15. Mai 2022

Zebrastreifen mal anders

Ich wollte mal wieder etwas kreativ sein und eine Idee aus meinem Kopf ausprobieren, es lief aber ganz anders als geplant und so kam ein völlig unerwartetes Ergebnis heraus... Die Message bleibt allerdings gleich: Lasst uns öfter mal von dem lösen, was klassischerweise als "Norm" und "schön" verstanden wird. Klar, das tun wir mit unserer Haut in gewisser Weise sowieso (wobei auch unsere Haut normal ist!), aber ich meine das bezogen auf die Auseinandersetzung damit. Es muss nicht "künstlerisch wertvoll" sein, was ihr da anstellt, aber Hauptsache, ihr beschäftigt euch mit eurer Haut als Leinwand statt als Stressabbau-Spielplatz. Lasst eurer Kreativität freien Lauf, testet mal scheinbar verrückte Ideen aus etc. Dadurch ermöglichen wir uns, unsere alltägliche Perspektive zu verlassen und mal mit anderen Augen auf die Erkrankung und unsere Haut zu blicken. Gefangen in unseren immer gleichen, kritischen und verurteilenden Verhaltens- und Denkmustern kommen wir ja nicht weiter. Das finde ich wahnsinnig wertvoll und deswegen mache ich Dinge dieser Art ab und zu (leider zu selten) - und hoffe nebenbei, euch dazu motivieren zu können. Denn unsere Haut kann mehr als bloß Auslöser für Trigger, Trauer, Schmerz und Wut sein! Wir können unsere Haut mehr als nur drücken, quetschen, kratzen und pulen! Wir können sie sogar mögen lernen. Schritt für Schritt.
 



9. Mai 2022

Die Verzerrung

Jap, ich bin's schon wieder. Hi! Ich bin irgendwie in so eine teilfreudige Stimmung gekommen und die nutze ich dann einfach mal ganz frei aus.
 
Ich möchte über eine Verzerrung bzw. Verschiebung schreiben, die ich bei mir beobachte. Eigentlich ist sie mir schon länger mehr oder weniger bewusst, aber so richtig klick gemacht hat es nie, weil ich das Ganze dann doch eher in den Hintergrund geschoben und nicht weiter beachtet habe. Bis jetzt! Vorhin hat es dann irgendwie klick gemacht und ich konnte nicht anders, als mir diese Verzerrung einzugestehen. Undzwar haben sich im Vergleich zu vor vielen Jahren meine Wahrnehmung/Einschätzungsfähigkeit/Vergleichswerte bezüglich meines Hautzustandes und des Ausmaßes meiner Dermatillomanie verschoben. Was für mich "gut", "mittelmäßig" oder "(sehr) schlecht" ist, hat sich für mich seit den Anfängen meiner Betroffenheit von Skin Picking sehr verändert. In einem gewissen Maß wird das wohl normal sein, denke ich, da wir mit der Erkrankung von Natur aus durch verschiedene Phasen gehen. Aber ich glaube, ich verliere zu oft aus den Augen, wie sehr sich mein Skin Picking und meine Haut über die Jahre verschlechtert haben. Ich lerne zwar stetig dazu und übe mich im Umgang mit all dem, aber meine Haut wird graduell schlechter und schlechter, mein Skin Picking nimmt immer mehr zu. So verschiebt sich auch mein Gefühl dafür, was jetzt eine Art Mittelmaß ist. Was aktuell für mich "mittelmäßig gut" ist, war damals für mich schon selten und wahnsinnig alarmierend. Ich hatte damals sogar Phasen, wo echt wenig in meinem Gesicht los war.... wo einfach fast keine akuten, offenen Wunden oder Entzündungen existierten. Jetzt ist das nahezu undenkbar.

Deswegen. Als ich euch neulich ein Statusupdate gegeben habe, waren meine Worte definitiv von dieser Verzerrung gefärbt. Gut, meine Haut war da auch noch einen Ticken besser als in diesem Moment, wo ich hier sitze, aber dennoch: Nein, meine Haut ist nicht mittelmäßig. Klar, es ging auch schon schlimmer, aber dennoch ist sie in einem scheiß Zustand und das kann und muss ich auch einfach mal so sagen! Wieso merke ich das teilweise selbst nicht mehr, wie stark übersät mein Gesicht und mein Dekolleté von Pickeln und Wunden sind? Ich habe in dem besagten Post zwar angedeutet, dass ich wohl nicht mehr ganz dazu in der Lage bin, die Tiefphasen als solche zu erkennen, aber es geht eigentlich noch viel weiter als das... Ich besitze gar kein richtiges Gespür mehr dafür und finde es zum Beispiel "normal", Schmerzen zu haben, wenn ich mein Gesicht auch nur berühre oder darüber streiche. Tagtäglich nervt mich meine Haut mit ihren Eigenheiten und ihrer Beschaffenheit. Und was ein "guter" Hautzustand ist, das habe ich eigentlich vollkommen vergessen. Die einzige Erinnerung daran existiert in Bildaufnahmen, die vor vielen Jahren entstanden sind...

Ich würde euch gerne meine Haut zeigen, wie sie heute aussieht, aber es ist mir nicht möglich, ein Foto von meiner Haut zu machen, ohne, dass sie komplett irritiert ist. Ich bin ununterbrochen am kratzen und drücken, sodass mir gefühlt das ganze Gesicht brennt und anschwillt. Deswegen zeige ich euch Fotos von neulich - auch, wenn es da (noch) gar nicht so schlimm ist. Achso und ja, auch dort ist meine Haut durch vorheriges Skin Picking gerötet und geschwollen, so ist das eben mit meiner physikalischen Nesselsucht. Allerdings kein Vergleich zu heute.



6. Mai 2022

Mein Masken-Schutzschild

Moin!
 
Ich sitze gerade in der Uni-Bibliothek - mein Versuch, mich irgendwie zur Produktivität zu bekommen. Meine Haut ist aktuell schwierig, gerade die letzten Tage waren wieder die Hölle: Ein Höchstmaß an Entzündungen, Rötungen und Triggerpotential begleitet mich seither. Gerade die ganzen Krusten triggern mich extrem, die kratze ich normalerweise auch immer nach jedem Duschen ab, um eine sich möglichst ebenmäßig anfühlende Hautoberfläche zu erreichen. Klar verlangsamt es den Heilungsprozess, das ist mir schon bewusst, aber ich kann sie einfach nicht da lassen... Es gehört zu meiner Routine. Ihr kennt das bestimmt.

Zurück zur Bib: Bis vor einiger Zeit (bevor halt fast überall die ganzen Coronaregeln gefallen sind) war hier Maskenpflicht, auch an den Sitzplätzen. Jetzt gibt es keinerlei Maskenpflicht mehr und ich bin seitdem mal so, mal so unterwegs (beim Gehen in Innenräumen trage ich sie immer, aber am Sitzplatz setze ich sie auch mal ab). Heute hatte ich keine Zeit, mir nach dem Duschen die Krusten abzukratzen und so könnt ihr euch sicher denken, dass das ständig präsent in meinem Kopf ist, seit ich von Zuhause los bin. Und anfangs konnte ich mich auch noch einigermaßen zusammenreißen, weil ich die Sorte Skinpicker bin, die das eher ungern vor anderen Menschen bzw. in der Öffentlichkeit macht, aber das hat vor einigen Minuten begonnen, mir weniger auszumachen. Da ich meine Maske heute nicht auf behalten wollte und ungeschminkt bin, sind meine Hände eben immer häufiger und länger über mein Gesicht gefahren und haben nach Krusten gesucht, die ich hier und da auch aufgekratzt habe. "Lass es sein, deine Haut wird rot werden und anschwellen" oder "Sicher sieht dich gerade jemand und denkt, dass du eklig und komisch bist" sind Gedanken, die mich währenddessen geplagt haben. Aber meine Hände waren stärker als diese Gedanken.

Und da ist mir dann auch bewusst geworden, was für ein effektives Schutzschild diese Maske doch sein kann. Ich habe zwar auch einige Stellen auf der Stirn, aber die meisten Krusten sitzen unter der Maske, wenn ich sie trage. Darum habe ich mir in einem Moment der Aufmerksamkeit die Maske geschnappt und sie aufgesetzt. Schluss damit! Die Krusten bleiben da jetzt und du wirst davon nicht sterben, Jacqueline. Im Gegenteil bekommt deine Haut einige Stunden mehr die Chance, zu heilen.

3. Mai 2022

Ein Mini-Erfolg

Sind auch die ganz kleinen, unscheinbaren Erfolge und Fortschritte es wert, sie zu teilen und zu feiern? Ganz klar: Ja! Immer!
 
Und da ich den Gedanken schön finde, auch ein noch so kleines Erlebnis meines Lebens mit euch zu teilen (ganz wie in alten Zeiten vor vielen Jahren), mache ich das jetzt einfach. Ob es für euch Mehrwert hat oder nicht, das liegt sowieso nicht in meiner Hand, sondern bei euch. Und wenn ihr euch nur kurz mitfreut oder angeregt werdet, auf eigene Mini-Erfolge zu achten, ist alles Wichtige erreicht. :)
 
Es geht darum, dass ich es seit 1-2 Tagen (genau weiß ich es nicht) schaffe, einen ganz bestimmten Pickel komplett in Ruhe zu lassen. Es ist eine Stelle, mit der ich vor einigen Monaten große Probleme hatte - mir bleibt davon oft eine Hautveränderung zurück, die anfällig für wiederkehrende Entzündungen oder Unterlagerungen ist. Und jetzt hat sich eben vor 1-2 Tagen wieder so ein Untergrundpickel an dieser Stelle angekündigt, den ich normalerweise nicht lange ignorieren könnte, bis ich ihn malträtiere. Alles natürlich mit besten Absichten in der Hoffnung, dieses Böse aus meiner Haut rauszuquetschen, bevor es sich anständig einnistet. Naja, ihr kennt das. Man macht es natürlich nur noch schlimmer und hat viel länger was davon als wenn man nicht gedrückt hätte (oder zumindest nicht bevor er reif gewesen ist). Mit diesem Gedanken halte ich mich bisher noch erfolgreich von ihm fern. Klar, ich gucke ihn mir hin und wieder genau an und selbstverständlich juckt es mir dabei elendig in den Fingern, aber ich lasse es sein. Vielleicht hat er morgen oder übermorgen Bock, endlich an die Oberfläche zu treten. Dann würde ich kurzen Prozess mit ihm machen. Aber bis jetzt ist er einfach da und es fühlt sich verdammt gut an, dem Drang zu widerstehen. Wie lange habe ich etwas in dieser Art nicht mehr geschafft...? Es ist ewig her. Ständig war es mir egal, ständig war und bin ich mir nicht wichtig genug. Aber ich bin wichtig. Ich darf mir zuliebe (ja, "nur" mir selbst zuliebe!) auf mich achten. Crazy. Ich muss da so viel lernen... Hello Therapie in einigen Jahren.

30. April 2022

Mal wieder ein Statusupdate

Hiii! :)
 
Ich habe neulich reflektiert und gemerkt, dass sich die Art von Beiträgen auf meinem Blog für mein Gefühl ein wenig verändert hat. Sie haben weniger Tagebuch-Charakter, wenn man so will. Ich schreibe allgemeiner, mehr von Erkenntnissen, gedanklichen Impulsen und Themenkomplexen. Es geht immer weniger direkt um mich und wie es mir (mit dem Skin Picking) geht. Deswegen gibt es heute mal ein kleines Statusupdate. Als würden wir uns bei einer Tasse Tee kurz über das Wohlbefinden des Gegenübers unterhalten. Wenn du magst, darfst du also am Ende des Posts mit einem Kommentar (alternativ per Mail) reagieren und mir von dir erzählen: Wie geht es dir zurzeit? Wie kommst du mit dem Skin Picking zurecht? Hast du zuletzt vielleicht Erkenntnisse erlangt, Fortschritte gemacht oder Ähnliches? Und wenn es eher Rückschritte waren, wie bist du damit umgegangen?

Meine Haut ist gefühlt seit laaaanger Zeit im ungefähr gleichen Zustand. Geht besser, aber war auch schonmal schlimmer. Wobei gut... zuletzt gab es eine recht lange Tiefphase mit vielen Entzündungen, Schmerzen und Triggerpotential. Aber ich glaube, dass ich mich inzwischen auch so sehr an die schlimmen Phasen gewöhnt habe, dass ich sie nicht mal mehr richtig als solche wahrnehme. Ich verlebe meine Tage irgendwie und ich drücke mehrmals täglich - mal nur für ein paar Minuten, mal für 15, 20, 30, 40 Minuten. Ich tue schon seit so vielen Monaten kaum bis gar nichts mehr dagegen, weil ich keine Ressourcen dafür übrig habe. Mir fehlt außerdem der geregelte Tagesablauf, eine zumindest grundständige Routine für meine Haut und natürlich auch Motivation. Ich störe mich schon ein wenig an dem Zustand meiner Haut, aber auch nicht zu sehr. Es ist wie es ist, könnte man sagen. Ich habe ja sowieso keinen anständigen Vergleich mehr, da meine Hochphasen lange her sind und irgendwie auch nicht mehr die gleiche Höhe erreichen wie früher einmal. Nur, wenn ich ältere Fotos anschaue, sehe ich einen deutlichen Unterschied, was meine Haut betrifft. Das macht mich dann schon traurig und weckt eine leise Stimme in mir, die sagt, dass sie sich diesen Zustand zurück wünscht. Es ist also nicht so, dass ich meine Situation nicht gerne anders hätte. Langfristig will ich noch genauso sehr frei vom Skin Picking werden wie vor ein paar Jahren. Aber man muss auch einsehen, dass sich Zeiten ändern. Diesbezüglich bin ich sehr gespannt, was die nächsten Jahre alles passiert. Was meine Beschäftigung mit dem Thema anbelangt: Die wird bleiben! Ich werde weiterhin hier und auf Instagram Fotos zeigen, Beiträge schreiben, mit anderen Betroffenen im Austausch sein und und und. Außerdem hoffe ich, dass ich vielleicht hier und da weitere Anfragen für die Öffentlichkeitsarbeit erhalten und wahrnehmen darf. Das fände ich toll! Die Reise geht weiter und eines Tages wird der Zeitpunkt kommen, wo der Weg zur Heilung klar und deutlich vor mir liegt und ich mich mit vollem Bewusstsein und ohne Entschuldigungen dafür entscheide, ihn zu gehen. Bis dahin werde ich mich ihm weiter Stück für Stück annähern.