14. Oktober 2024

Der buten un binnen Beitrag

Hallo, ihr Lieben!
 
Ich hatte euch zuletzt berichtet, dass es drei neue TV-Beiträge über Skin Picking zu sehen gibt. Ich hoffe, ihr habt mal reingeschaut!? Kann ich euch nur ganz dick empfehlen!

In diesem Blogpost möchte ich ein wenig mehr über den Beitrag von buten un binnen sprechen, in dem ich mit meiner Dermatillomanie zu sehen war. Wie kam das Ganze zustande? Wie war der Drehtag? Wie finde ich den fertigen Beitrag? All solche Fragen möchte ich dabei unter die Lupe nehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund meiner bisherigen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Beiträgen, denn dies ist ja nicht der erste Fernsehbeitrag, in dem ich zu sehen war.

Hier könnte ihr dazu nochmal nachlesen, falls Interesse besteht:

Nun zurück zum aktuellen TV-Beitrag. Die ursprüngliche Erstanfrage von buten un binnen kam Mitte September. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich noch die Rede von Radio und Online-Artikel - alles im Rahmen der diesjährigen bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit unter dem Motto "Hand in Hand für seelische Gesundheit am Arbeitsplatz", die vom 10.10.2024 bis 20.10.2024 geht. In einem darauffolgenden Telefonat wurde ein TV-Auftritt nicht ausgeschlossen. Doch ob das alles was werden würde, war noch nicht in trockenen Tüchern. Nicht lange danach erhielt ich dann die Rückmeldung, dass es gut aussieht und man auf mich zukommen würde. ..... Es passierte und passierte nichts. Gerade, als ich dachte, dass es wohl einfach nichts mehr wird, kam letzte Woche Mittwoch der Anruf.

Aus dem Beitrag vom buten un binnen regionalmagazin 10.10.2024

Das Telefonat verlief gut, ein TV-Beitrag sollte es also werden. Aber es war bereits der 09. Oktober...nicht mehr viel Zeit für Mitte Oktober, was ich bis dahin in meinem Kopf als Zeitraum abgespeichert hatte. Und dann diese Formulierung von der Redakteurin: "Aber einen kleinen Haken hätte die Sache... Hättest du denn heute oder morgen spontan Zeit?". Ich, die Unspontanität in Person, war erstmal völlig sprachlos. :D Wie? Heute? Morgen? Jetzt? So schnell? Lange Rede, kurzer Sinn: Nach nicht mal einer Stunde habe ich mich gesammelt, auf der Arbeit kurz was abgesprochen und dann zurückgerufen, um ihr mitzuteilen, dass wir direkt am nächsten Tag drehen können. Ungewohnt spontan für mich, aber hey, man darf sich auch mal aus der Komfortzone trauen! Erst recht für so einen Zweck, denn diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen! Auch nicht davon, dass meine Haut die Tage zuvor völlig explodiert ist und ich damit ziemlich gestruggled habe.

Am nächsten Tag haben wir uns nachmittags für den Dreh verabredet. Die erste witzige Sache: Wie sich im Laufe der Dreharbeiten herausstellte, kannten die Redakteurin und ich uns mehr oder weniger flüchtig. Denn wir waren gemeinsam im gleichen Bachelorstudiengang vor rund sieben Jahren. Die Welt ist manchmal so irre klein, haha. Abseits dessen haben das Drehteam und ich fleißig gearbeitet und damit alle relevanten Szenen in etwas über einer Stunde auf Band bekommen. Wow! Das war deutlich schneller als erwartet und um Läääängen schneller als die bisherigen Dreharbeiten, die ich mitgemacht habe. Ebenso ungewohnt war die generell spontane, kurzfristige und etwas "chaotische" Art. Weniger denken und mehr machen. Einfach machen, es muss nicht perfekt sein. Überall kleine Challenges für die kleine Planerin und Perfektionistin in mir. Richtig gut! Einerseits war der Dreh damit so anders als die bisherigen und gleichzeitig fühlte sich alles auf eine vertraute Art und Weise routiniert an. Ich war im Prinzip gar nicht aufgeregt, eher gespannt und total bereit für alles, was kommen sollte.
 
Denn ich wusste zu dem Zeitpunkt auch schon ein weiteres, sehr wichtiges Detail: Der Beitrag sollte noch am Abend des gleichen Tages ausgestrahlt werden. Keine lange Wartezeit auf die Ausstrahlung! Wahnsinn, was für eine Arbeit da von allen Beteiligten abgeliefert wurde. Derart kurzfristig und unter Strom zu arbeiten, wäre nicht so meins. Jedenfalls ist die Ausstrahlung damit auf den 10.10.2024 gefallen, was nicht nur der Start der Aktionswoche war, sondern auch noch der World Mental Health Day. Passender geht es wohl kaum?

Aus dem Beitrag vom buten un binnen regionalmagazin 10.10.2024

Der fertige Beitrag ist um die 3 Minuten lang und gibt einen ersten groben Überblick über die Erkrankung. Neben den Szenen mit mir kam auch ein Psychotherapeut zu Wort, der die Thematik fachlich eingeordnet hat. Insgesamt muss ich sagen: Für die Kurzfristigkeit ist das ein durchaus gelungener Kurzbeitrag geworden! Klar, einige schöne Szenen und Aussagen wurden nicht integriert, aber das ist normal und gehört dazu. In erster Linie geht es darum, potenziell Betroffene auf das Krankheitsbild aufmerksam zu machen und sie ein kleines Stückchen zu sensibilisieren. Dieses Ziel ist zweifelsfrei erreicht, würde ich sagen.
 
BFRBs brauchen mehr Sichtbarkeit! Es muss sowohl in der Gesellschaft als auch in Fachkreisen mehr darüber gesprochen werden und dafür brauchen wir Formate, die über die Thematik berichten wollen. Wir brauchen eine Stimme, die gehört wird. Und ganz ehrlich? Da bin ich buten un binnen unendlich dankbar, dass sie dem Skin Picking Raum gegeben haben. Denn das setzt ein Zeichen: Dieses Thema ist sehenswert, dieses Thema ist ernstzunehmen. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft noch viele weitere Formate über BFRBs berichten möchten.

GANZ herzlichen Dank an buten un binnen für diese kurzfristige, aber doch sehr schöne Zusammenarbeit. Ich werde solche Ereignisse niemals für selbstverständlich nehmen. Es ist immer noch total besonders für mich, so etwas machen zu dürfen. Wer weiß, was die Zukunft noch so alles bringt...

4. Oktober 2024

Schneller Rückblick

Über 3 Monate ist mein letzter Beitrag nun schon her... Ich glaube, das ist die längste Beitragspause in der Geschichte dieses Blogs... :o Unnormal. Das Leben zieht förmlich in Lichtgeschwindigkeit an mir vorüber. Es ist viel passiert in der Zwischenzeit - viel Gutes, aber auch viel Anstrengendes. Ein Teil von mir möchte euch von einigen dieser Geschehnisse berichten, ein anderer Teil möchte einfach wieder loslegen, mit irgendwas. Daher versuche ich einen Mittelweg - ein schneller Rückblick über die vergangenen Monate.
 
Aber erstmal: Hallo und herzlich willkommen auf meinem Blog (der übrigens bald 10 Jahre alt wird, WTF). :) Es freut mich sehr, dass ihr noch hier seid! Ich bin immer noch die alte Jacqueline, wie ihr mich kennt. In der Zwischenzeit um ein Jahr gealtert und um immens viele Erfahrungen reicher. Das Skin Picking ist nach wie vor ein beständiger Begleiter in meinem Leben und das wird auch noch für einige Zeit so bleiben. Das spüre ich tief in mir und irgendwo spüre ich da auch eine Art Akzeptanz, was diesen Umstand angeht.

Zurück zu den letzten Monaten. Ich habe einige Bilder dabei, anhand derer wir ausgewählte Stationen der letzten Zeit nachlaufen werden.


Das war Anfang Mai, an meinem fünften Arbeitstag im ersten Job nach dem abgeschlossenen Studium. In den ersten paar Wochen dröhnte mir jeden Abend der Kopf, so viele neue Infos wollten aufgenommen und verstanden werden. Doch es war auch so unfassbar spannend, tagtäglich etwas Neues zu lernen. Es machte dadurch nämlich auch ne Menge Spaß!




Als diese Fotos entstanden, war es Ende Mai und mein Hautzustand ganz in Ordnung. Zumindest aus damaliger Sicht, denn aus jetziger Sicht ist das, was ich da sehe, beneidenswert. So ein "ruhiges" Hautbild irgendwie. Da könnte ich jetzt nur von träumen... Jedenfalls ging mir schon zu diesem Zeitpunkt das tägliche Schminken langsam auf den Sack. :D Eins wusste ich nämlich schon sehr früh: In diesem Job werde ich NIE ungeschminkt sein. Nie. Das gibt das Setting einfach nicht her. So ähnlich wie in meinem Nebenjob, den ich übrigens Ende Juni zu Ende Juli gekündigt hatte, weil es einfach nicht mehr machbar war. Die ersten zwei Monate versuchte ich noch, einen Vollzeitjob, einen Nebenjob auf Minijob-Basis, lauter Bürokratie-Unsinn, einen Haushalt, Freunde, Beziehung und ehrenamtliche Tätigkeiten im Hintergrund unter einen Hut zu bekommen, aber ich musste schnell einsehen, dass das nichts wird. Daher die Entscheidung, meinen Nebenjob nach fast 9 Jahren zu kündigen. Stand jetzt wüsste ich bei Gott nicht, wie ich das überhaupt noch packen sollte, ich schaffe ja schon den Haushalt kaum und von dem Führen meines Blogs bzw. Instagram-Profils ganz zu schweigen...


Hier seht ihr ein KI-generiertes Bild von mir, weil meine Kollegin das wesentlich origineller findet als Namenskärtchen für die Plätze im Büro. Was sagt ihr: Ist eine Ähnlichkeit erkennbar? :D
Ich bin jedenfalls extrem froh und unendlich dankbar, dass das Team mich von Anfang an herzlich aufgenommen hat und mich schon bei so vielen Situationen unterstützt hat. Die richtigen Arbeitskollegen machen soooo viel aus, ehrlich.



Der Selbsthilfetag in München Anfang Juli. Ich hatte in meinem letzten Post darüber berichtet und werde auch noch ausführlicher von diesem großartigen Ausflug erzählen, wahrscheinlich im folgenden Beitrag. Der wird dann wie immer mit zahlreichen visuellen Eindrücken geschmückt sein, ich habe nämlich mein Bestes gegeben, das Ganze angemessen fotografisch zu begleiten.




Das war Mitte Juli. So oder so ähnlich ist mein Hautzustand seitdem bis heute. Ich komme einfach nicht mehr auf ein stabiles Niveau und bin ganz aktuell ziemlich genervt davon. Skin Picking ist täglich Thema, verlangsamt mich am Morgen vor der Arbeit und am Abend vor dem Schlafengehen. Ich habe keinen Bock mehr, das ständig (halbwegs) wegschminken zu müssen. Gib meiner Haut Zeit zu atmen, man. Diese ganze Schminke tut ihr nicht gut.


Meine Fetthaut und ich Ende Juli nach einem langen Tag mit 13 Stunden Schminke tragen. Uff, das war lang! Dementsprechend glänzte meine Haut auch. Dieses Foto zu machen und zu zeigen, war/ist eine Überwindung, denn ich hasse meine fettige Haut so sehr. Nach wenigen Stunden ist das Make-Up bereits am schwimmen vor lauter Fett. Aber hey, wenigstens war das Abendlicht ein Träumchen!



Das war mein 27. Geburtstag. Ein Anlass, um mich mal etwas schicker zu machen und meine neue Bluse anzuziehen. Obwohl die Zeit kurz zuvor sehr turbulent war und es an dem Tag auch schlechte Neuigkeiten gab, habe ich früh Feierabend gemacht und versucht, den Stress ein wenig zu vergessen. Es wurde ein schönes Wochenende mit wertvoller Quality-Time, die es viel zu selten gibt.

Ja, das waren so im Kern die letzten Monate. Im September gab es noch ein Klassentreffen von meinem Abijahrgang, am gleichen Abend eine Einweihungsfeier einer guten Freundin, ein schönes und leckeres Essengehen mit Arbeitskollegen und einen langersehnten Termin beim Frisör zum Färben nach über einem Jahr (!). Es ist viel gewesen und ganz ehrlich? Es ist nach wie vor viel. Ich weiß nicht, ob es je aufhören wird, viel zu sein. Trotzdem vertraue ich darauf, dass die Zeit ihren Teil regeln wird. Auf jeden Fall freue ich mich riesig, wieder mehr zu schreiben und mit euch in Kontakt zu gehen. Danke für eure Geduld! Bis bald. :)

27. März 2024

Eindrücke meiner Haut - 36

Einen wunderschönen guten Abend wünsche ich euch!
 
Es ist nach wie vor viel los hinter den Kulissen. Die Jobsuche und alles drumherum beschäftigt mich immer noch sehr und oben drauf hatte ich zuletzt die wohl schlimmste Erkältung jemals. Das Leben meint es derzeit nicht sonderlich gut mit mir... Aber eine erfreuliche Sache gab es im März! Und die möchte ich euch nicht vorenthalten, seht selbst:


Ja, das bin ich! Das ist meine Haut. Unfassbar, oder? Sogar kurz nach dem Aufwachen, noch mit Pickelpatches im Gesicht. :D

Was das angeht, meinte es der März gut mit mir. Die Erkältung hat der Heilung sogar noch einen zusätzlichen Boost gegeben, weil es mir die meisten Tage so schlecht ging, dass es körperlich gar nicht möglich war, vor dem Spiegel zu stehen und mich derart zu fokussieren. Ich bin echt total vom Hocker gehauen, wenn ich die obige Aufnahme betrachte! Meine Haut kann ja noch so aussehen! Unter dem ganzen Skin Picking versteckt sich etwas, was gar nicht mal so schlimm ist. Wow. Selbst meine letzten außerordentlich guten Phasen (September/Oktober 2023, Dezember 2023) kann ich hiermit übertreffen, schätze ich. Und ja, ich bin mir darüber bewusst, dass dieser Zustand höchstwahrscheinlich wieder nur temporär sein wird. Aber das soll meine Freude nicht schmälern. Ich bin dankbar, dass ich angesichts weiterer Bewerbungsgespräche so eine Haut haben darf. Das erleichtert mir vieles. Und selbst, wenn es bald wieder bergab geht, so habe ich mir erneut beweisen können, dass es möglich ist, aus dunklen Phasen aufzusteigen. Es fordert enorm viel Kraft und eventuell auch etwas Glück, was die Zyklusphase und einige andere Faktoren betrifft, aber es ist möglich. Das schenkt Hoffnung, finde ich.

Bevor die nächste Talfahrt einsetzt, werde ich das Hoch so gut es geht genießen. Und euch wünsche ich erstmal eine schöne Osterzeit und einen guten Start in den Frühling!

23. Januar 2024

Don't be fooled



Zwei ganz interessante Aufnahmen, oder? So für sich allein stehend würde sich der ein oder andere Betrachter vielleicht nicht viel denken, aber direkt gegenüberstehend ergibt sich ein ziemlicher Kontrast. Der ist natürlich beabsichtigt - ich finde es einfach immer wieder spannend, solche Gegenüberstellungen zu machen und darüber zu philosophieren, was ich beim Anblick für Assoziationen und Erkenntnisse sammeln kann.

"Don't be fooled" ist der Titel. Treffend, aber nicht erschöpfend. Natürlich seht ihr hier, dass man mit einfachen Mitteln dafür sorgen kann, ein KOMPLETT anderes Äußeres zu schaffen und somit sein Erscheinungsbild maßgeblich zu beeinflussen. Licht, Winkel, Make-Up, Kleidung und wenn ich gewollt hätte, wäre mittels Bildbearbeitung noch sehr viel mehr möglich gewesen (siehe dazu auch diesen Beitrag). Gleichzeitig seht ihr auch etwas in meinen Augen, nicht wahr? In der geschminkten Version könnte man mir unterstellen, dass meine Augen mehr strahlen und dass ich mich wohler fühle. Eventuell würde man sogar so weit gehen und sagen, dass diese Momentaufnahme an einem deutlich besseren Tag (was kann "ein besserer Tag" alles bedeuten?) entstanden ist. Dabei liegen diese beiden Bilder nur fünf Tage auseinander. Die Haut kann in sich in dieser kurzen Zeit kaum verändert haben. Ebenso wenig hat sich die Situation bzw. Lebenslage geändert, in der ich war. Klar, der Ort ist ein anderer und vielleicht waren die Themen in meinem Kopf auch anders gewichtet. Aber es sind nur Feinheiten und doch möchte ich zugeben: Ja, geschminkt fühl(t)e ich mich wohler und sicherer. Mir fiel das Lächeln ein Stück weit leichter. Ich konnte mich mit weniger Mühe auf andere Dinge als meine Haut konzentrieren. Ich konnte besser im Außen sein, lockerer mit anderen Menschen kommunizieren und soziale Interaktion mehr genießen. Das wären nur ein paar Beispiele, ich möchte allerdings auf etwas anderes hinaus.

Und zwar bin ich in beiden Fällen die gleiche Jacqueline. Mit den gleichen Stärken und Schwächen. Mit den gleichen Fähigkeiten und Talenten. Mit dem gleichen Wissen und mit den gleichen Erfahrungen. Mit den gleichen Werten und Eigenschaften. Auf beiden Bildern bin ich gleich viel wert und in gleichem Maße liebenswert. Ich habe verdient, schöne Momente zu erleben und wertvolle Erinnerungen zu sammeln - egal, wie meine Haut aussieht; egal, wie ich gekleidet bin; egal, ob und wie sehr ich geschminkt bin. Wie ich aussehe, erlaubt mit keiner Garantie einen Rückschluss darauf, wie es mir geht und was mich beschäftigt. Ich kann geschminkt sein und einen schlechten Tag haben, sodass ich mich überhaupt nicht wohlfühle. Ich kann ungeschminkt sein und den besten Tag seit Langem erleben, an dem ich keinen Gedanken an meine Haut verschwende. Was ich unternehme und wie ich mein Leben gestalte, darf unabhängig von meinem Erscheinungsbild und meinem derzeitigen Hautzustand sein. Letztendlich steckt hinter jeder geschminkten Version von mir doch sowieso die ungeschminkte Wahrheit. Wer diese ungeschminkte Jacqueline zu sehen bekommen darf, entscheide ich (größtenteils) selbst. Dennoch wünsche ich mir irgendwo, dass jederzeit der Raum dafür da ist, vorurteilsfrei in jeder Version von mir existieren zu dürfen. Ob ich das tatsächlich tue, ist ein anderes Paar Schuhe. Mir geht es um die Möglichkeit, um die Wahl. Ich kann es nicht ab, wenn ich mich dazu gezwungen fühle, mich schminken und auf eine bestimmte Weise kleiden zu "müssen"...

Achja und darüber hinaus fällt mir gerade spontan noch ein: Ich habe oben von Momentaufnahmen gesprochen. Ich finde, diesen Begriff dürfen wir uns beim Medienkonsum stärker vor Augen halten. Fotos sind nur Aufnahmen eines winzigen Moments. Sie können wahnsinnig viel ausdrücken, aber auch total viel verbergen. In dem einen Moment mache ich ein Foto von mir, wie ich mich für die Arbeit fertiggemacht habe und wenige Stunden später kann es sein, dass ich bei meiner Abendroutine in eine intensive Drücksession gefallen bin. In dem einen Moment stehe ich in denkbar ungünstigem Bib-WC-Licht und gleichzeitig kann es sein, dass ich kurz vorher mit einer lieben Freundin in der Mensa essen war, viel gelacht habe und sie sich vielleicht sogar dachte "Jacqueline strahlt heute wieder so!". Bewusstes und aufmerksames Hinschauen lohnt sich. Für euch und für eure Mitmenschen.

...Heute mal wieder ein paar random Gedanken, die hoffentlich als Reminder bei euch ankommen! Liebe geht raus! <3

19. Januar 2024

Rückfälle

Guten Abend!
 
Ich muss mir wohl eingestehen, dass jeglicher Optimismus und jegliche Zuversicht nichts bringen, wenn die eigene Haut förmlich schreit. Ich habe dieses mittelmäßige Niveau lange halten können und dachte auch, ich würde von da aus wieder Schwung kriegen und in eine neue Hochphase gelangen. Aber das hat nicht so funktioniert wie gedacht. Stattdessen bin ich wohl in einer Art Tiefphase oder Rückfall - es ging weiter bergab und jetzt darf ich erst einmal die Talfahrt genießen. Von hier aus ist es immer so verdammt schwer, wieder hochzukommen! Schließlich hat einen der Teufelskreis so fest im Griff, die Haut ist überall entzündet und das KANN ich einfach nicht in Ruhe lassen! Kennt ihr wahrscheinlich auch. Vorgestern Abend hatte ich eine recht heftige Session vor dem Spiegel, nachdem ich von der Arbeit heim gekommen war und mich abgeschminkt hatte. Die morgendliche und abendliche Badroutine sind Risikosituationen für mich. So sah das dann kurz nach dieser Attacke aus:
 


 
Und so sah ein Rückfall im letzten Oktober aus, wie eine Art Déjà-vu:




Wahrscheinlich lässt sich gar nicht mehr zählen, wie viele Rückfälle dieser Art ich schon hatte... Das müssen hunderte, wenn nicht sogar tausende gewesen sein. Kein Wunder, wenn nach 14 Jahren Betroffenheit immer mal wieder Phasen kommen, in denen einem alles zum Hals raushängt. Ständig wiederholt sich der Zyklus der Haut, ständig wiederholt sich der Zyklus des Skin Pickings. Die Achterbahnfahrt endet einfach nicht... Immer wieder fängt man von vorne an, immer wieder werden hart erarbeitete Erfolge binnen weniger Augenblicke zerstört. Tatsächlich frage ich mich sogar manchmal, ob es EUCH nicht irgendwann zu blöd mit meinen Beiträgen wird? Ich habe zwar das Gefühl (und bekomme auch oft entsprechende Rückmeldungen auf Instagram z.B.), dass gerade die ehrlichen Berichte über Rückfälle oder schlechte Phasen von anderen Betroffenen geschätzt werden, aber helfen diese Inhalte auch nach dem hundersten Mal noch? Ändert es etwas an meiner Glaubwürdigkeit? Lässt es mich in einem schlechten Licht dastehen? Werden meine Berichte langweilig und vorhersehbar? Ab und zu kommen mir diese und ähnliche Fragen in den Kopf. Und dann denke ich mir, dass es zwar mehr als schön ist, wenn meine Inhalte anderen Betroffenen helfen, dass das aber zweitrangig ist, wenn ich bedenke, dass es MIR hilft, das zu zeigen. Ich verarbeite Skin Picking immer noch zum Teil auf diese Weise. Bilder werden aus Überzeugung geteilt, weil ich Sichtbarkeit schaffen möchte. Für mich, für die junge Jacqueline, für euch, für alle unwissenden Betroffenen da draußen.

Ich möchte übrigens nicht behaupten, dass beim 1001. Rückfall keine neuen Erkenntnisse aufkommen können. Im Gegenteil glaube ich, dass man ein Leben lang lernen wird, was das angeht. Achja und wenn wir uns an meine Ziele für 2024 erinnern, ist jeder Rückfall eine perfekte Gelegenheit, mich in Vergebung mir selbst gegenüber zu üben. Wisst ihr, ich möchte nach wie vor "nur" mein Leben mit Dermatillomanie teilen. Realistisch abgebildet, nicht extra glattgebügelt oder aufgehübscht. Authentizität ist mir wichtig. Und ich stecke einfach noch mittendrin, das kann ich nicht mal eben ändern, nicht mal, wenn ich wollte. Wenn es soweit ist und ich wesentliche Schritte auf dem Heilungsweg gehe, nehme ich euch auch dort mit. Aber vorerst befinde ich mich noch im Dschungel des Skin Pickings, bin eine Beobachterin und Forscherin meines Verhaltens und eine Entdeckerin meines Weges.

8. Januar 2024

Eindrücke meiner Haut - 35

Ich wünsche euch zuerst ein frohes neues Jahr 2024! :) Hoffentlich wird es nicht nur für mich ein Jahr mit großem Potenzial, sondern ebenso für euch. Ich wünsche mir für euch ein 2024 voller Zufriedenheit, Glück, Gesundheit und Erfolg (wie auch immer ihr den für euch persönlich definiert). Möge das neue Jahr euch viele schöne, lehrreiche Momente bringen, euch regelmäßig innehalten lassen und euch den Weg ebnen, den ihr langfristig einschlagen wollt.

Auf meinem Blog starte ich das neue Jahr mit einem weiteren Beitrag in der "Hauteindrücke"-Reihe. Der Eindruck, den ihr gleich von meiner Haut bekommen werdet, stammt von gestern Abend und ist spontan entstanden. Ich hatte im letzten Part 34 ja berichtet, dass ich einen ersten Abwärtstrend wahrgenommen habe. Dieser hat sich bis jetzt fortgesetzt und wir werden sehen, was die nächsten Tage und Wochen noch so bringen...


So viel zum Thema Zuversicht in Sachen Rückfall. :D So schnell kann sich das Blatt wenden. Das ist irgendwie ein kleiner Dämpfer, muss ich gestehen. Und ich sage euch: Irgendwie kam dieser Bergab-Moment genauso überraschend wie das Hoch vor/an Weihnachten. Ich weiß das alles noch nicht so recht einzuordnen. Ja, auch nach 14 Jahren Betroffenheit und mehrjähriger Auseinandersetzung mit der Erkrankung steige ich durch manche Entwicklungen meiner Haut nicht durch und muss mich in die Beobachterposition zwingen, von der ich eigentlich gerne mal frei hätte. Wieso muss meine Haut auch immer so ausrasten!? Ich verstehe es nicht. Naja. Insgesamt bin ich immer noch positiv gestimmt. Ich habe es bereits vorher aus den tiefsten Löchern raus geschafft, ich werde es wieder schaffen. Fragt sich nur wann.

30. Dezember 2023

2023 in 12 Bildern

Einen schönen guten Abend wünsche ich euch!
 
Letztes Jahr habe ich euch in diesem Post eine kleine Gegenüberstellung gezeigt - 2022 vs. 2021. Denn durch Instagram kam mir die Idee, das vergangene Jahr anhand einer Collage von 12 Fotos abzubilden. Natürlich ist das mehr eine spielerische Sache als alles andere, denn wie gesagt können 12 Momentaufnahmen nicht annähernd wiedergeben, was in 365 Tagen so passiert ist. Aber irgendwie finde ich es nach wie vor ziemlich cool, deshalb führe ich das mal weiter. Heute also die Collage für 2023 mit einem Foto für jeden Monat. Falls ihr einen Vergleich zu 2022 und 2021 wollt, schaut gerne in den verlinkten Blogpost.


Kleine Anmerkung dazu: Ihr kennt leider noch nicht alle Bilder davon. Eigentlich finde ich es besonders passend, wenn es Aufnahmen sind, die euch und der Community auf Instagram bekannt sind. Diesmal ging das leider nicht, da ich ja so lange kaum aktiv war. Deswegen sind die Aufnahmen für Mai, August und September unbekannt für euch, aber ich werde das zu gegebener Zeit nachholen. Denn es sind noch viele Fotos übrig aus meiner studiumsbedingten Auszeit, die ich posten möchte und wo ich hier und da auch etwas zu erzählen werde. Für heute überspringe ich diesen Part aber mal, um mich nicht zu wiederholen.

Ja, 2023... Was ein furchtbares Jahr. Es ist wahnsinnig viel passiert und hat mir mehr abverlangt, als ich mir je hätte vorstellen können. Es ist mit den beiden Jahren zuvor MIT ABSTAND die schwerste Phase in meinem Leben gewesen, kein Spaß. Ich weiß nicht, ob ich mich je bereit fühlen werde bzw. ob mir je danach sein wird, öffentlich über diese drei schlimmsten Jahre meines Lebens zu sprechen. Ich weiß nur: Ich bin (trotz der schönen Ereignisse) mehr als froh, dass dieses Jahr vorbei geht und diese Phase meines Lebens trotz der vielen Nachwirkungen ein Ende findet. Freud und Leid waren dieses Jahr noch so viel näher beieinander als die beiden Jahre zuvor. Sie gingen quasi Hand in Hand, waren teilweise unzertrennbar. Das schmälert nicht meine Dankbarkeit für das Schöne, was 2023 zu bieten hatte! Dennoch sorgt es dafür, dass insgesamt ein grauer Schleier über meiner Erinnerung der letzten 12 Monate liegt.

Auch 2024 wird nicht leicht, das ist mir bewusst. Da warten viele unschöne Veränderungen und bedeutsame Herausforderungen. Doch ich bin davon überzeugt, dass erst einmal keine Erfahrung an das herankommen wird, was 2020-2023 bedeutet hat. Es kann nur besser werden! Es ist Zeit, von dieser Lebensphase Abstand zu gewinnen und wieder mehr zu mir selbst zu finden. Mich neu kennenzulernen, meinen Platz im Leben zu suchen und mit beiden Beinen im Berufsleben anzukommen. Ich habe durchaus Angst, aber ich freue mich auch irgendwo darauf. Wenn die letzten drei Jahre nicht meine Jahre waren, so hat 2024 die Chance, mein Jahr zu werden. Ich wünsche euch einen guten Rutsch, gebt auf euch Acht und wir sehen uns im neuen Jahr wieder! :)

28. Dezember 2023

Eindrücke meiner Haut - 34

Uff... Diese Postserie, Leute. :D In meinem Rückblick auf das letzte Blogjahr haben wir gemeinsam festgestellt, wie sehr (u.a.) die regelmäßigen Statusupdates vernachlässigt wurden. Den letzten Part dieser Reihe, wo ich euch "einfach nur" den aktuellen Zustand meiner Haut gezeigt habe, stammt vom März 2023. Lang lang ist's also her.
 
Heute ist es mal wieder an der Zeit. Noch bevor das neue Jahr startet, möchte ich euch meine derzeitige Haut zeigen. Quasi meine endoftheyear-skin für 2023! Extrabonus: Heute (die Fotos sind brandaktuell!) ist der erste Tag meiner Periode. :D
 


 
Ehrlich gesagt kann ich mich gerade nicht so recht entsinnen, wie detailliert ich euch bisher in Sachen Zyklus und Menstruation mitgenommen habe? In aller Kürze: Der Zyklus zeigt bei mir - wie auch bei vielen anderen Frauen - definitiv einen Einfluss. Meistens wird meine Haut kurz vorher, spätestens mit Beginn der Periode etwas schlechter, weil sich das Entzündungspotenzial spürbar erhöht.

Zurück zu den Bildern. Denn eigentlich sieht es ziemlich gut aus, oder? Lassen wir mal kurz die paar Rötungen außer Acht, die von einem kleinen SP-Vorfall ne halbe Stunde vorher stammen. Die verfälschen den Eindruck etwas, das tut mir leid, aber ich wollte euch unbedingt noch heute ein Bild aufnehmen und zeigen. Ich finde jedenfalls, dass meine Haut ordentliche Fortschritte gemacht hat und darüber bin ich super froh und auch unendlich dankbar. Obwohl ich mich ehrlicherweise schon wieder leicht im Abwärtstrend befinde - diese zwei, drei Stellen in Mundnähe waren rund um Weihnachten noch nicht da und auch mein Stirn-/Schläfenbereich sah vor wenigen Tagen noch besser aus. Aber Stand jetzt bin ich zuversichtlich, das in den Griff zu bekommen, bevor es ein ausgewachsener Rückfall wird. Schauen wir, was wird, ne. Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

18. April 2023

Zerrissen

Folgende Fotos und kursiv geschriebene Zeilen stammen von gestern Abend:
 


 
Ihr seht meine Haut und meine Seele im Battle darum, wer lauter schreit und brennt. Ein Feuer, das mit einem wochenlangen Glimmen begonnen und sich unbemerkt vergrößert hat und dann am heutigen Abend urplötzlich ausgebrochen ist. Ab jetzt ist es nicht mehr zu bändigen, jetzt brennt es sich durch alles, was da ist. Äußerlich mag mich meine Haut zwar zusammenhalten, aber innerlich zerreißt es mich in Stücke. Ich fühle, wie mir alles entgleitet - das Skin Picking Verhalten, meine Haut, meine Emotionen, Gedanken und Ängste, der Bezug zu mir selbst... Mein Körper fühlt sich zu klein an, ich fühle mich unendlich eingeengt. Das Gefühl der Zerrissenheit sitzt im Magen, in der Brust und zieht sich durch meine Arme bis in die Hände und Finger. Dort sowie in meiner Brust äußert es sich unter anderem durch eine immens hohe Spannung, die in einen Drang übergeht, mich selbst in irgendeiner Art und Weise verletzen zu wollen oder mir zumindest Schmerz zuzufügen. Vielleicht muss ich auch deshalb ständig meine Haut zerstören (gerade in solchen Stressphasen)!? Es ist ein Abbild meines Inneren. Wenn ich mich innerlich wie ein in tausend Stücke zerfetztes Papier fühle, dann gleicht sich mein Äußeres dem an. Dafür sorgen meine Hände schon. Das Gefühl der Zerrissenheit ist - wenn ich ehrlich sein soll - eins der mir bekanntesten Gefühle überhaupt. Von klein auf stehe ich zwischen den Stühlen, die mir um die Ohren geworfen werden. Obwohl ich schreie und darum bettle, doch endlich auf MEINEM Stuhl Platz nehmen zu dürfen... Aber noch ist dieser Stuhl nicht aufgetaucht. Stattdessen fühle ich mich hin- und hergerissen, zerrissen, unter Spannung, gehetzt, überfordert und so viel mehr. Ich bin gespannt, ob ich es in meinem Leben schaffen werde, alle Fetzen aufzusammeln und eines Tages wieder zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Keine Ahnung, ob das nach so vielen Jahren bzw. Jahrzehnten dann doch geht.

Ja, gestern Abend war dunkel. Sehr dunkel. Vieles von dem, was in den letzten Tagen irgendwie in den Hintergrund gerutscht ist, war wieder extrem laut in meinem Kopf. Ich war sowieso skeptisch, dass es zuletzt minimal besser lief. Da musste was faul sein und ich wusste, die Dunkelheit würde mich wieder  besuchen kommen. Hello darkness, my old friend...

27. März 2023

Die ARTE Reportage

Guten Abend, ihr Lieben!
 
Ich denke, so langsam dürfte der größte "Ansturm" nach dem TV-Beitrag von ARTE am vergangenen Mittwoch vorüber sein. Falls ihr diesen aber tatsächlich verpasst haben solltet, - wie konnte das nur passieren!? - dann könnt ihr ihn entweder in der ARTE-Mediathek (bis 19.03.2024) oder auch auf Youtube nachsehen.

Jedenfalls möchte ich direkt zu Beginn sagen, dass diesmal im Gegensatz zu den bisherigen beiden TV-Beiträgen Einiges anders ist. Nicht nur der Beitrag an sich ist anders, wie ich euch in meinem Blogpost über die Drehtage beschrieben habe. Auch sehr viel drumherum. Diesmal seid ihr viel stärker eingebunden und mehr Teil des Ganzen - ich habe das Gefühl, dass ich mich die ganze Zeit mit euch zusammen vorgefreut habe und dass wir einen ganz intensiven und offenen Austausch über das Ergebnis geteilt haben. Das dürfte größtenteils an meinem Instagramaccount liegen und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist viel schöner, so ein besonderes Erlebnis mit der Community teilen zu können! Klar, meine Lieben stehen mir auch immer bei, aber euer Mitfreuen, euer Support und euer Feedback sind nochmal Gold wert. Von Herzen ein dickes DANKE dafür! :)

Aus dem Beitrag von ARTE Re:
 
Nun aber zu meiner Reaktion auf den ARTE Re: Beitrag "Alles unter Kontrolle? Leben mit einer Zwangserkrankung"! Ich möchte das ein bisschen strukturiert angehen und teile es deswegen in Abschnitte auf. Dadurch könnt ihr mir hoffentlich gut folgen. Aber Achtung, der Post wird lang, stellt euch darauf ein. Dieses Mal gehe ich sehr viel ausführlicher auf das Endergebnis ein, mir ist so danach.

Starten wir damit, dass ich die 30min durchgehend emotional ergriffen war und in meinen Abschnitten auch ununterbrochen geheult habe. :D Wirklich, in der Sekunde, als mein Gesicht auf dem Bildschirm erschien, brachen die Tränen aus. Ich kann es nicht vollständig erklären, wieso das so ist und ich denke, da kommen verschiedene Faktoren zusammen. Zum einen ist das Thema einfach berührend. Punkt. Es ist kein Tutti-Frutti-Jahrmarktsbesuch, psychisch erkrankt zu sein. Obwohl wir Betroffene uns dank tagtäglicher Auseinandersetzung extrem dran gewöhnt haben und ja nie aus unserer Haut und der Krankheit zumindest mal für ne Sekunde entfliehen können, ist es dennoch (oder gerade deshalb?) etwas Anderes, das so von außen zu betrachten. Plötzlich wird es anders wirklich, anders real und anders greifbar. Zumindest geht es mir so und das habe ich auch ganz generell, ohne da jetzt genauer drauf einzugehen. Im Prinzip ist es wie eine Art Legitimation, wenn ich mich da so sehe und erzählen höre. Dadurch wird es erst so richtig ernst und ich merke plötzlich, wie sehr ich eigentlich gelitten habe und leide. Tja. Zurück zu meinen Vermutungen, wieso ich bei sowas derart nah am Wasser gebaut bin: Ich weiß halt am allerbesten, was für eine riesige Menge Arbeit von allen Beteiligten hinter dem fertigen Ergebnis steckt. Viele Stunden Dreharbeit, mehrmalige Wiederholungen von Szenen, der Struggle um die passende Wortwahl und und und. Nicht zu vergessen die sorgfältige Vor- und Nachbereitung der Verantwortlichen. Es ist irgendwie nahezu magisch, in einen derartigen Prozess von Anfang bis Ende eingebunden zu sein. Was zusätzlich on top kommt, ist, dass mir beim Zusehen nochmal ganz stark bewusst wird, wie dankbar ich für diese Chance bin. Und nicht bloß für die! Mein Skin Picking mag mich oft und viel leiden lassen, aber ich nehme aus der Betroffenheit auch viel Positives mit und schätze wert, was sie mir ermöglicht. Dazu gehören solche ganz besonderen Ereignisse oder zum Beispiel ebenso der Kontakt und Austausch mit euch! So viel zu ein paar Gründen meiner Emotionalität.
 
Aus dem Beitrag von ARTE Re:
 
Neben mir sind ja noch zwei weitere Powerfrauen Protagonistinnen in der Reportage gewesen: Dominique und Margit. Dominique hat vor allem Kontrollzwänge. Im Beitrag erschien sie mir super sympathisch und ich bin im Übrigen total froh, sie auf Instagram entdeckt und damit den Kontakt hergestellt zu haben (durch einen Hinweis einer Followerin)! Bei ihrem Teil fand ich es besonders gelungen, wie die Entwicklung der Erkrankung mit möglichen Ursachen in den Blick genommen und nachvollziehbar dargestellt wurde. Das Thema Stress (durch Lernen und Prüfungen) konnte ich sehr gut nachfühlen, darüber habe ich auch ein paar Sätze verloren - man konnte hier also sehen, dass Stress jeglicher Art für uns beide einen Einfluss hat. Dominique hat sehr eindrücklich und echt beschrieben, wie sich der Drang bzw. der Zwang anfühlt und dass er sich sogar durch ein Spannungsgefühl in der Brust bemerkbar macht. Mir geht es ähnlich, dass ich den Drang zum Skin Picking manchmal körperlich spüre, daher konnte ich ihre Beschreibungen sehr nachempfinden. Dominique hat meiner Meinung nach großen Respekt dafür verdient, dass sie sich mit dem Autofahren einer so herausfordernden Situation gestellt und dabei filmen lassen hat! Fand es auch richtig toll, dass hierbei zusätzlich eine fachliche Einordnung sowie Begleitung durch einen Psychotherapeuten vorgenommen wurde. Was mich an ihrer Geschichte sehr berührt hat, war der Moment, als sie von Verbesserungen und Veränderungen erzählt und sie an konkreten Beispielen festgemacht hat. Da kann sie richtig stolz auf sich sein!

Margit gibt uns Einblicke in ihr Leben mit einem Reinigungs-/Waschzwang und ihrem damit verbundenen Ekelgefühl. Ich fand es so unfassbar mutig von ihr, sich dieser womöglich irre schwierigen Situation zu stellen und mit dem Kamerateam zusammen in die Stadt zu fahren. Die damit einhergehenden Herausforderungen wurden sehr nah begleitet und ich ziehe auch an dieser Stelle meinen imaginären Hut, dass Margit sogar den gescheiterten Versuch, auf eine öffentliche Toilette zu gehen, begleiten ließ. Das muss ziemlich intim gewesen sein. Ähnlich wie bei Dominique wurde auch bei Margit ein Schwenk in die Vergangenheit unternommen, sodass der Verlauf der Erkrankung über die Jahre/Jahrzehnte schön nachgezeichnet wurde. Und wow, wie bemerkenswert ehrlich es war, als auch sie die körperlichen Symptome durch den Zwang beschrieb! Sie erzählte von den Malen, wo sie versuchte, den Zwang auszuhalten und was das körperlich und psychisch für Folgen hatte. Das hat richtig deutlich gezeigt, wie Psyche und Körper in einer Verbindung miteinander stehen. In Teilen konnte ich dem auch nachfühlen, denn bei Skin Picking haben wir ja ebenso dieses Nebeneinander von negativen und positiven Gefühlen vor, während und nach dem Verhalten. Auch Margit hat sich professionelle Unterstützung geholt und erfährt langsame Besserung. Ich bin mir sicher, dass es nach all den Jahrzehnten nicht einfach, aber dennoch möglich ist.

Aus dem Beitrag von ARTE Re:
 
Vorhin habe ich euch schon lang und breit erklärt, warum ich beim Schauen der Reportage so viel geheult habe und jetzt komme ich erneut auf mich zurück. :D Sorry! Aber dazu kann ich eben am meisten sagen, das leuchtet euch hoffentlich ein.
Es beginnt ja mit dem Satz "Auch Jacqueline wird von einem Zwang beherrscht" und mir ist schon klar, dass es erzählerisch und vor dem Hintergrund des Oberthemas Sinn macht, das so zu formulieren. Womöglich mag es kleinlich sein, wenn ich da so drauf herumreite, aber es ist nunmal nicht ganz korrekt, denn nach dem ICD11 ist Skin Picking eine Zwangsspektrumsstörung. Ich greife an der Stelle schonmal voraus, dass es später eine weitere Szene gibt, die in eine ähnliche Richtung geht. Hier wird davon gesprochen, dass Skin Picking eine "noch recht neue Diagnose aus dem Umfeld der Zwangsstörungen" sei. Ich finde es gut, dass sie andeuten, wie jung die Diagnose ist und dass es keine Zwangsstörung per se ist, aber mir ist das nicht deutlich genug. Da hätte ich mir mehr gewünscht und ich glaube, das hätte man auch richtig schön verarbeiten können, inwiefern es da Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zwischen Dermatillomanie und klassischen Zwangserkrankungen gibt. Naja, war vielleicht nicht wichtig genug. Dafür fand ich es einerseits gut dargestellt, wie man durch das Verhalten in einen Trancezustand gerät und dass andererseits deutlich erkennbar wird, dass so ein Verhalten nicht von heute auf morgen da ist, sondern dass es sich über die Zeit entwickelt und chronifiziert. Es steckt also auch viel Lerneffekt dahinter, denn das Gehirn "merkt" sich platt gesagt, was es bringt, dem Verhalten nachzugehen. Es hat höchst nützliche Funktionen, aber eben auch einen hohen Preis. Mir gefällt, wie der Beitrag das beleuchtet. Ebenso wurde sehr treffend beschrieben, dass es nicht funktioniert, sich das Verhalten abzugewöhnen, weil es eben keine schlechte Angewohnheit, sondern eine ernstzunehmende psychische Krankheit ist. Toll! Das zu wissen, hilft vielen Betroffenen zu Beginn ihrer Auseinandersetzung bereits sehr. Wissen ist Macht! Je mehr Wissen über Skin Picking wir uns aneignen, desto besser können wir uns selbst einschätzen und auch akzeptieren lernen. Zusätzlich wurden einige weitere Aspekte meiner Dermatillomanie erwähnt: Das Mobbing aus der Schulzeit, der Stress als Einflussfaktor, der Perfektionismus, der Selbsthass und die (nur scheinbare) Kontrolle über Gefühle... Das ist angesichts der kurzen Zeit schon eine ganze Menge. Aber nicht bloß ich durfte was zu meiner Erkrankung sagen, auch meine Schwester und ihre Sicht auf die Dinge wurden gezeigt, was ich sehr schön fand. Jedoch wurde genauso mein Vater in einem eigenen Interview befragt, davon kam zu meiner Überraschung letztendlich gar nichts in den fertigen Beitrag. Super schade, er hat meiner Meinung nach durchaus einige mehr als brauchbare Aussagen getätigt. Für mein Empfinden hätte man das gut für einen Abschluss nutzen können, denn irgendwie finde ich, dass mein Teil komisch geendet ist!? Ich habe bis zum Schluss erwartet, dass noch ein Ausschnitt zu mir kommt, der vielleicht (anhand der Szenen mit meinem Vater) eine Art Zukunftsperspektive eröffnet und die Geschichte abrundet. Dazu gleich im abschließenden Absatz mehr, ich möchte vorher noch eine Sache zu meinem Teil in der Reportage loswerden: Undzwar fand ich es wunderbar, wie auch die Scham und das Versteckspiel thematisiert wurden, sodass deutlich wurde, wie ich die Perspektive auf meine Hautstellen verändert habe. Das macht Mut und davon können wir Betroffene immer was gebrauchen!

Aus dem Beitrag von ARTE Re:
 
Puh, wir sind bald am Ende, versprochen. Ich möchte alles nochmal zusammenfassen, indem ich das Gesamtergebnis in den Blick nehme. Fangen wir einfach mal mit dem einzigen für mich negativen Punkt an: Für mein Gefühl ist die Reportage leider viel zu schnell und ziemlich abrupt geendet. Wie gesagt, ich hätte mir für meinen Teil noch einen geeigneteren Abschluss erwartet und Ähnliches gilt auch für Margit. Bei Dominique wurde ein schöner und runder Abschluss geschaffen, aber für Margit und mich nicht in gleicher Weise, wie ich das sehe. Das fand ich etwas schade, weil ganz sicher genug Material dafür vorhanden gewesen wäre - nur eben keine Sendezeit mehr. :D Man hätte also an anderer Stelle streichen müssen und ich respektiere, dass sich die Verantwortlichen im Schnitt dagegen entschieden haben. Die herausragende Stärke der ARTE Reportage hingegen liegt für mich ganz eindeutig in der super offenen, ehrlichen und realitätsnahen Darstellung des Lebens/Erlebens der Protagonistinnen. Es werden ganz konkrete Situationen und Handlungen filmisch begleitet, ohne, dass dabei die Gedanken und Gefühle der Betroffenen vernachlässigt werden. Alles wird komplett wertfrei eingefangen, sodass dem Zuschauer ein sehr realistischer Einblick gegeben wird. Einfach nur großartig! Das finde ich gerade bei solchen Themen auch extrem wichtig! Nur so kann der Impact psychischer Erkrankungen auf den Alltag, die Psyche und Identität verdeutlicht werden. Das ist ARTE definitiv gelungen.

Alles in allem also ein empfehlenswerter TV-Beitrag über Zwangserkrankungen (und Skin Picking)! Ich wiederhole mich vermutlich, aber ich möchte nicht ohne ein Dankeschön aus diesem Blogpost gehen... Aus tiefstem Herzen DANKE an ARTE und alle Verantwortlichen, die es möglich gemacht haben, Aufmerksamkeit für ein so unbekanntes Krankheitsbild wie Skin Picking zu erschaffen. Insgesamt wurde äußerst gute Arbeit geleistet und ich bin mehr als dankbar, dass ich Teil davon sein durfte. Ihr wisst, was für ein großes Anliegen es mir ist, mich für unsere Sichtbarkeit einzusetzen. Das werde ich nach wie vor mit vollem Einsatz tun. Diese Reportage war ein guter Meilenstein auf diesem Weg.

14. März 2023

Eindrücke meiner Haut - 33

Hi ihr!
 
Ich hoffe, ihr kommt bei dem aktuell zweitägigen Veröffentlichungsrhythmus meiner Blogposts hinterher. :D Das hat jetzt - teils unerwartet, teils nicht unerwartet - ganz schön Fahrt aufgenommen. Eigentlich habe ich euch ja in diesem Beitrag gesagt, dass aktuell wenig Zeit für den Blog (und auch für Instagram) bleibt und das stimmt an sich auch. Meine Prioritäten sollten bzw. müssen in erster Linie bei der Uni liegen, denn die Masterarbeit schreibt sich nicht von selbst. Gleichzeitig gibt es derzeit aber viel zu berichten und das möchte ich gerne möglichst zeitnah tun. Kann also sein, dass es im April schon wieder ganz anders aussieht - lassen wir uns überraschen. Wie schon erwähnt: Alles mit so wenig Druck und Stress wie möglich.

Der letzte Part dieser Postserie stammt von Mitte Januar und ähnelt den gleich folgenden Bildern vermutlich ziemlich, sodass man den Eindruck bekommen könnte, es hätte sich in der Zwischenzeit rein gar nichts verändert. Das stimmt so nicht, denn ich habe den kompletten Februar über eine ziemlich gut erholte sowie verheilte Haut genießen dürfen. Die Verwendung zweier Produkte wird dafür maßgeblich verantwortlich gewesen sein, deshalb hatte ich euch ein neues Produktreview geschrieben und dort auch meinen guten Hautzustand gezeigt (klick für den Beitrag). In echt sah es fast noch besser aus, würde ich sagen. Alles fühlte sich wieder so rein und so weich und angenehm an, herrlich! Doch auch damit sollte es dann schneller wieder zu Ende sein als gedacht. Die Aufnahmen des heutigen "Eindrücke meiner Haut"-Posts sind vom 8. März und zeigen auch, wie mein aktueller Hautzustand ist:





Nichts ist von Dauer, erst recht nicht mit BFRB's wie Skin Picking. Nothing can beat my hands destroying my skin. Ich kann nicht mal genau sagen, wie und wann das passiert ist!? Schleichend wie immer, schon klar. Es gab einige Tage, wo ich mal etwas gedrückt habe, aber ich dachte halt, es würde sich schnell wieder beruhigen wie zuletzt und vor allem nicht ausarten? Und dann plötzlich geriet es aus den Fugen... Weshalb fühlte sich zu diesem Zeitpunkt alles so an, wie es sich üblicherweise eher kurz vor oder zu Beginn meiner Menstruation anfühlt? Als hätte es sich verschoben und meine Haut wolle nachholen, was ich im Februar elegant übersprungen habe. Ich habe nichts an der Pflege geändert, aber gefühlt wirkt sie nicht mehr so gut. Das ist auch so ein Ding bei mir: Mein Körper gewöhnt sich zu gern an alles, was ich äußerlich anwende oder zu mir nehme, sodass Wirkungen bereits nach überschaubarer Zeit abgeschwächt werden. Das beobachte ich ausnahmslos immer und es nervt mich tierisch. Vielleicht habe ich mich also tatsächlich zu früh gefreut? Ich werde es die nächsten Tage und Wochen beobachten.

Was ich in diesem Kontext zusätzlich gerne teilen würde: Der Tag der obigen Fotos war einer dieser Tage, an denen ich nicht vor die Tür wollte. Ja, auch ich habe das noch! Es ist keine Scham, die mich in diesen Situationen zurückhält. Ich schäme mich nicht vor anderen Menschen wegen meiner Haut. Ich habe nur keine Lust, so auszusehen und mich derart unwohl fühlend unter Menschen zu begeben!? Insbesondere, nachdem mein Februar so nice war und ich mich seit Ewigkeiten wieder extrem wohl in meiner Haut gefühlt habe. Damn, ich hab richtig gestrahlt beim Blick in den Spiegel! Tja und natürlich wurde es mir wieder genommen und jetzt laufe ich wieder rum wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Wisst ihr, wie ich das meine? Ich könnte mich schminken und dennoch nicht das volle Potenzial meines Aussehens erreichen. Und ohne Spaß, es nervt mich, das zu wissen. Womöglich wisst ihr ganz genau, was ich meine. Fühlt euch gedrückt! Es werden wieder bessere Zeiten kommen, da bin ich mir sicher. Für euch und für mich.

8. März 2023

Schmerzende Finger

Gerade noch gesagt, dass es weiterhin ruhig hier auf dem Blog bleiben kann und da melde ich mich direkt am nächsten Tag wieder (mit dem Wissen, dass auch in den nächsten Tagen wieder ganz sicher Posts erscheinen werden). So spielt das Leben manchmal. :D
 
Vielleicht wisst ihr, dass ich verschiedene Formen des Skin Pickings habe und auch verschiedene Körperstellen bearbeite. Als Kind habe ich stark an meinen Fingernägeln gekaut, das mache ich schon ganz lange nicht mehr. Genauer gesagt habe ich mit dem Nagelkauen aufgehört und dann kam das Skin Picking - huch, was eine Überraschung. Aber ich bearbeite meine Nagelhaut mit Pinzette und Nagelschere - undzwar wie in einem Ritual. Es ist wie eine Art "Backup", wenn meine Haut im Gesicht oder Dekolleté nichts mehr hergibt. Alle paar Tage stelle ich mich also vor's Waschbecken im Bad und beginne mein Ritual, all meine Finger zu bearbeiten: Abstehende und eventuell trockene Nagelhautfetzen werden entfernt, es muss alles glatt sein. Es ist ne kleine Überwindung, das zu schreiben, aber während ich das mache, sammeln sich diese abgeschnittenen oder abgerissenen Hautstücke in meinem Waschbecken. Das heißt, am Ende einer solchen Session befindet sich ein kleiner Hautberg dort. Obwohl das recht grausam anmutet, bin ich eigentlich nie sonderlich rabiat dabei. Ganz selten kommt es mal dazu, dass ich zu tief reiße oder schneide und dann blute. Ab und zu habe ich schmerzende Stellen an den Fingern. Aber all das ist für mich normalerweise mit keinem großartigen Leid verbunden. Zumindest nicht mit dem Leid, was mir das Skin Picking im Gesicht, Dekolleté etc. bereitet. Momentan ist es aber irgendwie anders...



Entschuldigt übrigens den arg rausgewachsenen Klarlack - ich habe einfach keine Zeit und kurz vor den Fotos konnte ich ihn nicht entfernen, weil das aufgrund der Stellen zu sehr geschmerzt hätte.

Diese Bilder sind vom 3. März, was bedeutet, dass meine Finger schon wieder ein wenig heilen konnten. Ich weiß nicht, ob ihr das sehen und einschätzen könnt, aber meine Finger sehen nicht immer so aus. Dieses Ausmaß ist für mich nicht mehr im normalen, gewohnten Rahmen. Ich bin in letzter Zeit besonders grob im Umgang mit ihnen, spüre den Schmerz währenddessen nicht mehr so. Dieses Mal ist es irgendwie anders, auch, was den Leidensdruck angeht. Ich mag meine Finger und Nägel normalerweise ganz gerne, aber ich trage meine Nägel ganz ungerne kurz (weil es mich an früher erinnert, wo ich sie so stark abgekaut habe). Und dann noch diese roten Stellen und die Schmerzen beim Ausführen alltäglicher Dinge... Mir ist bewusst, dass es weitaus schlimmer geht und dass andere Betroffene teilweise tagtäglich Pflaster tragen müssen und Ähnliches. Mir geht es nicht um Vergleiche, finde das sowieso nicht angemessen. Jedes Leid ist valide und WENN ich mich vergleiche, dann nur mit mir selbst. Wie gesagt, für meine Verhältnisse ist es "schlimm". Und ich frage mich, woran das liegt? Haben meine Finger möglicherweise das abbekommen, was ich in den letzten Wochen weniger auf meiner Haut ausgelebt habe? Ist es körperlicher Schmerz, der aber eigentlich von innen kommt und mal gefühlt werden wollte? Puh, ich bin überfragt.

Ich möchte aber zeigen, dass Auf und Abs mit BFRB's auch ganz unauffällig sein und sich nur auf ganz bestimmte Aspekte beziehen können. Betroffene Körperstellen können sich verschieben oder ausbreiten oder intensivieren, wie es bei mir nun der Fall ist. Irgendwie auch interessant.

1. Februar 2023

Das geht doch besser (muss es aber nicht)

Guten Morgen!
 
Habt ihr diesen Drang nach Perfektionismus auch manchmal so satt? Gefühlt kommt er aus allen Richtungen: Von innen heraus und direkt oder indirekt von außen durch die Gesellschaft. Ob wir uns künstlerisch betätigen, Fotos von uns machen, Leistungen in Schule oder Uni erbringen, uns kleiden und schminken, neue Fähigkeiten/Kenntnisse/Sprachen lernen wollen, uns Bilder und Videos von mehr oder weniger Fremden auf Social Media ansehen... Überall wird nach dem Bestmöglichen gestrebt. Viel davon ist mehr Schein als Sein, ganz klar. Und nicht wenigen Menschen mag bewusst sein, dass der Gesellschaftsdruck uns treibt. Dennoch können wir uns (noch) nicht (gänzlich) davon lösen, dazu ist noch sehr viel Wandel nötig.

Gerade deshalb möchte ich mal Folgendes in den Raum werfen (auch für meine eigenen Ohren hörbar, denn auch ich muss das noch so lange hören, bis sich meine Gedankenmuster langsam auflösen): Es muss nicht immer gut oder sehr gut sein. Der Durchschnitt kann gut genug bzw. ausreichend und völlig zufriedenstellend sein. Auch, wenn es hier und da möglicherweise besser gehen würde, muss es das nicht immer. Perfektion ist ein unerreichbares Idealbild. Wir dürfen auch mal scheitern, Fehler machen und eine unzureichende Leistung abgeben. Unser Wert und unser Sein hängen nicht von unserer Leistung oder davon ab, wie nah wir an "perfekt" sind. Wir sind so viel mehr als das, was wir leisten und können. Wir sind mehr als unsere äußere Hülle. Die Gesellschaft darf sich ruhig dran gewöhnen, weniger Perfektion zu sehen, sodass sich die Auffassung von "normal" wieder mehr ins Realistische bewegt. Ach und natürlich dürft ihr selbst für euch ganz allein festlegen, was eure Normalität ist und was eurem Schönheitsideal entspricht.
Ich hoffe, diese Zeilen erinnern euch nicht zu sehr an den Beitrag "Leistungsdruck und Perfektionismus", den ich im Dezember verfasst habe. Wie gesagt, ich denke, dass man sich ruhig häufiger damit auseinandersetzen darf und sich solche Dinge wie eben solange sagen sollte, bis sie wirklich fruchten. Schließlich haben wir uns auch jahre- oder gar jahrzehntelang das Gegenteil anhören müssen und in der Konsequenz tief verinnerlicht. Wir müssen ein Gegengewicht dazu schaffen, oder? Zumal in keinem der Beiträge, wo ich mich dem Thema widme, alles gesagt werden kann.

Mein eigentlicher Impuls zu diesem Beitrag kam von diesen zwei Fotos:



Vielleicht denkt ihr euch "Puh Jacqueline, die Bilder sind nicht gerade vorteilhaft oder besonders... Wieso teilt man solche Aufnahmen? Was soll das bringen?". Aber genau das ist es ja! Hear me out...

In einem Satz: Let's normalize seeing each other in different or even bad lighting!
Es muss doch gar nicht immer darum gehen, ein möglichst "schönes" Bild zu machen oder zu posten (davon abgesehen, dass es unendlich viele Auffassungen von "schön" gibt). Auch, wenn Social Media uns das gerne vorgaukeln will, weil es eben einfacher ist, nur die besten Seiten von sich zu zeigen. Aber unser Alltag ist nicht das perfekte Foto vom perfekten Shootingtag. Unser Alltag ist geprägt von den unterschiedlichsten Momenten, Gefühlen, Ausdrücken, Licht- und Wetterverhältnissen und und und. Niemand lebt ein Leben, in welchem nur Schönes oder das Beste vom Besten vorkommt.
Wer kennt es nicht? In öffentlichen WCs oder in Umkleiden von Kleidungsgeschäften ist das Licht immer besonders unvorteilhaft und wir finden uns dann plötzlich gar nicht mehr ansehnlich, obwohl wir uns morgens beim Fertigmachen vielleicht noch wohl gefühlt haben. Das Ding ist doch, dass keiner von uns in diesem Licht besonders gut glänzen kann. Aber das ist in Ordnung und ich finde, das kann man auch mal zeigen. Ja, diese Fotos sind weder vorteilhaft noch besonders und für manche Menschen da draußen mag es irgendwie lächerlich sein, was ich damit zu sagen versuche. Aber wenn solche Bilder nie gezeigt werden (obwohl wir uns alle oft genug selbst so sehen), kann sich unser Auge bzw. Blick nicht dran gewöhnen. Deshalb der heutige Beitrag - ich hoffe, ihr versteht meine Intention. Wenn ihr damit nichtsdestotrotz nichts anfangen könnt, ist das auch ok. Nicht jeder meiner Blogposts muss etwas für euch sein.