instagram unterwegs! Checkt einfach mal ihre Webseite aus, wenn ihr mögt.

Hinsichtlich der Versorgung von Betroffenen im Kontext der Selbsthilfe hat sich auch Erfreuliches ergeben. So hat sich in München eine neue Gruppe gegründet und durch die BFRB-Tage will sich nun in Hannover eine neue Gruppe gründen. Darüber habe ich in diesem und diesem Post berichtet. Mit ein wenig Glück und viel Engagement seitens der Verantwortlichen wird es auch noch weitere neue Selbsthilfegruppen geben, aber dazu berichte ich, wenn es soweit ist!

Abgerundet wird das alles durch das Highlight 2021: Die BFRB-Tage (Fortsetzung der Skin-Picking-Tage 2018). Die erste bundesweite Konferenz zu Skin Picking, Trichotillomanie und Co.! Dieses Jahr ganz coronakonform in digitaler Umsetzung via Zoom. Es war trotzdem ein wundervolles Erlebnis, das mir genauso auf ewig in Erinnerung bleiben wird wie die Tagung 2018. Aber bevor ich hier wieder rumlabere, schaut doch bei Interesse einfach bei dem dazugehörigen Beitrag rein. Da könnt ihr lesen, wie es war.

Und wenn ihr jetzt noch nicht genug von mir und meinen Beiträgen habt, kann ich euch beruhigen: Hier stehen nicht nur über 500 Posts frei zur Verfügung, sondern es werden auf unbestimmte Zeit auch noch weitere Inhalte dazukommen. So schnell lasse ich euch nicht gehen, ihr Lieben! :D Ich werde weitermachen und bin irre gespannt auf das, was im achten Blogjahr alles passieren wird. Ich denke immer wieder, ich würde doch schon alles wissen und die bisherigen Erfahrungen könnten nicht getoppt werden. Was für ein Trugschluss! Es gibt bis zum Lebensende etwas zu lernen und zu erleben. Ich freue mich riesig, wenn ihr weiter dabei bleibt und mich und meine Arbeit unterstützt. Übrigens auch super gerne auf Instagram, damit wir mehr Menschen erreichen können! Das wäre doch wunderbar. :)

Vielen vielen und ganz besonders herzlichen Dank für eure Zeit in den vergangenen Jahren! Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ihr hier seid. Vor allem weiß ich, dass da noch mehr sind als die eingetragenen 64 Follower meines Blogs. In der Hoffnung, auch nur einer Person da draußen zu helfen, schreibe ich seit 7 Jahren unermüdlich meine Beiträge und das wird nicht aufhören. Auch, wenn meine Zeit weniger wird, bleibe ich hier.

Bis dahin! <3