27. August 2019

Geschenkte Motivation

Guten Abend, guten Abend!

Ich bin seit sehr langer Zeit tierisch faul und motivationslos, was meine Hautpflege angeht. Habe kaum Produkte verwendet und mich kaum mit richtiger Sorgfalt gekümmert. Ich gebe auch zu, dass ich keine Lust darauf hatte, Energien in diese Sachen zu stecken, wo am Ende doch eh alles effektlos bleibt. Also habe ich lieber mein Geld und meine Zeit gespart. Jedoch hatte ich neulich Geburtstag, sodass bei mir einige Neuzugänge in Sachen Kosmetik und Pflege geschenkt wurden.


Diese Masken habe ich früher regelmäßig verwendet und auch ein Peeling habe ich für einen gewissen Zeitraum benutzt. Dass ich Aloe Vera Gel als Feuchtigkeitspflege verwende, ist nicht neu, denn davon habe ich euch vor einiger Zeit hier berichtet.

Von alleine hätte ich mich wahrscheinlich nie dazu aufgerafft, endlich mal wieder etwas mehr Aufwand für meine Haut zu betreiben. Mir kam es gerade recht, dass mir diese Produkte geschenkt wurden, denn damit wurde mir gewissermaßen auch neue Motivation geschenkt. Ich verwende beim Duschen das Peeling, möchte wieder ab und zu eine Maske auftragen und auch das neue Aloe Vera Gel macht sich bisher gut. Ich brauche das, meiner Haut etwas Gutes zu tun! Wir brauchen es alle, es ist nämlich unheimlich wichtig.

Seien wir doch alle zur Abwechslung mal etwas lieb zu unserer Haut, sie wird es uns danken.

22. August 2019

Ungewohntes Gefühl

Einen schönen guten Abend!

Ich weiß nicht, inwiefern es in den letzten Posts durchgeklungen ist, aber ich tue mich momentan schwer damit, mich in meiner Haut wohl zu fühlen und mir zu gefallen. Mein Hautzustand nervt mich einfach nur noch, meine Haare mag ich überhaupt nicht und schminken tue ich mich ja eh sehr selten, sodass ich mich fast nie "herausgeputzt" sehe. Ich kann das ganze Thema allerdings recht gut verdrängen, muss ich sagen.

Gestern musste ich mich für die Arbeit schminken und habe mir dabei Mühe gegeben, sodass ich mir am Ende auch gefiel. Es war ungewohnt, mich und mein Aussehen so zu fühlen, wenn ihr versteht. Mal mit einem zufriedenen Lächeln in den Spiegel zu sehen, hat mir gefehlt. Ich will tagtäglich voller Zufriedenheit und Stolz in den Spiegel sehen, ohne dabei jedes kleinste Detail meiner Haut bearbeiten zu müssen...

Um den gestrigen Moment festzuhalten, habe ich Fotos gemacht:




18. August 2019

Gastpost - Part 9

Hey, ihr Lieben!

Ist es wirklich schon 10 Monate her, dass der letzte Gastpost erschienen ist? Wie konnte das nur passieren? Vielleicht lag es daran, dass ich vor einem Jahr in recht kurzer Zeit drei Teile dieser Postserie veröffentlichen durfte und dann erstmal eine kleine "Pause" damit einlegen wollte. Aus der kleinen Pause wurde unbeabsichtigt eine große Pause... Dabei ist der Inhalt dieser Beitragsserie so wertvoll wie fast kein anderer! Hier könnt ihr Erfahrungsberichte und Geschichten anderer Betroffener lesen, die sich trauen, ihr ganz persönliches Skin-Picking-Kapitel öffentlich zu machen. Falls ihr mehr über die Entstehung und den Sinn der Gastposts wissen möchtet, schaut im ersten Teil rein. Alle anderen Teile könnt ihr gesammelt unter dem Label "Eure Geschichten" finden.

Bevor es mit der Geschichte einer ganz besonders jungen Betroffenen losgeht (das Alter ist höchstwahrscheinlich nicht mehr aktuell, da mir der Gastbeitrag vor etwas über einem Jahr geschickt wurde - die späte Veröffentlichung ist mein Verschulden!), starte ich den Aufruf des ersten Posts:

Nun möchte ich euch als Betroffene ganz direkt ansprechen: Ihr habt niemanden zum Reden, möchtet aber trotzdem mal euer Herz ausschütten oder Frust rauslassen? Ihr traut euch nicht, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen, möchtet aber dennoch, dass eure Geschichte von Menschen gelesen wird? Ihr habt ein paar tolle Tricks und Tipps oder einfach nur liebe Worte für Leidensgenossen, die ihr loswerden wollt? Ein eigener Blog wäre euch zu viel Arbeit, aber einen kleinen Post würdet ihr gerne verfassen? Dann meldet euch gerne bei mir! Schreibt mir eine E-Mail mit dem Betreff "Gastpost" an folgende Adresse: dermatillomanie-blog@web.de. Selbstverständlich dürft ihr auch Bilder mitsenden, wenn ihr das wollt. Ihr könnt dabei entweder von Anfang an namenslos bleiben oder mich darum bitten, euch zu anonymisieren. Ich werde euren Text dann unverändert innerhalb dieser Postserie veröffentlichen, sodass ihr selbst eventuelle Kommentare Anderer dazu lesen könnt.

 
"Liebe Jacqueline, liebe Leser und Leserinnen,

ich heiße Franzi. Ich bin seit kurzem 16, aber meine Geschichte mit Dermatillomanie ist schon relativ alt, etwa 6 oder 7 Jahre.
Ich wäre sehr glücklich und dankbar, einen Teil meiner Erfahrungen und Beobachtungen zu teilen. Es gibt bestimmt viele Betroffene, die ihre Krankheit mit anderen Menschen teilen. Das habe ich nie gemacht. Ich habe jahrelang mit niemandem darüber gesprochen, alles hinter Creme und Make-up versteckt, im Alltag alles überspielt und leise gelitten, obwohl ich eine liebevolle Familie und Freunde habe. Ich wollte immer alleine mit meiner Kondition klarkommen, vielleicht habe ich mich auch geschämt. Es hat wohl niemand bemerkt, in was für einer grenzwertigen Situation ich stecke, ich habe jahrelang meine Sucht und alle damit verbundenen Emotionen einfach versteckt - und musste alleine damit klarkommen.

Ich möchte daher jedem, der sich vielleicht darin wiederfindet - vor allem den Jüngeren, wie ich damals - ganz deutlich sagen, dass es für mich ein großer, großer Fehler war, zu versuchen, meine Traurigkeit und die ,,versteckte andere Welt“ alleine zu bewältigen. Ich bin selbstbewusst und durchsetzungsfähig, da bin ich mir sicher, aber so etwas konnte ich dann doch nicht. Jahrelang alleine leiden, immer wieder aufs Neue. Aus heutiger Sicht habe ich nur immer mehr Kummer und Verzweiflung angestaut.
Aber das muss nicht sein! Ich, also wir, können uns nicht aussuchen, dass wir leiden, aber wir können uns sehr wohl aussuchen, was wir dagegen unternehmen! Es ist wichtig, nicht nur auf bessere Zeiten zu hoffen, sondern sich im Hier und Jetzt Hilfe zu holen, von Menschen, denen man vertraut, von einem Psychologen oder Arzt.

Als ich zum ersten Mal realisierte, dass ich ein Krankheit habe, dass ich wirklich süchtig nach etwas bin, dass ich mich unbewusst zum Schlechteren verändert hatte, mein Gesicht jeden Tag blutete und wehtat, hatte ich nur noch ein Ziel vor Augen: Wieder wunderschöne, reine Haut zu haben und glücklich zu sein.

Ich versuchte wirklich alles, um meine sogenannte Derma alleine zu bewältigen. Ich kaufte Kalender, markierte die Tage, schrieb Wochenpläne, dokumentierte Erfolge und Misserfolge, entwickelte diverse Belohnungssysteme oder Challenges, die es mir leichter machen sollten, schrieb Erinnerungen, Briefe an mich selbst, Gedichte, Tagebucheinträge, Gedanken auf, zeichnete und malte ganze Bilder, versuchte es mit verschiedenen Instagramprofilen und mit vielem, vielem mehr.
Am Ende gab es nach jeder vermeintlich neuen Lösung, die immer mit dem Gedanken ,,Dieses Mal schaffe ich es“ und viel Motivation begann, eine erneute riesige Enttäuschung, einen Rückfall, Selbstzweifel und ganz viel Trauer (mit der ich wieder alleine war).

Mein Idealbild von der perfekten Haut traf nie ein. Nicht nach einem und auch nicht nach sechs Jahren. Und ich bin mir sehr sicher, dass sich mit diesen Methoden auch in 10 und 20 Jahren nichts ändert. Skin Picking ist ein Teufelskreis. Ich habe das Gefühl, dass alle meine Gedanken, meine Kraft und mein Wille kontrolliert werden.

Aber wie kann ich dann etwas verändern?

Dafür blicke lieber in die traurige Realität: Ich habe kaputte Haut, verletze mich jeden Tag neu. So gibt es kein neues, besseres Ich in der Zukunft.
Wenn ich überlege, was ich da eigentlich mache, wird mir sofort klar, dass ich das grundsätzlich gar nicht will. Meine wahre Einstellung dazu sagt also eigentlich: Nein, das ist falsch. Skin Picker werden verstehen, dass wir unsere wahren Einstellungen während einer Skin-Picking-Phase schnell ausblenden. Ich habe mir verinnerlicht: Egal, was du gerade für richtig hältst: Skin Picking ist falsch, es hilft dir nicht. Wenn dieser Satz mir dann beim Picken einfiel, ließ ich sofort davon ab. Ohne Ausnahme - ganz konsequent. Das hat mir sehr geholfen.

Dann habe ich das Gleiche für Folgendes angewandt:
  • Die Haut im Spiegel anschauen ist falsch.
  • Die Haut anfassen ist falsch.
  • Überhaupt an Skin Picking denken ist falsch.
Ich habe diese Methode immer angewandt, wenn mir bewusst wurde, dass ich etwas Falsches mache. Ich war immer konsequent, von früher hatte ich gelernt, dass meistens schon eine einzige Ausnahme alles wieder kaputt macht.

Diese Methode habe ich persönlich für mich entdeckt und damit erste längere Erfolge erlebt. Das hat mir viel Mut gemacht. Ich hatte nach längerer Zeit wieder etwas Lebensfreude, was meine Haut angeht.

Ich möchte nicht verallgemeinern, dass es von Betroffenen ausgedachte Methoden gegen Skin Picking gibt, die wirklich funktionieren. Es ist wohl die beste Lösung, den Rat und die Behandlung eines Professionellen zu bekommen. Wenn ich wirklich ehrlich zu mir selbst bin, werde ich es wahrscheinlich auch mit dieser Methode nicht schaffen, das Skin Picking zu überwinden. So ist die Krankheit eben, man versucht es immer und immer wieder. Ich bin jetzt 16 und ich will und werde nicht weiter leiden. Ich habe mir ein letztes (oh, wie ich diesen Satz hasse) Ziel gesetzt: Wenn meine Methode nicht bis Ende meiner Sommerferien funktioniert (sehr wahrscheinlich), suche ich einen Psychologen auf.

Ich werde mein Leben verändern, und ich wünsche allen und jedem, der meine Sucht oder meine Schwierigkeiten teilt, alles Liebe und ganz viel Glück, Stärke und Entschlossenheit für ein besseres Leben!

Franzi"

Vielen Dank für dein Vertrauen in uns und deinen Mut in dich selbst, liebe Franzi!

13. August 2019

Was ist passiert?

Der Klassiker mal wieder... Ich sehe mich jeden Tag unzählige Male, doch gerade eben blickte ich in den Spiegel, sah Folgendes und habe mich erschrocken:




Mensch Jacqueline, was ist nur wieder passiert? Wieso verlierst du ständig den Blick dafür, wie deine Haut aussieht? Wieso muss es immer so ausarten, bevor du erkennst, dass jetzt genug ist?

Ich fragte mich bei diesem Anblick ernsthaft, wann genau das passiert ist. Eine Antwort habe ich keine, denn ich weiß es einfach nicht. Ja, ich drücke wieder recht viel und ja, vielleicht kratze ich auch die ganze Zeit, während ich in der Uni bin und an meiner Hausarbeit sitze. Aber eigentlich müsste das doch ein schleichender Prozess sein und von Tag zu Tag schlimmer werden? Ich seh das jedenfalls nicht, bis ich einen kleinen Schock bekomme - genau wie jetzt. Ich hasse es so sehr, mich an diese Ausmaße gewöhnt zu haben. Es soll Schluss damit sein, verdammt!

10. August 2019

Augen auf!


Mit dem heutigen Beitrag möchte ich mich an all diejenigen wenden, die sich als Skinpicker häufig alleine fühlen und glauben, sie seien die Einzigen mit dem Problem. Man könnte jetzt meinen, dass es jedem von uns so geht oder zumindest mal ging. Vielleicht stimmt das auch, aber eventuell wird meine Intention beim Schreiben deutlicher.

Ihr glaubt, niemand anderes fühlt sich wie ihr? Ihr glaubt, niemand anderes tut seiner Haut Schaden an und schämt sich dafür? Ihr glaubt, die Haut von niemand anderem sieht aus wie eure? Ich weiß, wie es ist, sich so zu fühlen. Das kommt, weil es so viel einfacher ist, all die Menschen zu sehen, die es vermeintlich besser haben.

Tatsache ist allerdings: Ihr seid nicht allein! Es gibt da draußen Menschen wie dich und mich. Andere Skinpicker, andere Menschen mit Hautproblemen jeglicher Art und den Gefühlen, die diese Probleme gerne mit sich bringen. Ich möchte euch heute gewissermaßen dazu auffordern, in Zukunft mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen und eure Mitmenschen mal ganz genau wahrzunehmen. Ihr werdet staunen, wie viele Menschen mit Hautproblemen herumlaufen und ein paar davon machen möglicherweise den Anschein, als könnten sie an Skin Picking leiden. Das wird vermutlich selten vorkommen, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es vorkommt. Vor einigen Monaten sah ich zum Beispiel eine Frau an der Kasse eines Supermarktes mit runden Stellen und Narben auf den Armen. Ich konnte erkennen, dass diese Stellen von ihr selbst bearbeitet worden sind. Ein anderes Beispiel: Neulich am Bahnhof konnte ich eine Frau beobachten, die auch ein paar solcher Stellen hatte und sich zudem noch im Gesicht herumpulte. Sie schien unter Stress zu stehen. Nach diesen Begegnungen wurde mir klar, dass unter all den Fremden, die wir tagtäglich sehen, auch Skinpicker sein können. Wie ich bereits sagte: Menschen wie du und ich. Vielleicht wissen diese Personen gar nicht, was sie tun. Vielleicht kümmert es sie nicht... Vielleicht kämpfen sie aber auch genauso wie wir. Das macht sie zu Verbündeten, auch, wenn es eine "stille" Verbindung ist. Wisst ihr, was ich meine? Was ich versuche, zu sagen?

Für mich haben diese beiden Frauen ein starkes Empathiegefühl ausgelöst und das, obwohl sie mir vollkommen fremd waren. Zu gerne hätte ich ihnen gezeigt, dass ich sie verstehe und dass wir auf gleichen Wegen unterwegs sind - ob wissend oder unwissend. Wahrscheinlich haben sie es kaum gemerkt, aber ich bin ihnen mit extremer Freundlichkeit, Höflichkeit und Respekt begegnet. Habe versucht, ohne Worte zu zeigen, dass ich aufgrund von meiner eigenen Geschichte sensibel mit ihnen umgehe. Klingt das schwachsinnig? Hoffentlich wisst ihr, wovon ich spreche. :D Zusätzlich hat es mir verdeutlicht, was ich eigentlich im Hinterkopf schon weiß: Dass ich eben nicht alleine bin. Es gibt da draußen unter all den anonymen Gesichtern Gleichgesinnte, Mitleidende und Mitkämpfende.

Also: Augen auf, wenn ihr unterwegs seid!