11. März 2024

Mandala Malerei

Guten Abend, ihr Lieben.
 
Keine Ahnung, ob ihr es wisst, aber eigentlich bin ich gerne kreativ. Mit Stift und Papier vor allem, meine ich. Zeichnen und malen ist eine große Leidenschaft von mir, ich liebe es! Doch ich nehme mir schon seit Jahren vieeeel zu wenig Zeit dafür, deshalb seht ihr davon auch immer weniger (falls Interesse an bisherigen Zeichnungen besteht, hier entlang). Im Kontext von Skin Picking habe ich schon lange nichts mehr angefertigt... Es ist nicht unbedingt so, dass keine Ideen da sind, aber ich setze sie aus verschiedenen Gründen nicht um. Dafür habe ich in den letzten Jahren gerne meine Haut als Leinwand genutzt, wie ihr unter "Kreatives" sehen könnt.

Ich habe heute eine kleine Mandala-Sammlung für euch. Die folgenden drei Zeichnungen habe ich über die letzten Monate angefertigt. Zwei davon sind ursprünglich in Geschenk-/Geburtstagskarten entstanden, also nicht mal für mich selbst. Aber jede kleine kreative Betätigung ist auch Selbstzweck. In den Augenblicken, in denen ich mit Bleistift oder Fineliner über das Papier fahre, kann ich mich fokussieren und entspannen. Es tut mir gut. Mehr dazu habe ich in diesem Post beschrieben, wo ich euch mein erstes Mandala (freehand, inspiriert von Liz Atkin) gezeigt habe. Vielleicht mögt ihr es ja auch mal ausprobieren? Und wenn nicht, dann wünsche ich euch einfach so viel Freude an meinen Zeichnungen. :)




17. März 2023

Podcastfolge über Selbsthilfegruppen

Mooooin!
 
Möglicherweise habt ihr es schon mitbekommen, aber für diejenigen, die noch nicht drauf aufmerksam geworden sind: Christina und ich haben eine weitere gemeinsame Podcastfolge für ihren Podcast "BFRB. care" aufgenommen! :)

Es ist mir wieder eine große Ehre gewesen, in Christinas wirklich großartigen Podcast eingeladen zu werden. Ihr wisst, dass ich Christinas Arbeit (egal, ob Webseite, Podcast, Instagram...) uneingeschränkt empfehlen kann und das auch gerne tue - egal, ob ich mich dabei wiederhole. Denn meine Dankbarkeit für die unheimlich wertvollen Ressourcen, die sie geschaffen hat, ist riesig und ich wünschte, ich hätte bereits als Jugendliche bzw. auch junge Erwachsene darauf zugreifen können. Deswegen kann ich euch Christinas Arbeit nur ans Herz legen!

Aber nun genug der Sentimentalität und Komplimente, zurück zur neuen Podcastfolge! Es geht um Selbsthilfegruppen, wie ihr dem Titel schon entnehmen könnt. Wie funktionieren sie? Wie sieht ein typisches Treffen aus? Welche Themen werden besprochen? Was können sie leisten und was nicht? Welche Vorurteile oder Mythen rund um Selbsthilfegruppen gibt es und was ist da dran? All solche und weitere Fragen beantworten wir für euch. Demnach könnte die Podcastfolge besonders für diejenigen von euch interessant sein, die bisher noch gar keine Berührungspunkte mit Selbsthilfegruppen hatten oder die schon länger überlegen, das mal auszuprobieren, sich bisher aber noch nicht überwinden konnten. Christina und ich, wir möchten euch wirklich von Herzen dazu ermuntern, dem Ganzen eine Chance zu geben! Es lohnt sich!

Hier könnt ihr direkt in die Folge reinhören: https://open.spotify.com/episode/5jln68J8J7ywDNF4mpKlWW

Übrigens habe ich auf meinem Blog schon ein paar Beiträge zu dem Thema verfasst, z.B.:

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Vielen herzlichen Dank für's Zuhören und lasst uns doch gerne Feedback da (auf unseren Instagramkanälen, per Mail, als Kommentar unter diesem Beitrag, direkt auf Spotify, etc.)! Wir freuen uns!

10. Februar 2023

Drei neue Online-Artikel

Es gibt mal wieder News aus dem Bereich der Online-Artikel! :)
 
Ich muss sagen: Seit einigen Monaten kommt es mir vor, als würde regelmäßiger über Skin Picking berichtet werden bzw. als hätten mehr Formate Interesse, sich der Thematik zu widmen. Das finde ich äußerst begrüßenswert, wie ihr euch vorstellen könnt! Seien es größere Formate wie Quarks, ZDFheute und die FAZ oder kleinere Webseiten wie zum Beispiel auch im letzten Beitrag, wo ich euch ebenso drei Online-Artikel vorgestellt habe. Zu Ersteren gesellt sich übrigens ganz bald eine weitere namhafte Partie, mit der ich vor Kurzem ein Interview geführt habe!

Zu Beginn war ich begeistert davon, dass Utopia die aktuelle Einordnung zu den Zwangsspektrumsstörungen (wie es laut ICD11 nunmal richtig ist) getätigt hat, aber wenige Sätze danach wird dann doch wieder von der veralteten Impulskontrollstörung geschrieben - schade! Das wäre doch auch gar nicht nötig gewesen und führt ggf. nur zu vermeidbaren Verwirrungen, zwei Einordnungen zu erwähnen. Wenn man dies tut, dann sollte man das auch im passenden Kontext tun: Dass die Forschung sich eben nach wie vor nicht ganz einig ist, wo Skin Picking genau eingeordnet wird, da es Parallelen zu mehreren Störungsbildern gibt (z.B. auch zu Verhaltenssüchten). Diese Einordnungsfragen bleiben also weiterhin Gegenstand der Forschung und sind noch nicht in Stein gemeißelt bzw. zu Ende untersucht. Sehr gut finde ich bei diesem Artikel aber, dass die ungewisse Dunkelziffer der betroffenen Männer erwähnt, die Funktion der Emotionsbewältigung betont und der Teufelskreis sowie ein paar verschiedene Ausprägungen der Erkrankung aufgezeigt werden. Diagnosestellung und Therapiemöglichkeiten werden klar umrissen. Soweit also nichts mehr zu meckern.

Dieser Artikel ist an vielen Stellen mit Interviewpassagen einer Betroffenen versehen - lustigerweise habe ich die liebe Karalin vor Kurzem auch auf Instagram entdeckt und ihr sofort ein Follow geschenkt, weil ich ihre Arbeit super finde! Artikel mit Beispielgeschichten von Betroffenen haben immer gleich eine viel größere Tiefe und sind viel greifbarer - sowohl für Betroffene, als auch für Nicht-Betroffene. Der Artikel enthält zahlreiche inspirierende Zitate von Karalin und selbstverständlich auch Fotos, danke für die mutige Offenheit an dieser Stelle! Trotz dessen, dass einige unschöne, aber wichtige Konsequenzen (wie bspw. Isolation und Scham) der Erkrankung erklärt werden, kann man dennoch eine Menge Motivation und Zuversicht aus den Beschreibungen mitnehmen!

In meinem oben verlinkten Post zu Online-Artikeln war bereits etwas von vital.de zu finden, weshalb ich schätzen würde, dass dieser Artikel eine Fortsetzung oder Ausführung des sehr knapp geratenen "Ratgebers" (wie sie es selbst bezeichnen) sein soll. Hier finde ich es interessant, dass im Unterschied zu den anderen Artikeln erstmals der Vergleich zu einer Sucht gezogen wird. Dieser Vergleich ist durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen, aber man sollte auch vorsichtig damit umgehen, vor allem, wenn man nicht die aktuell gültige Einordnung zu den Zwangsspektrumsstörungen erwähnt. Der Artikel spricht leider bloß von Zwangsstörungen, obwohl sogar die Zuordnung zu den BFRB's (body focused repetitive behaviors; zu deutsch körperbezogene, sich wiederholende Verhaltensweisen) aufgeführt wird. Typische Konsequenzen werden genannt, leider wird wieder ohne einschränkenden Hinweis auf Dermatologen verwiesen. Immerhin bleiben der Rat oder gar die Behandlung aus psychotherapeutischer Perspektive nicht ungenannt und auch Links zu z.B. Selbsthilfegruppen sind integriert. Was ich aber besonders schade finde: Dass die Nähe zur Selbstverletzung aufgegriffen, aber falsch diskutiert wird. Natürlich schädigt man mit Skin Picking der eigenen Haut, also führt irgendwie ein selbstverletzendes Verhalten aus. Dennoch ist man in der Forschung nach aktuellem Stand der Ansicht, dass SvV und Skin Picking zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind - Dermatillomanie ist also nicht, wie hier beschrieben, eine "leichte Form der Selbstverletzung".

9. Januar 2023

Welcome 2023

Halli hallo und frohes Neues (muss ich in meinem ersten Beitrag 2023 ja auch schreiben :D)! Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir kommt 2023 schon länger als 9 Tage vor. Es mag daher etwas spät sein, wenn ich heute meine kleine "Neujahrsansprache" halte, aber das ist mein Verschulden und ich hoffe, ihr könnt darüber hinwegsehen. Denn die Message der folgenden Zeilen ist mir ziemlich wichtig!
 

 
Also 2022 liegt jetzt endlich hinter uns - was ein Krampf, oder? Aber es ist geschafft, wir alle sind noch hier und können dem vergangenen Jahr den Rücken kehren, um den Blick auf das zu richten, was vor uns liegt: 2023. Ein weiteres Jahr voller Erfahrungen, Herausforderungen, Hochs und Tiefs, Learnings und Veränderungen. Ich wünsche mir, dass 2023 weiter ordentlich über Skin Picking berichtet wird, mehr Betroffene den Begriff kennenlernen, die Forschung voranschreitet, mehr Behandlungs- und Therapieangebote geschaffen werden und wir alle mindestens einen Schritt weiterkommen auf unserem persönlichen Heilungsweg. Und da sind wir auch schon beim Thema!

Denn in all den Jahren, in denen ich mich schon mit (meinem) Skin Picking beschäftige, durfte ich mehrmals neue Erkenntnisse gewinnen und alte Überzeugungen dafür verwerfen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass wir die Erkrankung (sofern sie sich ernsthaft chronifiziert hat) nicht von heute auf morgen loswerden. "Ab morgen höre ich auf" oder "Im nächsten Jahr werde ich endlich skin-picking-frei" sind daher nicht wirklich passende Vorhaben. Ich verstehe natürlich mehr als gut, warum das ein Wunsch bzw. ein Bedürfnis von so vielen Betroffenen da draußen ist. Wenn wir einen Wunsch frei hätten, würden wir doch alle nicht lange überlegen!? So ganz ohne viel Aufwand und Zeit ist es doch bequem! Aber so funktioniert es leider nicht. Die "Morgen höre ich auf"-Falle ist tückisch, denn sie trifft zwar das, wonach wir sehnlichst streben, aber sie ist unerreichbar. Denn keine psychische Erkrankung verschwindet über Nacht.



Daher mein Appell: Lasst uns 2023 kleine Schritte gehen, gerne auch Mini-Schritte. Lasst uns 2023 darauf vertrauen, dass Tropfen für Tropfen irgendwann ein reißender Fluss entstehen kann (eure Fortschritte und Erfolge sind sinnbildlich die Tropfen, die sich über die Zeit summieren). Lasst uns 2023 zu dem Jahr machen, in welchem wir uns für jeden noch so "kleinen" Erfolg feiern! Hier ein paar Beispiele: Ihr habt eine Stunde lang kein BFRB-Verhalten gezeigt? Super, weiter so! Ihr habt einen Morgen/Abend oder eine Risikosituation ohne BFRB-Verhalten oder vielleicht ohne einen mega großen Ausrutscher gemeistert? Großartig! Ihr habt einen neuen Trigger identifiziert, etwas Neues über die Erkrankung gelernt oder euch in Alternativverhalten geübt? Nice, das wird in Zukunft hilfreich sein! Ihr habt euren Mut zusammengenommen und den Müll rausgebracht, seid einkaufen gegangen oder zur Schule/Uni/Arbeit mit weniger oder gar keinem Make-Up? You go girl! Ihr habt es geschafft, euch selbst zu verzeihen oder euch etwas Gutes zu tun? Richtig stark! Ihr habt einmal so richtig auf den Tisch gehauen und eure Grenzen durchgesetzt? This is it, mehr davon! ...

Ich könnte das noch ewig fortführen, aber ich denke, ihr versteht meine Intention. Womöglich fallen euch noch weitere Beispiele ein, die auf euren individuellen Alltag passen.

Wenn ich mich auf den vorherigen Abschnitt beziehen darf, dann möchte ich Folgendes nochmal verdeutlichen: Wir können uns natürlich Großes wünschen und unrealistische Ziele festlegen, aber ganz ehrlich? Wem soll damit denn geholfen sein? Euch selbst ganz sicher nicht, denn ihr sichert euch damit eine weitere Enttäuschung, die ihr vermutlich wieder auf eigenes Versagen zurückführt. Dabei ist es nur logisch, dass ihr nicht von 0 auf 100 alles erreichen konntet. Weil es zu groß gedacht ist! Und hey, wir haben uns wirklich lange genug für willensschwach, undiszipliniert oder falsch gehalten. Oft genug bekamen wir vom Umfeld den Eindruck vermittelt, dass wir selbst der Fehler in der Rechnung seien - ja sogar so lange, bis wir es geglaubt und zu uns selbst gesagt haben. Da brauchen wir wirklich kein einziges zu großes und damit unerreichbares Ziel mehr, was uns in diesen Glaubenssätzen unterstützt. Denn das ist ein Teufelskreis, der uns nur weiter ins Verderben führt. Damit darf und muss also Schluss sein! Wir sind richtig so wie wir sind und dürfen nach all den Jahren neu lernen, wie wir mit uns und der Erkrankung umgehen. Mehr Liebe, mehr Verzeihen, mehr Geduld und mehr Vertrauen. Fünkchen für Fünkchen. Bis wir irgendwann heller und heller strahlen. 2023 setzen wir die Grundlage dafür! Wer ist dabei?

17. November 2022

Ein kleines Mandala

Neulich gab es mal wieder die Gelegenheit, Liz Atkin in Aktion zu erleben! Mehrere Selbsthilfegruppen haben sich zusammengeschlossen, um die liebe Liz für einen ihrer Workshops digital einzuladen. Und es war mal wieder herrlich, ihrer Geschichte zu lauschen. Denn obwohl ich sie zum dritten Mal gehört habe, ist kein Stück der Begeisterung verflogen. Liz schafft es einfach, einen mitzureißen, zu inspirieren und zu begeistern! In ihrem künstlerischen Workshop geht es aber um noch mehr als ihre persönliche Geschichte mit Skin Picking - Liz zeigt den Workshopteilnehmern, wie heilsam und spaßig Kunst sein kann! Selbst für diejenigen, die glauben, sie hätten kein künstlerisches Talent, denn das ist völlig egal. Es geht um den Akt des Zeichnens/Malens an sich, nicht um das Ergebnis. Und während sie uns in die Welt des Zeichnens und Doodlens entführte, habe ich das folgende Mandala begonnen:
 
 
Ein paar Tage später habe ich es weitergeführt und dann auch beendet. Es war sehr meditativ und schön, einfach frei heraus den Stift über das Papier laufen zu lassen. Ich tue mich damit auch nicht so leicht, denn die innere Perfektionistin in mir kann sehr vorschnell Kritik austeilen und Zweifel säen. Zufrieden bin ich mit solchen Kritzeleien bisher nie gewesen. Diesmal ist das anders und da kann ich mich natürlich fragen, ob es daran liegt, dass das Ergebnis besser geworden ist? Mhhh vielleicht, aber woran mag das wiederum liegen? Vielleicht habe ich es einfach ganz gut geschafft, mich vom Ergebnisdruck zu lösen, als ich gezeichnet habe. Das könnte der Knackpunkt gewesen sein. Es wäre schön, solche kleinen Zeichnungen öfters mal anzufertigen. Mal sehen, ob ich das hinbekomme...

Warum ich euch aber davon erzähle? Weil ich euch dazu motivieren mag, es mal auszuprobieren. Nehmt euch einfach einen stinknormalen Bleistift, ein Blatt Papier, macht es euch mit schönem Licht und entspannender Musik (oder einem coolen Podcast) gemütlich und los geht's. Beginnt mit verschiedenen Linien, Formen und Flächen. Startet irgendwo und seht, wohin es euch führt. Sobald ihr warm geworden seid, wird es euch Stück für Stück leichter fallen! Wenn ihr es braucht, könnt ihr im Vorhinein festlegen, dass ihr die (un)fertige Zeichnung am Ende zerreißt und/oder wegschmeißt. Niemand muss das sehen, wenn ihr nicht wollt. Es ist für euch. Ihr tut EUCH damit etwas Gutes.

20. September 2022

Rezension - "Frieden mit meiner Haut"

Hey hey! :)
 
Ich hatte euch im Juli davon berichtet, dass ein weiteres deutschsprachiges Buch über Skin Picking erschienen ist, was hauptsächlich die Geschichten von (ehemals) Betroffenen erzählt, die sich als (überwiegend) geheilt ansehen. Über die vergangenen Tage habe ich das Buch, welches mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zugesendet worden ist, durchgelesen. Das heißt, heute möchte ich euch eine kleine (well... ist doch nicht sooo klein) Rezension schreiben, die euch bestenfalls bei der Entscheidung helfen kann, ob das Buch etwas für euch sein könnte oder nicht.

Zuerst zu den Eckdaten des Buchs:
Titel: Frieden mit meiner Haut. Wege, Skin Picking zu überwinden
Erscheinungsdatum: Juli 2022
Verlag: Mabuse-Verlag (Frankfurt am Main)
Autoren: Ingrid Bäumer und Christina Gallinat
ISBN: 978-3-86321-615-3
Bestellbar über den Verlag oder über Amazon.
Preis: 19 Euro
Seitenanzahl: 176 Seiten

Nun ganz grob zu den Inhalten des Buchs, damit ihr wisst, was ihr im Buch finden könnt und was nicht. Das Buch hat 6 Kapitel bzw. Abschnitte, die sich wie folgt aufgliedern: Vorwort, Teil A mit den Geschichten der Betroffenen, Teil B mit Infos zur Wirksamkeit von Therapieverfahren, Teil C mit Infos zur Selbsthilfe und zu guter Letzt die Danksagung und die Medienempfehlungen sowie Quellenangaben. Es ist ganz klar, dass der Teil A das Herzstück des Buches und gleichzeitig auch die Intention hinter diesem Buch ist (daher auch von mir großen Respekt und noch größeres Danke an alle, die ihre Geschichte beigesteuert haben!). Mit knapp 100 Seiten nimmt dieser Abschnitt folglich den größten Raum ein, was meiner Meinung nach definitiv berechtigt ist. Ihr findet hier 11 Betroffene mit ihren ganz individuellen Geschichten, Heilungswegen und Learnings; darunter auch Ingrid Bäumer und Angela Hartlin, die Vorreiterin in Sachen Öffentlichkeitsarbeit aus Kanada.

Ein wenig überraschender, aber dennoch wichtiger Hinweis: Die gleich folgende Rezension von "Frieden mit meiner Haut" basiert auf meiner persönlichen Meinung und Leseerfahrung. Ihr als Betroffene mit einer eventuell völlig anderen Krankheitsgeschichte könntet das Buch ganz anders lesen und empfinden als ich. Seid euch dessen bitte bewusst! Dennoch freut es mich, wenn euch meine Einschätzung hilft oder sogar motiviert, das Buch zu erwerben. Schließlich würden eure ganz individuellen Learnings in dem Buch warten.

Zuerst möchte ich loswerden, dass ich das Vorwort schön geschrieben und sehr einladend fand. Es enthielt außerdem bereits einige wichtige Hinweise zum Thema und hat knapp erläutert, was in welchem Kapitel auf die Leser wartet. Dadurch war ich richtig eingestimmt und die Geschichten der Betroffenen standen nicht so leer ohne Einleitung da. Es gab dazu auch eine kurze Erklärung der wichtigsten Begriffe, was für mich persönlich überflüssig ist, da ich mit den Begriffen gut vertraut bin und mich schon sehr lange intensiv mit dem Thema beschäftige. Aber für Betroffene, die erst am Anfang ihrer Auseinandersetzung stehen, könnte das hilfreich sein.

Danach folgten bereits die Geschichten der Betroffenen, die Kern meiner Rezension werden und hier möchte ich eins anmerken: Ich habe mich dazu entschieden, die einzelnen Lebens- und Heilungswege der Betroffenen nicht zu kommentieren oder gar zu bewerten. Erstens will ich in dieser Rezension nichts vorwegnehmen, zweitens werden sehr persönliche und intime Informationen geteilt, die ihr bitte selbst direkt im Buch lesen sollt/müsst und drittens sehe ich mich nicht annähernd in der Position, diese Geschichten zu kommentieren. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, was ich stattdessen in meine Rezension schreiben werde und das kann ich euch gerne beantworten. Ich werde versuchen, euch ein paar Stichworte zusammenzuschreiben, die den Versuch wagen, zu beschreiben, was mir die Geschichten mitgegeben haben oder was hängengeblieben ist. Es sind also Erkenntnisse, Learnings und Impulse meinerseits, die ich während des Lesens hatte. Dabei werde ich mit einer Ausnahme auch darauf verzichten, die Namen oder Pseudonyme der jeweiligen Geschichte zu nennen. Zum Ende möchte ich ein Fazit zum Buch insgesamt ziehen und eine endgültige Empfehlung aussprechen.

Die Ausnahme von Namensnennungen betrifft Ingrids Geschichte, weil sie in der Community bekannt ist und eine sehr tragende Rolle spielt. Sie steht in diesem Buch mit ihrem Namen für ihre Geschichte und teilt schonungslos offen und ehrlich, wie es ihr mit dem Skin Picking ergangen ist. In Teilen war das Gelesene neu für mich, andere Teile waren mir bereits bekannt, weil ich schon so lange mit Ingrid in Kontakt stehe. Trotzdem zeigte sie auch für mich eine völlig neue und bisher unbekannte Art der Verletzlichkeit, die meiner Meinung nach genau richtig für dieses Buch war. Ich war sehr fasziniert von Ingrids Geschichte und davon, welche Umwege oder unkonventionellen Wege sie genommen hat, um ihre persönlichen Erfolge zu erzielen. In ihren Zeilen fand ich sehr schnell eins meiner ersten Learnings zum Thema Heilung: Dass es ein Ideal ist, welchem wir Betroffene uns nähern und dass es im Englischen eine passende Bezeichnung dafür gibt, nämlich "in recovery". Es ist ein Weg der Heilung, keine Station, die man einmal ganz erreicht und für immer dort verweilt. Außerdem beschreibt Ingrid im Zusammenhang mit dem Weg der Heilung ein Gefühl von Befreiung. Als ich versucht habe, mir dieses Gefühl vorzustellen, habe ich mich gefragt, was es für mich persönlich bedeuten mag, frei von Skin Picking zu sein. In welchen kleinen oder großen Momenten könnte mir diese Freiheit auffallen? Eine extrem spannende Frage, wie ich finde und so hat mich bereits die erste von 11 Geschichten zum Nachdenken angeregt. Dazu gehörte auch, dass Ingrid einen Perspektivwechsel auf ihr Skin Picking erlebt hat, welchen sie in jüngeren Jahren wohl nie für möglich gehalten hätte. Und das ist etwas, was ich euch gerne mitgeben möchte! Auch, wenn ihr glaubt, dass ihr euer Skin Picking für immer verabscheuen werdet, könnte es sehr gut sein, dass ihr in 5, 10, 15 Jahren eine neue Sichtweise kennengelernt habt. Ein Letztes, was mir Ingrid mitgegeben hat: Eigenlob stinkt nicht, sondern duftet himmlisch! Wir dürfen und sollten öfter mal stolz auf uns und unsere vielleicht noch so kleinen Erfolge sein. Das stärkt unseren Selbstwert und den können wir verdammt gut gebrauchen. Danke Ingrid für diese ganzen wichtigen Impulse!

Meine weiteren Erkenntnisse, Learnings und Impulse (nicht vollständig, da ihr ganz sicher viele andere Learnings haben werdet):
  • Skin Picking kann sich wie ein sich ständig wiederholender Kontrollverlust anfühlen - wie etwas, was die vollkommene Macht über uns besitzt. Oft haben wir Betroffene das Gefühl, den Einschränkungen komplett ausgeliefert zu sein. Aber wenn wir aktiv erste Schritte in Angriff nehmen, dann können wir merken, dass wir gar nicht so machtlos sind wie wir oft glauben. Wir können Dinge in die Hand nehmen und uns dadurch ein Gefühl von Selbstermächtigung schenken.
  • Weil Skin Picking so schambehaftet ist, ist es eine Erkrankung, die viele Betroffene einzig mit sich selbst ausmachen. Das ganze Leid, die kreisenden Gedanken, die vielen unterschiedlichen und teilweise sehr starken Gefühle - ganz schön viel für eine Person allein. Was für eine Bedeutung und Kraft es hat, sich zu öffnen (egal, ob in Therapie, in einer Selbsthilfegruppe oder gegenüber seinen Lieben), ist mir bei der Lektüre erneut bewusst geworden. Dadurch können wir nicht bloß endlich mal loslassen, sondern auch besser strukturieren, was uns sonst als wirres Wollknäuel im Gehirn rumspringt.
  • Dermatillomanie zeigt sich nicht bloß auf der Haut, es kann das ganze Leben einer betroffenen Person beeinflussen. Wenn wir uns zum Beispiel aus Scham verstecken, dann schränken wir uns einerseits ein und sorgen andererseits unbeabsichtigt dafür, dass wir einen Teil unserer Person zurückhalten und verleugnen. Dadurch können wir uns schlimmstenfalls selbst fremd werden oder gar verlieren. Und mir ist klar geworden, dass dieser Aspekt sehr stark auf mich zutrifft/zugetroffen hat. Die jüngere Jacqueline war überhaupt nicht sie selbst, sondern stand neben sich und war sich fremd. Dadurch, dass ich mir so viele Jahre meines Lebens fremd war (gerade in der Zeit des Lebens, wo wir uns selbst finden wollen und sollen), weiß ich eigentlich ziemlich wenig über mich und das bis heute. Mein Skin Picking ist nicht der einzige Grund dafür, aber mir ist beim Lesen des Buches deutlich geworden, wie schlecht ich mich selbst, mein Kindheits-Ich und mein Teenie-Ich kenne... Das war eine bittere Erkenntnis.
  • Damit verbunden war das Learning, dass Selbstwahrnehmung eine echte Grundkompetenz ist, die wir nicht unterschätzen sollten. Es ist total wichtig, dass wir unsere eigenen Gedanken, Gefühle, Verhaltensmuster, Eigenschaften und Bedürfnisse kennen- und verstehen lernen.
  • Das kann uns wiederum dabei helfen, unsere eigenen Grenzen festzulegen, sie gut zu kennen und auch zu wahren. Skin Picking ist oft auch mit viel grenzüberschreitenden Erfahrungen verbunden und das, obwohl Grenzen für uns von besonders hoher Relevanz sind. Man lernt leider nicht von heute auf morgen, wie man seine Grenzen am besten schützt, denn das ist ein vermutlich lebenslanges Unterfangen.
  • Perfektionismus und Skin Picking sind beste Freunde, scheint mir. Ich bin, wie viele andere Betroffene auch, eine absolute Perfektionistin, was mir im Leben oft unnötig viel Frust bereitet. Obwohl mir das eigentlich total bewusst ist, habe ich beim Lesen einer der Geschichten gemerkt, wie weit das wahre Ausmaß des Perfektionismus reicht und mit wie vielen negativen Glaubenssätzen er eigentlich verbunden ist. Klar, Perfektionismus hat auch seine Funktionen und kann wie eine Orientierungsstütze wirken, aber man muss echt aufpassen, dass es nicht der einzige Wegführer für einen wird. Denn niemand ist perfekt und es gibt keine absolute Sicherheit im Leben.
  • Betroffene von BFRB's wie Skin Picking müssen sich häufig mit extrem viel Unverständnis aus ihrem Umfeld herumschlagen. Solange sie selbst noch nie von den Begriffen gehört haben, glauben sie vielleicht sogar, was ihnen das Umfeld direkt oder indirekt vermittelt. Dabei sind wir gar nicht komisch, willensschwach oder Ähnliches! Es gibt da draußen ganz viele andere Betroffene, die unsere Gefühle und Gedanken nur allzu gut nachempfinden können. Ich habe in diesem Buch auf komplett neue Weise verstanden, wie unfassbar wichtig Aufklärung ist. Wir als Betroffene MÜSSEN die Erkrankung bestmöglich verstehen und auch die Gesellschaft oder Fachpersonen sollten ein viel ausgeprägteres Verständnis davon bekommen! Betroffene leiden vieeeeel zu lange, ohne auch nur im Ansatz Bescheid zu wissen. Das muss sich ändern!
  • "Skin Picking ist ein Teil von uns". Wie fühlt ihr euch, wenn ich diesen Satz so in den Raum werfe? Fühlt sich das vielleicht ernüchternd oder provozierend an, weil ihr nicht möchtet, dass es ein Teil von euch bzw. eurem Alltag ist? Oder fühlt sich das mehr nach liebevoller Akzeptanz an, weil ihr nicht länger mit erhobenen Waffen gegen euch vorgehen wollt? Ich habe das bisher immer eher aus der zweiten Perspektive gesagt, weil ich das Skin Picking anerkennen und sehen möchte, bevor ich daran arbeiten kann. Eine der Geschichten hat mir den Impuls gegeben, zu reflektieren, was diese Aussage (noch) bedeuten könnte und inwiefern sich die Bedeutung davon im Laufe der Heilungsgeschichte verändern kann.
  • Verbunden mit der Selbstwahrnehmung ist auch die Selbstachtung. Unsere eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele sind etwas wert und dürfen verfolgt werden. Nein, sie sollten es sogar! Wer verfolgt sie, wenn nicht wir selbst? Eine betroffene Person hat in ihrem Unterkapitel davon berichtet, dass sie erst recht spät im Leben gelernt hat, für sich selbst zu leben und die eigenen Wünsche zu verfolgen und nicht nur die Erwartungen von Anderen zu erfüllen.
  • Stress ist für mich sehr negativ konnotiert und etwas, was ich eigentlich partout vermeiden will. Leider ist das nicht immer möglich und bis zur Lektüre dieses Buches dachte ich nicht selten, dass ich selbst der Fehler in der Rechnung wäre. Also dass es an mir und meinen unzureichenden Kompetenzen liegen würde, dass ich immer wieder viel Stress erlebe und damit nicht gut umgehen kann. Aber ich durfte ein sehr wichtiges Learning mitnehmen, welches da wäre, dass Stress zum Leben dazugehört. Wir können wenig daran ändern, dass es stressige Ereignisse oder Lebensphasen gibt. Jeder Mensch erlebt diese und jeder Mensch geht damit anders um. Wir alle brauchen Wege, um uns zu regulieren und zu entspannen. Person A nimmt Weg a, Person B nimmt Weg b und wir nehmen bisher noch den Weg des Skin Pickings. Aber eines Tages werden wir andere Wege finden, da bin ich mir sicher!
  • Akzeptanz ist nicht gleich Resignation! Nur, weil wir unseretwillen versuchen, dem Skin Picking mit mehr Akzeptanz gegenüberzutreten, heißt das nicht, dass wir es gut finden und für immer in unserem Leben behalten wollen. Akzeptanz macht es uns aber sehr viel einfacher. Falls euch das Thema genauer interessieren sollte, kann ich euch empfehlen, in die Podcastfolge Nr. 27 von Christinas Podcast reinzuhören. Ich fand, dass das eine ihrer besten Podcastfolgen gewesen ist.
  • Während Ingrids Geschichte mir mitgegeben hat, dass Heilung ein Weg ist, habe ich im späteren Verlauf des Teils A verdeutlicht bekommen, dass Heilung wirklich nicht bloß das reine Verhalten oder das Hautbild betrifft. Heilende Impulse können von so vielen verschiedenen Seiten kommen und sich dann addieren. Und obwohl Betroffene das Verhalten noch hin und wieder zeigen, können sie sich als (weitgehend) geheilt ansehen, weil sie keine Einschränkungen mehr erleben.
  • Auf dem Weg der Heilung müssen wir eine Menge Anstrengungen auf uns nehmen und viel an uns selbst ändern. Aber wo sollen wir anfangen? Was hat oberste Priorität? Falls euch Fragen dieser Art auch beschäftigen sollten, dann findet ihr folgenden Impuls wahrscheinlich auch ganz hilfreich: Das Handeln vor den Gefühlen und Gedanken ändern zu wollen, ist unmöglich. Die Arbeit an unserer Gefühls- und Gedankenwelt muss die Basis sein und darauf aufbauend kann das Handeln Stück für Stück verändert werden. Das war mir vorher gar nicht wirklich bewusst.
  • Vielleicht ist euch das schon völlig klar, aber mir hat die Einsicht geholfen, dass Heilung kein passiver Vorgang ist, der mit einem passiert. Heilung ist ein aktiver Prozess von innen heraus, der bei Bedarf von Fachpersonen unterstützt werden kann. Aber niemand Anderes als ihr selbst kann diese Reise auf sich nehmen, es ist eure Verantwortung!
  • Zum Ende der Betroffenengeschichten kam mir nochmal eine weitere bittere, aber hilfreiche Erkenntnis, die ich hier nur andeuten werde. Es ging darum, dass unsere psychische Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden die zwei größten und wichtigsten Schlüsselfaktoren sind, um heilen zu können. So weit, so gut. Das klingt ziemlich logisch, oder? Aber als ich das gelesen habe, hatte ich einen dieser Momente, in denen mir klar wird, dass es mir nicht gut geht und auch die vergangenen Jahre nicht gut ging, im Gegenteil. Und solange sich das nicht ändert, werde ich das Skin Picking nicht loswerden.
  • Heilung zu erreichen, ist etwas, was einem wieder genommen werden kann. Ja, Heilung ist ein Weg, aber dieser Weg wird in den wenigstens Fällen an seinem Ende eine feste und sichere Endstation bereithalten. Heilung ist kein endgültiger Zustand, sondern etwas, was lebenslange Arbeit erfordert und durch äußere Zustände leider wieder zunichtegemacht werden kann. Was daran aber ermutigend sein könnte: Wenn ihr es einmal geschafft habt, werdet ihr es mit Sicherheit ein zweites Mal schaffen!
  • Zu guter Letzt: Wir sollten uns in Selbstvergebung üben! Wir können nichts dafür und haben uns die Erkrankung nicht ausgesucht. Wir haben Mitgefühl verdient, auch von uns selbst. Das ist keine leichte, aber eine mögliche Aufgabe! Wir können das lernen. Vielleicht hilft es euch, das über andere Betroffen zu lernen - das geht besonders gut über Selbsthilfegruppentreffen. Da könnt ihr sehen, dass die anderen Betroffenen einfach nur ganz liebe, wunderbare Menschen sind, die das Beste der Welt verdient haben. Eventuell könnt ihr das dann im zweiten Schritt auf euch selbst übertragen. Ihr seid schließlich genauso wunderbar!
Wow, das sind eine Menge Stichpunkte geworden, entschuldigt... Aber es ist ja auch ein ganz wertvolles Buch mit vielen super wichtigen Messages, die jeder Betroffene wissen sollte. Es werden auch sehr, sehr viele berührende, mitfühlende und empowernde Worte geteilt - in dem Sinne ist "Frieden mit meiner Haut" wie eine wohlig-warme Decke, die euch in den Arm nimmt. Ich glaube, dass sich die verschiedenen Geschichten gut ergänzen und so jeder Leser irgendetwas mitnehmen können sollte. Dennoch gibt es einen klitzekleinen negativen Punkt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte. Denn es gab einen Satz in einer Geschichte, den ich schwierig und sogar deplatziert fand... Dieser Satz war "Lasst euch nicht mehr triggern!" und ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich hatte beim Lesen nur Fragezeichen im Kopf und die haben sich bisher noch nicht gelöst. Vor allem, weil im Satz vorher noch anerkennend gesagt wird, dass jeder so seine Triggerpunkte hat. Was hilft es, direkt im Anschluss zu sagen, dass wir uns nicht mehr triggern lassen sollen!? Das ist doch wie der Satz "Hör doch einfach auf!" - sorry, aber wenn das ginge und wir wissen würden, wie wir das machen sollen, dann würden wir es tun. Daher fällt dieser Satz für mich völlig aus dem Rahmen und gehört für mich auch nicht in dieses Buch. Vielleicht verstehe ich das Ganze allerdings auch falsch, dann helft mir gerne.

So, nun zum endgültigen Fazit und der Frage, ob ich "Frieden mit meiner Haut" empfehlen würde! Vielleicht Letzteres zuerst, denn wahrscheinlich könnt ihr euch die Antwort schon denken. Ja, selbstverständlich würde ich das Buch anderen Betroffenen empfehlen! Ich fand die Idee von Ingrid schon von Anfang an so super, dass ich mich die ganze Zeit gefreut habe, bis das Buch erschienen ist. Es kann absolut nicht schaden, wenn wir uns häufiger und mit mehr Nachdruck daran erinnern, dass Heilung möglich ist. Die 11 integrierten Lebens- und Heilungswege zeigen nicht bloß, dass es möglich ist, sondern dass es auch unzählige verschiedene Wege gibt, die zum Ziel führen. Ich glaube, dass ihr euch mit diesem Buch einen wunderbaren Mutmacher und Hoffnungsgeber ins Haus holt. So vieles von dem, was ich anderen Betroffenen auf ihrem Weg gerne mitgeben würde, steckt in diesen 176 Seiten!

Was mich persönlich betrifft, muss ich zugeben, dass mir die Lektüre zwar einige Dinge wieder ins Bewusstsein gerückt hat und dass ich auch immer wieder reflektiert und vieles auf emotionaler Ebene besser verstanden habe, aber dass ich dennoch nicht wirklich brandneue Informationen erhalten habe. Ich merke das in letzter Zeit immer wieder, dass es für mich (im Vergleich zu anderen Betroffenen) wenig(er) Neues gibt. Ich beschäftige mich bald seit einem Jahrzehnt mit Skin Picking allgemein und dem Skin Picking, wie es sich bei mir verhält. Auf die Erkrankung allgemein bezogen habe ich einen solide ausgebauten Wissensschatz und ein sehr gutes Verständnis. Ich kenne Skin Picking einfach, Punkt. Auf mich selbst trifft das weniger zu, denn wie oben in meinen Learnings schon angeklungen ist, weiß ich über mich selbst sehr viel weniger als ich bisher dachte. Meine Kindheit und Jugend, meine Emotionen, Gedanken und Glaubenssätze, meine seelischen Verletzungen und Traumata - die sind für mich oft wie in einem dichten Nebel versteckt. Vieles davon habe ich auch jahrelang verdrängt oder unterdrückt, sodass ich Meister darin geworden bin, meinen Blick in eine andere Richtung zu lenken. Das bringt mich zur Verfestigung einer Erkenntnis, die sich schon seit einiger Zeit anbahnt... undzwar, dass ich glaube, alleine nicht mehr so viel weiter zu kommen, was meinen Heilungsweg mit Skin Picking angeht. Solange mein Leben in einem Zustand wie aktuell bleibt, sowieso nicht. Ich brauche Therapie(n). In einer Therapie warten ganz sicher viele neue Erkenntnisse und die wahre Arbeit, die ich mir bisher erspart habe. Ich muss mit Unterstützung gewisse Themen aufarbeiten, die noch zu viel Einfluss haben. Wenn ich das schaffen würde, hätte ich ein viel größeres Heilungspotential, vermute ich. Das ist das, was ich brauche. Aufklärung und Tools/Strategien/Tipps brauche ich nicht mehr, die sind mir bekannt. Ich vermute, dass mich mein Heilungsweg zu drumherumliegenden Themen führen wird, die eher indirekt mit dem Skin Picking zu tun haben. Darauf bin ich gespannt! Eines fernen Tages....
 
Alles in allem also ein großartiges und empfehlenswertes Buch, welches ich trotz des eben beschriebenen Umstands gerne gelesen habe. Niemals hätte ich auf die Lektüre verzichten wollen.

1. August 2022

Podcastfolge über Scham bei BFRB's

Wunderschönen guten Abend euch! Starten wir den August direkt mit ein paar großartigen Neuigkeiten!
 
Ich darf euch mit großer Freude und tiefster Dankbarkeit verkünden, dass Christina mich ein weiteres Mal in ihren wunderbaren Podcast "BFRB. care" eingeladen hat und wir gemeinsam über das riesige sowie extrem wichtige Thema Scham gesprochen haben! :) Wir gucken uns zusammen an, wofür Betroffene sich schämen und wie sich das anfühlen kann, warum Scham so zentral ist und wie man damit umgehen kann. An vielen Stellen der Podcastfolge fließen selbstverständlich meine eigenen Erfahrungen, aber auch Aspekte aus dem Scham-Workshop, den ich bisher dreimal durchführen durfte, ein. Christina hat darüber hinaus eine genauso wertvolle Perspektive auf die Thematik, sodass wir hoffen, euch mit unserem Gespräch ein paar Impulse mitgeben zu können! Sofern ihr mögt, würdet ihr uns eine große Freude bereiten, wenn ihr uns Rückmeldungen zu der Podcastfolge zukommen lasst - ganz egal, ob auf unseren Instagramkanälen, per Mail, als Kommentar hier auf meinem Blog oder direkt auf Spotify etc.

 
Vielen lieben Dank, wenn ihr euch die Zeit für's Anhören nehmt! Und falls ihr schneller von solchen Neuigkeiten hören wollt, könnt ihr mir gerne auf Instagram (jacqueline. sknpckng) folgen.

Ansonsten wünsche ich euch eine gute Woche und einen tollen August!

27. Juli 2022

Mein drittes Herzensprojekt

Zuletzt waren meine Beiträge oft eher textlastig, heute gibt es wieder mehr für die Augen! :)
 
Kennt ihr noch mein erstes Herzensprojekt? Es ist inzwischen 2,5 Jahre her und der Idee entsprungen, meine Haut und die Spuren des Skin Pickings mal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Ich war es irgendwie satt, jeden Tag so viel Negatives damit zu verbinden. Also habe ich den Fingern ermöglicht, anders mit meiner Haut umzugehen, als sie immer nur zu drücken und zu kratzen. Ich habe mir einen weißen Kajal geschnappt und einige meiner Stellen mit einem Herz umrahmt. Als Zeichen von (Selbst-)Liebe, Vergebung und Akzeptanz. Als Zeichen einer versöhnlichen Annäherung, wenn man so will. Anschließend habe ich von dem Ergebnis Fotos gemacht und was soll ich sagen? Ich mag das Herzensprojekt bis heute!

Etwas mehr als ein Jahr später, im April 2021, habe ich ein zweites Herzensprojekt umgesetzt. Diesmal habe ich mit einer anderen Farbe und einem anderen Medium gearbeitet: Rote Strasssticker in Herzchenform. Die habe ich auf meinem Gesicht verteilt undzwar tatsächlich genau da, wo ich Pickel oder Wunden hatte. Ich wollte mit den daraus entstandenen Fotos genau das gleiche Gefühl fühlen, genau die gleiche Erfahrung machen und genau die gleiche Message weitergeben wie beim ersten Herzensprojekt. Ich würde sagen, dass ich das auch geschafft habe, obwohl ich die Aufnahmen einem ganz anderen Beitrag gewidmet habe: Dem Blogpost über meine Mobbingerfahrungen. Dadurch haben die Bilder noch eine weitere, sehr tiefgehende und persönliche Bedeutung erhalten.

Da alle guten Dinge drei sind... seht ihr gleich mein drittes Herzensprojekt, von dem ihr auch schon eine Sneak-Peek erhalten habt.. Rot ist hier wieder die Farbe der Wahl, aber diesmal habe ich mich lediglich auf mein Dekolleté konzentriert (beim ersten Mal waren es Gesicht und Dekolleté, beim zweiten Mal nur das Gesicht). Ich hatte eine sehr große, rote und entzündete Stelle auf der Brust, die für mich Ausgangspunkt des Bedürfnisses war, das Herzensprojekt nochmal zu machen. Mit Stellen dieser Art tue ich mich in vielerlei Hinsicht schwer... Einerseits sind sie extrem triggernd und ich bearbeite sie meistens mehrmals und mit besonders viel Druck. Andererseits stechen sie sofort ins Auge, sind schwerer abzudecken und heilen langsamer. Doch durch das Herzensprojekt habe ich diese Stelle in etwas Künstlerisches verwandelt! Viel Vergnügen mit den Bildern:





Wisst ihr, was das Schönste für mich wäre? Wenn ich euch dazu ermutigen/inspirieren kann, eure eigenen Projekte umzusetzen. Wenn ihr euch künstlerisch-kreativ ausprobiert, euch einen ganz anderen, vielleicht ungewohnten Umgang erlaubt und zumindest für einen Moment aus der alltäglichen Perspektive entflieht. Wenn ihr das fotografisch festhaltet, habt ihr das Ganze sogar für die Zukunft eingefangen und könnt immer wieder erkennen, dass es in euren betroffenen Hautstellen viel mehr zu sehen gibt als das Negative, das Störende, das Blöde. Im Alltag sind wir dafür möglicherweise blind, aber durch diese Form der Auseinandersetzung öffnen wir unseren Blick dafür. Glaubt mir, ihr könnt das auch!

22. Juli 2022

Wofür es sich lohnt

Guten Abend!
 
Vor ein paar Wochen wurde bei uns in einem Selbsthilfegruppentreffen ein ganz bestimmtes Thema angeregt, mit dem wir uns in einem der nächsten Treffen dann auch die vollen 120min beschäftigt haben. Ein spannendes und ziemlich wichtiges Thema! Es treibt bestimmt viele, viele Betroffene immer wieder um - das habe ich auch im letzten Treffen gemerkt, als es wieder aufkam. Deshalb dachte ich mir: Warum verarbeite ich das Ganze nicht mal in einem Blogbeitrag? Auch, wenn es den wunderbaren Austausch, den wir dazu innerhalb der SHG hatten, nicht ansatzweise ersetzen kann (schade, dass ich nicht ein wenig mitgeschrieben habe...), so ist es doch eine kleine Ansammlung von Impulsen zu dem Thema. Denn ich habe mich für die Moderation des besagten Themenabends auch vorbereitet und mich dazu zum Beispiel mit meinem Freund als Angehöriger und der lieben Janika als weitere Betroffene ausgetauscht. Das heißt, ihr werdet in diesem Post hauptsächlich meinen vorbereiteten Input erhalten, der jedoch gerne um eure eigenen Gedanken ergänzt werden darf! Denn vollständig sind diese Überlegungen ganz sicher nicht, das habe ich im Austausch mit den anderen Betroffenen in der Gruppe sehr eindeutig festgestellt.

Doch worum geht es nun? Tja, stellt ihr euch vielleicht manchmal eine oder mehrere der folgenden Fragen?:
 
Wie schafft man es, sich trotz der vielen Rückschläge immer wieder dazu zu motivieren, mit dem Skin Picking aufzuhören?
Warum sollte man überhaupt an sich und dem Skin Picking arbeiten, wenn es doch sowieso immer Tiefphasen und Rückfälle gibt?
Wofür lohnt es sich, sich aufzuraffen und eines Tages frei davon zu sein?
Was kann uns (immer wieder neu) Motivation schenken?

Dann seid ihr hier genau richtig! Darum soll es gehen. Ich glaube, es gibt auf diese Fragen sehr viele hilfreiche und wertvolle Antworten, die bestimmt auch individuell bzw. subjektiv sind. Das ist auch logisch, denn es braucht meiner Meinung nach einen ganz persönlichen Motivator, damit er Kraft hat und funktionieren kann. Was bringt es mir, wenn ich es mit Motivator xy von wem anders probiere, der für mich aber gar nicht passt!? Deswegen möchte ich darauf hinweisen, dass die Arbeit nicht damit getan ist, diesen Post zu lesen. Wenn ihr noch auf der Suche nach Antworten auf die obigen Fragen seid, dann setzt euch ruhig immer wieder damit auseinander und findet euren ganz eigenen Weg. Stellt euch euren eigenen Rucksack mit Gründen zusammen, weswegen ihr auf die Reise geht! Nehmt diesen Rucksack mit und vergesst nicht, welche Kraft er schenken kann.

Zum Einstieg möchte ich zwei, drei Tipps teilen. Der erste Tipp ist ganz schnell abgehandelt: Ich habe euch neulich das neue Buch "Frieden mit meiner Haut" von Ingrid und Christina vorgestellt - in den Geschichten der Betroffenen dürften sich ganz bestimmt viele Anregungen und Inspirationen finden! Ein Grund mehr, sich dieses wunderbare Buch nicht entgehen zu lassen! Übrigens habe ich ein Rezensionsexemplar erhalten und werde euch noch einen Rezensionspost zum Buch verfassen. Jetzt aber erst einmal zu einem anderen Buch, das ich vor einiger Zeit gelesen und auf meinem Blog vorgestellt habe: "Skin Picking. The freedom to finally stop" von Annette Pasternak (inzwischen hat Annette ein zweites Buch veröffentlicht). Auch dieses Buch fand ich in diesem Kontext hilfreich. Falls ihr bisschen mehr darüber erfahren mögt, könnte die kleine Postserie, die ich dazu verfasst habe, eventuell etwas für euch sein (dann hier klicken)? Innerhalb dieser Postserie habe ich verschiedene Kapitel, Aspekte und Übungen aus dem Buch genauer behandelt - zum Beispiel habe ich euch in dem einen Teil auch motivierende Sprüche abfotografiert, die ich aus dem Buch gesammelt habe. Aber es gibt in dem Buch auch eine ganz wunderbare Übung, die ihr machen könnt und die euch zu Antworten verhelfen kann. Innerhalb dieser Übung legt man eine Tabelle mit zwei Spalten und zwei Zeilen an, sodass man vier Felder zum Ausfüllen hat. Diese vier Felder tragen folgende Titel: Pro's of picking, con's of picking, pro's of NOT picking und con's of NOT picking. Ihr überlegt euch also, was für euch persönlich die Vor- und Nachteile am Skin Picking, aber auch die Vor- und Nachteile davon sind, kein Skin Picking mehr zu betreiben. Am Ende erhaltet ihr zwei Felder bzw. streng genommen ein Feld, was euch Motivation schenken sollte: Die Vorteile davon, kein Skin Picking mehr zu betreiben (+ die Nachteile vom Skin Picking). Wenn man sich intensiv Gedanken macht bei dieser Übung, wird man schnell merken, dass viele Bereiche des Lebens berührt werden, die über die sichtbaren Konsequenzen auf der Haut hinausgehen. Körperliches Wohlbefinden, Schlaf, Fokus und Konzentration, Selbstwertgefühl, Sozialverhalten und noch vieles mehr.

So viel zu den Tipps. Nachfolgend liste ich euch ein paar der Ideen von mir, meinem Freund und Janika auf, die wir zu den oben genannten Fragen hatten.
  • Alternativlosigkeit: Das mag im ersten Moment stumpf wirken, aber ganz ehrlich? Es ist doch wahr! Was wäre denn die Alternative und käme sie überhaupt infrage? Nichts tun (quasi "aufgeben") und womöglich trotzdem unter den Konsequenzen leiden, vielleicht sein Leben lang? Drauf warten, dass es sich von allein auflöst? Der Erkrankung und dem Verhalten die vollkommene Macht über sich selbst, sein Leben und das eigene Wohlbefinden geben? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich klingt das nicht nach einer erstrebenswerten Alternative - das Leben ist zu kurz dafür. Und vor allem: Das Leben geht weiter. Wenn ihr der Überzeugung seid, dass Heilung/Recovery sowieso nicht möglich ist (für euch), dann sage ich euch eins: Doch das ist es! Es gibt ehemalige Betroffene, die zeigen konnten, dass es ein "danach" gibt. Dass es sich lohnt und eine Freiheit auf uns wartet, die wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausmalen können. Außerdem darf nicht vergessen werden: Nur in EUCH liegt die Kraft, das Skin Picking zu bezwingen. Niemand sonst kann das für euch erledigen, obgleich ihr selbstverständlich Hilfe auf eurem Weg in Anspruch nehmen dürft. Aber ihr findet die Kraft dazu nicht im außen, das möchte ich sagen.
  • Lebensqualität boostern: Die auf uns wartende Freiheit leitet wunderbar zum nächsten Punkt über. Denn vielleicht stellt ihr euch auch die Frage, ob ihr überhaupt genug leidet, um solche Anstrengungen auf euch zu nehmen? Ob die Auseinandersetzung mit euch selbst und dem Skin Picking eventuell ein zu hoher Preis dafür ist, dass es ja "schon irgendwie geht"? Das kann einem auf diesem langen und beschwerlichen Weg schonmal so vorkommen, daher ist es verständlich, wenn ihr Fragen dieser Art kennt. Aber wenn wir ehrlich zu uns sind, wissen wir, dass es die Anstrengung wert ist. Denn sobald man das Gefühl hat, dass die Erkrankung die eigene Lebensqualität in irgendeiner Art einschränkt, dann ist es bereits lohnenswert! Diese Lebensqualität ist nicht in den Brunnen gefallen; wir können sie uns zurückholen! Wir alle sind es wert, dass wir uns freier fühlen: Weniger bis keine Zeitverschwendung mehr, weniger oder gar kein Versteckspiel mehr, weniger Scham, weniger Schuldgefühle, mehr Lebensgenuss etc. All das können und dürfen wir erreichen bzw. uns zurückholen. Denn wir sind doch so viel mehr als nur Haut und Haare. Hinter unserer äußerlichen Hülle steckt eine ganz wunderbare Seele mit ganz vielen tollen Eigenschaften. Und das Leben besteht genauso aus mehr als aus Sorgen und Ängsten. Dabei zählen selbst die ganz kleinen Dinge, über die wir uns freuen und die wir wertschätzen können, wenn wir unseren Blick entsprechend lenken. Ihr seid nicht nur Betroffene von Skin Picking, ihr seid auch coole/r Schwester/Bruder, bester Partner der Welt, Kind von euren Eltern, Mutter/Vater eurer Kinder, beste/r Freundin/Freund usw.
  • Neue Formen von Emotionsbewältigung und Resilienz kennenlernen: Auch, wenn wir uns das zum aktuellen Zeitpunkt möglicherweise nur schwer vorstellen können, so wartet auf uns ein Leben, in welchem wir andere Wege finden, mit Stress umzugehen und Emotionen zu verarbeiten. Diese neuen Formen von Emotionsbewältigung, Stressmanagement, Resilienz & Co. dürfen wir erforschen, in unser Leben integrieren und erproben. Wir dürfen dadurch spüren, dass wir doch dazu in der Lage sind, uns gesünderen Wegen zu bedienen als nur dem Skin Picking. Kleine Schritte und Erfolge führen zum Ziel und das kann sich extrem ermächtigend und befreiend anfühlen, wenn wir diese Erfahrungen machen und immer wieder über uns hinauswachsen. Wenn wir immer wieder in die Konfrontation gehen, lernen wir viel über uns selbst und bringen das eigene Persönlichkeitswachstum voran. Dieser Lernprozess allein kann es wert sein, nicht aufzugeben. Wir können es schaffen! Und wenn wir das einmal, zweimal, dreimal schaffen, dann schaffen wir es auch wieder. Vielleicht ist das auch ein kleiner Motivator? Alle bisherigen Tiefen habt ihr überlebt, ihr schafft auch weitere Durststrecken.
  • Community: Ihr seid nicht allein! Das kann man nicht oft genug betonen. Ich weiß selbst zu gut, wie tief diese Überzeugung in uns verankert ist, wo wir doch jahre- oder gar jahrzehntelang alleine mit den Erfahrungen, Gefühlen, Gedanken und Herausforderungen waren. Niemand war da, der uns wahrhaftig verstanden hat und uns dadurch zeigen konnte, dass wir kein Alien sind. Deswegen ist die Kraft der Community für mich persönlich definitiv nicht zu unterschätzen! Wir können unsere Erfolge, unsere Wege der Auseinandersetzung, unsere Erkenntnisse und unsere Heilungsgeschichten teilen und uns dadurch gegenseitig Mut und Hoffnung schenken. Die Community ist stark, voller Liebe und Zusammenhalt.
  • Wir wollen die Erkrankung nicht: Das darf auch ganz klar gesagt werden an dieser Stelle! Ja, man kann sich überlegen, was uns die Erkrankung alles gelehrt hat, was sie für Funktionen erfüllt, welche positiven Seiten und Chancen sie bietet (in diesem Post mehr dazu), aber dennoch gibt es zahlreiche negative Aspekte an ihr und das allein kann Grund genug sein. Wir sind oft genervt, wütend, traurig, enttäuscht, verzweifelt, angewidert und noch so viel mehr. Wir hassen den Teufelskreis. Und der Wunsch, frei von diesen Gefühlen und Erfahrungen zu sein, der ist absolut valide und erfüllbar. Die Lektionen, die uns das Skin Picking gelehrt hat, die können wir ja auch in das Leben mitnehmen, in welchem Skin Picking nicht mehr (wirklich) existiert.
  • ...
Und was gibt es nun für Motivatoren, fragt ihr euch? Was kann euch motivieren, was dürft ihr in euren Rucksack packen? Tja, diese Liste anzufangen, wäre eine ganz eigene Aufgabe... Die kann wirklich unendlich lang sein und aus materiellen Dingen, aus Erinnerungen, aus Glaubenssätzen und noch vielem mehr bestehen! Eventuell findet ihr in der Postserie "Motivation gesucht?" Inspirationen dafür. Ich bin mir sicher, dass ihr euch in eurem Zuhause umschauen oder im Gedächtnis kramen und schon einige Dinge finden könnt. Und wenn ihr noch keinen Grund gefunden habt, für den es sich lohnt, dann macht euch bitte keinen Stress! Ihr könnt und werdet diese Gründe noch finden. Ihr habt noch so, so viel Zeit dafür! Das Leben gibt uns immer wieder neue Gründe, für die es sich lohnt, zu kämpfen. Sei es in Form von Menschen und Begegnungen, neuen Erkenntnissen, einschneidenden Erlebnissen, Träumen und Wünschen oder Ähnlichem.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat euch gefallen und darüber hinaus vielleicht sogar geholfen. Es ist bestimmt deutlich geworden, dass das ganze Thema mehr eine Reise als eine Station ist. Ich wünsche euch das Allerbeste auf eurer eigenen Reise!

11. Juli 2022

Buchveröffentlichung - "Frieden mit meiner Haut"

Hey ihr, wie steht's?
 
Ich bin mal wieder voller Vorfreude angesichts der Neuigkeiten, die ich euch heute mitbringe. Vor zwei Jahren ist - soweit ich weiß! - das letzte deutschsprachige Buch zum Skin Picking erschienen (hier hatte ich darüber berichtet). Es war ein Ratgeber von Linda M. Mehrmann und Alexander L. Gerlach unter Mitwirkung von Prof. Dr. Antje Hunger.

Das erste und letzte Buch von Ingrid Bäumer, der Leiterin der Selbsthilfegruppe Köln, ist schon einige Jahre her, aber war genauso ein großes Event (in diesem Post nachzulesen). Doch nun ist nach über einem Jahr Arbeit kürzlich ein zweites Buch von Ingrid Bäumer und diesmal auch Dr. Christina Gallinat erschienen!
 
© Mabuse Verlag
 
Es trägt den Titel "Frieden mit meiner Haut. Wege, Skin Picking zu überwinden" und lässt damit gut erahnen, dass es ein Buch über den Heilungsweg von Skin Picking ist. Wie ist es, (nahezu) frei vom Skin Picking zu sein bzw. Frieden mit der Erkrankung zu finden? Wie fühlt sich das an? Wie gelangt man an diesen Punkt? Wofür lohnt es sich, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und die eigene Recovery-Reise anzutreten? Auf diese und weitere spannende Fragen gibt es in diesem Werk viele Antworten, denn es haben einige (ehemalige) Betroffene ihre persönlichen Heilungswege geteilt, unter Anderem auch die wunderbare Angela Hartlin, eine der englischsprachigen Vorreiterinnen! Christina Gallinat hat diese Geschichten dann mit Kommentaren in einen psychologischen Rahmen eingeordnet, sodass sich auf vielfältigen Ebenen Erkenntnisse für die Leser generieren lassen. Außerdem gibt es Infos über Therapiemöglichkeiten, Hautpflege und gelungene Gespräche mit Hautärzten sowie Tipps zur Selbsthilfe.

Ich denke, dass dieses Buch daher ein guter Mutmacher und Hoffnungsgeber für Betroffene sein wird! Ich bekomme nicht selten mit, dass sich Betroffene fragen, ob es "einen Weg raus" gibt oder ob es überhaupt Betroffene gibt, die das Ganze überwunden haben. Ja, diese Menschen und Geschichten gibt es! Ja, die Auffassungen von Heilung sind individuell, aber es ist jedem möglich, sich aus den Fängen der Krankheit zu befreien!

Wenn ich euer Interesse geweckt habe, habt ihr zwei Möglichkeiten, das Buch online zu erwerben:



Zum Ende möchte ich mich bei Ingrid und Christina für ihren Einsatz bedanken, den sie auch weit über dieses Buch hinaus tätigen! Aber Buchveröffentlichungen sind natürlich ein besonders großer Anlass zum Feiern, finde ich. Dankeschön! <3

10. Juni 2022

Derma Self Love Club - 13

Über ein Jahr ist es her (siehe letzter Beitrag aus der Postserie) und endlich kann ich euch sagen: Ich habe unerwarteterweise wieder einen Beitrag von der lieben Janika im Gepäck! Eigentlich hatte ich euch ja mitgeteilt, dass Janika ihren eigenen Blog gestartet und die "Derma-Self-Love-Club"-Reihe auf diesem Blog deshalb ihr Ende gefunden hat. Manchmal läuft es im Leben aber anders als geplant, man reflektiert Geschehenes und eigene Entscheidungen etc. - so kam es, dass wir uns nun in der glücklichen Position schätzen dürfen, hier wieder von Janika zu lesen! Es wird euch nicht neu sein, wenn ich sage, dass ich ihre Beiträge extrem wertvoll und bereichernd finde. Das gilt nicht nur für den Blog und den Effekt auf euch, sondern auch für mich ganz persönlich. Deshalb bin ich so froh, dass die Dermatillomanie uns beide als zwei Betroffene zusammengeführt hat und der Startschuss für eine wunderbare Freundschaft gewesen ist!
 
Janika hat mal wieder ein unfassbar spannendes Thema in ausführlichster Weise für euch verarbeitet, weshalb ich euch nicht mehr lange aufhalten möchte. Ganz viel Spaß und zahlreiche Erkenntnisse oder Gedankenanregungen! :) Achso und entschuldigt im Vorhinein die Qualität der als Bilder eingefügten Tabellen, das ging leider formattechnisch nicht anders. :/ Einmal draufklicken und größer anzeigen lassen, dann lässt es sich besser lesen.
 
"Hallo meine Lieben!
Ich hoffe, es geht euch allen soweit gut!

Nach einer langen Schreibpause melde ich mich heute mal wieder mit einem neuen Beitrag zurück. In der letzten Zeit habe ich mich mal wieder des Öfteren in einen kritischen Selbstreflexionsprozess begeben, um noch mehr über mich und meine Erkrankungen herausfinden zu können und daraufhin bin ich dann über die Idee gestolpert, zwei zentrale Kräfte unseres Menschseins und ihre Wirkmechanismen im Kontext der Skin-Picking-Störung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür habe ich den Versuch gewagt, diese strukturiert gegenüberzustellen, um im Anschluss eine kleine, aber nicht unwichtige Erkenntnis zu generieren. Diese kann - so hoffe ich es - einen (!) plausiblen Erklärungsansatz darstellen, worin die hohe Komplexität des Skin Pickings genau begründet liegt.
Das hört sich jetzt wahrscheinlich noch wahnsinnig theoretisch an, entschuldigt mich. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchte ich euch nun gerne zeigen, was ich genau meine, indem ich mit der Beschreibung der heutigen zwei Akteure beginne.

Emotio und Ratio sind die Wörter der Stunde. Ich möchte mich gar nicht allzu lange damit befassen, sie im kleinsten Detail genau auseinanderzunehmen; eine kurze Beschreibung sollte reichen.
Unter Ratio versteht man das verstandesmäßige Handeln. Menschen, die in Situationen unter rationalen Gesichtspunkten auftreten und handeln, können Situationen ganzheitlich analysieren und lassen sich in ihrer Entscheidungsfindung nicht von kurzweiligen emotionalen Gefühlslagen steuern. Insbesondere seit der Epoche der Aufklärung wird dem Verstand eine herausragende Rolle zugesprochen und dem Menschen Mut gemacht, ihren Entscheidungen sowie Handlungen eine rationale Basis zu geben.
Dass der Mensch aber nicht immer ausschließlich sachlich und besonnen handelt, zeigt schon ein naheliegendes Beispiel aus dem Alltag. Machen wir hierfür ein kleines Gedankenexperiment: Stell dir vor, du möchtest dir eine Armbanduhr kaufen. Aus rein logischer Perspektive sollte die Armbanduhr primär die Funktion erfüllen, die Uhrzeit korrekt anzeigen zu können. Das sollte fürs Erste reichen. So eine Armbanduhr bekommt man schon schnell für ein paar Euro.
In der Wirklichkeit aber stellen sich nun auch unsere Emotionen ein. Wir scrollen stundenlang durch verschiedene Websites, gehen in Verkaufsläden, vergleichen Modelle, stellen neue Ansprüche und wollen konkret eins: Dass das Produkt, für das wir uns am Ende entscheiden, nicht nur seinen Zweck erfüllt, sondern auch das richtige Gefühl in uns auslöst. Rationale Gesichtspunkte werden auf einmal weniger interessant, denn das Gefühl spricht auf einmal eine viel wichtigere Sprache.
Emotio meint somit den gefühlsbetonten Anteil in uns. Wenn wir der Emotio entsprechend handeln, lassen wir uns von unserem Bauchgefühl oder auch der Intuition leiten. Wir entscheiden uns für Dinge, die wir manchmal selbst gar nicht logisch begründen können, die uns aber richtig erscheinen. Wir lesen zwischen den Zeilen, nehmen kleine Veränderungen in uns und anderen wahr und streben das gute und richtige Gefühl an.

Dabei möchte ich an dieser Stelle aber noch einmal betonen, dass Emotio und Ratio keinesfalls als Kontrahenten zu verstehen sind. Wir vereinen beide Teile in uns und handeln mal auf die eine, mal auf die andere Weise. Jemand, der rational handelt, ist nicht grundsätzlich emotionslos und jemand, der seinem Bauch folgt, ist auch kein irrationales Gemüt. Das macht unser Menschsein so besonders: Wir sind in unserem Wesen weder vollständig schwarz noch weiß, sondern einer von vielen denkbaren Grautönen.

Nun möchte ich die am Anfang angekündigte Brücke schlagen und Emotio und Ratio mit dem Skin Picking in Verbindung bringen. Skin Picking fällt ganz eindeutig in ein von Emotio gesteuertes Schema. Selbstverständlich hat die genauere Ätiologie des Skin Pickings auch durchaus rationale Wurzeln. Gründe, warum sich die Krankheit in unser Leben geschlichen hat, Ursachen, wieso sie sich so starr und hartnäckig aufrechterhalten kann (und und und) sind gewiss nicht nur Fragen der Emotion und unserer Möglichkeit, sie zu kontrollieren. Das Störungsbild folgt seinen ganz eigenen Logiken und es ist essentiell sowie unverzichtbar, dies anzuerkennen, denn sonst würden wir schnell in die Falle geraten, das Skin Picking als reine Verhaltensschwäche und Willenssache abzustempeln.

Mir geht es vielmehr darum, im Folgenden einmal aufzuzeigen, dass das Skin Picking den Kanal der Emotio benutzt, um seine Kraft aufrechtzuerhalten und demgegenüber auch deutlich zu stellen, dass wir Skin Picker uns dessen auch bewusst sein können, dass das Skin Picking auf keinem Pfad der Logik daherschreitet.
Ich habe im Rahmen meiner Skin-Picking-Laufbahn schon mit einigen Betroffenen Gespräche über das Skin Picking führen dürfen und wenn ich eine Sache sicher sagen kann, dann, dass alle Betroffenen ausnahmslos sehr selbstreflektierte, aufrichtige, gebildete, aber eben auch vor allen Dingen gefühlsbetonte Menschen sind. Ohne mich jetzt in die Rolle einer Expertin begeben zu wollen, konnte ich aus der Perspektive einer Selbstbetroffenen die Erkenntnis generieren, dass wir eine sehr starke Emotio zu haben scheinen und ich glaube, dass genau dieser Umstand es dann dem Skin Picking auch so unverschämt leicht macht, sich aufrechtzuerhalten und weiterhin zu fruchten! Es weiß, dass wir über unsere Emotionen sehr leicht zu erreichen sind. Es weiß, dass wir Dinge wie Bindung, Treue und Stabilität brauchen und hoch schätzen. Es weiß aber auch, dass wir viele Selbstzweifel in uns tragen und uns beizeiten gerne an etwas klammern, was uns Sicherheit gibt.

Im gleichen Atemzug kommen wir aber spätestens auch nach einiger Zeit der Auseinandersetzung mit unserem Krankheitsbild zu der Erkenntnis, dass die skin-picking-bezogenen Gedanken nicht echt sind, egal, wie logisch und aufrichtig sie uns erscheinen mögen.
Der erste Schritt ist vielleicht mit der schwierigste: Wir müssen uns von der Vorstellung lösen können, dass alles, was unser Gehirn uns alltäglich an Gedanken produziert, echt ist. Natürlich ist es eine wertvolle Fähigkeit, dass wir grundlegend unseren Gedanken Vertrauen schenken können. Sie sichern nicht nur unser Überleben, sondern helfen uns auch bei wichtigen Einschätzungen und
Entscheidungen. Somit liegt uns im ersten Schritt die Vorstellung fern, dass nicht nur alles produktiv, geschweige denn wahr ist, was wir alltäglich denken. Ganz im Gegenteil, denn die Erkrankung mischt sich unter genau diese wertvollen Gedanken, sodass es irgendwann immer schwieriger wird, eine klare Trennlinie zwischen den Gedanken zu ziehen. So schmerzhaft es auch ist: Ich versuche mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich meiner Wahrnehmung nicht immer trauen und folgen darf.
Mein Denken unterliegt einer Menge gefährlicher Verzerrungen, die mir nicht nur auf kurze Sicht schaden, sondern auch langfristig einen Container an Einschränkungen und Gefährdungen mit sich bringen. Deswegen sollte es um die Auseinandersetzung mit diesen schwierigen Gedanken gehen und man sollte beginnen, diese zu identifizieren und immer wieder auf ihren Realitätsgehalt zu prüfen.

Ich bin gerne ein Mensch, der den Gefühlen Vorrang vor der Logik gibt, aber dies geht nicht auf Kosten meiner eigenen (psychischen) Gesundheit!
Um meinen Beitrag hiermit abzurunden, möchte ich ein paar wesentliche Gedankengänge nennen, die mein Skin Picking mir regelmäßig vorspielt und möchte dem dann die logische Vernunft gegenüberstellen, um noch einmal abschließend darauf hinzuweisen, dass das Skin Picking nichts mit der Realität zu tun hat! Wir sind gut so wie wir sind und die Gefühlszustände, die die Krankheit in uns auslöst, sind war gewiss auf der Gefühlsebene echt, aber keineswegs langfristig gehaltvoll! Ich persönlich kenne das Gefühl, wenn ich dem Skin Picking nicht gegensteuern kann, obwohl ich doch weiß, dass es keine rationale Grundlage für die spezifische Anspannung gibt. Aber dies zeigt nur einmal mehr, was für eine hohe Kraft die Dermatillomanie doch besitzt!
Vielleicht erweckt diese ungeschönte Tabelle auch in dir einmal das Interesse, das gleiche Schema auf dein Skin Picking anzuwenden, denn ich finde, eine der wertvollsten Möglichkeiten, etwas über uns zu lernen, ist die produktive Auseinandersetzung mit unseren Gedanken – und dafür darf man, auch, wenn es unglaublich schwierig ist und in dem Moment unserer Natur zu widerstreben scheint, einmal die emotionale Ebene verlassen und mehr auf die Vernunft hören, sie wünscht uns nur das Beste!



Bei der Fertigstellung dieses Beitrags kam mir dann noch der Gedanke, dass ich keinesfalls den Eindruck eines einseitig negativen Bildes des Skin Pickings erwecken möchte. Ich könnte wahrscheinlich Ewigkeiten darüber erzählen, welche unglaublich wertvollen Qualitäten das Skin Picking besitzt. Angefangen bei den regulatorischen Möglichkeiten, hinüber zu den identitätsstiftenden Eigenschaften bis hin zu dem Umstand, dass es einen Grund hat, warum es in unser Leben getreten ist und somit auch stückweise ein wichtiger haltgebender Begleiter auf der Reise unseres Lebens ist. Trotzdem muss es selbstverständlich in unserem Interesse sein, an diesem Anteil in uns zu arbeiten und Wege zu finden, die Qualitäten des Skin Pickings durch produktivere Verhaltensweisen zu ersetzen!

Danke für eure Zeit und euer Interesse! Vielleicht konnte ich euch ein paar neue Einsichten mit auf den Weg geben und neue Wege der Auseinandersetzung in euch anstoßen!
Fühlt euch umarmt, eure Janika <3
"

15. Mai 2022

Zebrastreifen mal anders

Ich wollte mal wieder etwas kreativ sein und eine Idee aus meinem Kopf ausprobieren, es lief aber ganz anders als geplant und so kam ein völlig unerwartetes Ergebnis heraus... Die Message bleibt allerdings gleich: Lasst uns öfter mal von dem lösen, was klassischerweise als "Norm" und "schön" verstanden wird. Klar, das tun wir mit unserer Haut in gewisser Weise sowieso (wobei auch unsere Haut normal ist!), aber ich meine das bezogen auf die Auseinandersetzung damit. Es muss nicht "künstlerisch wertvoll" sein, was ihr da anstellt, aber Hauptsache, ihr beschäftigt euch mit eurer Haut als Leinwand statt als Stressabbau-Spielplatz. Lasst eurer Kreativität freien Lauf, testet mal scheinbar verrückte Ideen aus etc. Dadurch ermöglichen wir uns, unsere alltägliche Perspektive zu verlassen und mal mit anderen Augen auf die Erkrankung und unsere Haut zu blicken. Gefangen in unseren immer gleichen, kritischen und verurteilenden Verhaltens- und Denkmustern kommen wir ja nicht weiter. Das finde ich wahnsinnig wertvoll und deswegen mache ich Dinge dieser Art ab und zu (leider zu selten) - und hoffe nebenbei, euch dazu motivieren zu können. Denn unsere Haut kann mehr als bloß Auslöser für Trigger, Trauer, Schmerz und Wut sein! Wir können unsere Haut mehr als nur drücken, quetschen, kratzen und pulen! Wir können sie sogar mögen lernen. Schritt für Schritt.
 



6. Mai 2022

Mein Masken-Schutzschild

Moin!
 
Ich sitze gerade in der Uni-Bibliothek - mein Versuch, mich irgendwie zur Produktivität zu bekommen. Meine Haut ist aktuell schwierig, gerade die letzten Tage waren wieder die Hölle: Ein Höchstmaß an Entzündungen, Rötungen und Triggerpotential begleitet mich seither. Gerade die ganzen Krusten triggern mich extrem, die kratze ich normalerweise auch immer nach jedem Duschen ab, um eine sich möglichst ebenmäßig anfühlende Hautoberfläche zu erreichen. Klar verlangsamt es den Heilungsprozess, das ist mir schon bewusst, aber ich kann sie einfach nicht da lassen... Es gehört zu meiner Routine. Ihr kennt das bestimmt.

Zurück zur Bib: Bis vor einiger Zeit (bevor halt fast überall die ganzen Coronaregeln gefallen sind) war hier Maskenpflicht, auch an den Sitzplätzen. Jetzt gibt es keinerlei Maskenpflicht mehr und ich bin seitdem mal so, mal so unterwegs (beim Gehen in Innenräumen trage ich sie immer, aber am Sitzplatz setze ich sie auch mal ab). Heute hatte ich keine Zeit, mir nach dem Duschen die Krusten abzukratzen und so könnt ihr euch sicher denken, dass das ständig präsent in meinem Kopf ist, seit ich von Zuhause los bin. Und anfangs konnte ich mich auch noch einigermaßen zusammenreißen, weil ich die Sorte Skinpicker bin, die das eher ungern vor anderen Menschen bzw. in der Öffentlichkeit macht, aber das hat vor einigen Minuten begonnen, mir weniger auszumachen. Da ich meine Maske heute nicht auf behalten wollte und ungeschminkt bin, sind meine Hände eben immer häufiger und länger über mein Gesicht gefahren und haben nach Krusten gesucht, die ich hier und da auch aufgekratzt habe. "Lass es sein, deine Haut wird rot werden und anschwellen" oder "Sicher sieht dich gerade jemand und denkt, dass du eklig und komisch bist" sind Gedanken, die mich währenddessen geplagt haben. Aber meine Hände waren stärker als diese Gedanken.

Und da ist mir dann auch bewusst geworden, was für ein effektives Schutzschild diese Maske doch sein kann. Ich habe zwar auch einige Stellen auf der Stirn, aber die meisten Krusten sitzen unter der Maske, wenn ich sie trage. Darum habe ich mir in einem Moment der Aufmerksamkeit die Maske geschnappt und sie aufgesetzt. Schluss damit! Die Krusten bleiben da jetzt und du wirst davon nicht sterben, Jacqueline. Im Gegenteil bekommt deine Haut einige Stunden mehr die Chance, zu heilen.

30. März 2022

Licht und Schatten - Geschehnisse der letzten Zeit

Heyho!
 
Auf Instagram habe ich über die letzten Wochen erst gar nichts, danach "nur" ein paar Bilder ohne großartige Bildbeschreibungen meinerseits und dann zuletzt einen ersten, wieder etwas persönlicheren Beitrag veröffentlicht. Ich möchte mich wieder an das Schreiben über meine Themen herantasten, schauen, wie sich das anfühlt und ggf. auch euer Feedback dazu hören und respektieren. Und weil ich hier über die vergangene Zeit still(er) war, möchte ich euch nachträglich ein wenig daran teilhaben lassen, was so Erwähnenswertes passiert ist. "Licht und Schatten" ist irgendwie das Motto all dieser Aufnahmen und Ereignisse - manchmal wortwörtlich, manchmal metaphorisch.

Die Bilder, die ich auf Instagram ohne große Wortbeiträge hochgeladen habe, waren eine weitere Spielerei mit Licht und Schatten - ähnlich wie das Bild aus diesem Beitrag. Ich finde Gefallen daran, mit diesen Elementen zu experimentieren und meine Haut dadurch in Szene zu setzen. Außerdem finde ich, dass die Fotos ausdrucksstark sind und einen großen Interpretations-/Assoziationsraum bieten. Deswegen passte es für mich auch ganz gut, dass ich sie "einfach so" posten konnte - dadurch habe ich mehr Raum für das gelassen, was jeder Betrachter selbst dabei empfindet und denkt. Was fühlt und denkt ihr bei den folgenden Bildern? Wenn ihr mögt, lasst mich in den Kommentaren oder per Mail dran teilhaben, ich würde mich freuen!




 
Zwischenzeitlich hat man mein Gesicht und meine Dermatillomanie auf einem anderen Instagramprofil als meinem gesehen, weil ich an einem kleinen Projektbeitrag eines anderen Accounts teilgenommen habe. Und bevor ich die Message des Beitrages in meinen Worten mit euch teile, zeige ich zuerst direkt das Foto:

Foto aus dem Instagrambeitrag von Leonie (https://www.instagram.com/p/CbUzc2QK_cV/)

Schaut gerne mal bei dem verlinkten Post von Leonie vorbei! Es geht im Prinzip darum, dass wir alle mehr sind als die Diagnosen unserer psychischen Erkrankungen. Denn manchmal können sie uns unfassbar präsent vorkommen, weil wir ihnen im Alltag nur schwer entfliehen können. Trotzdem sind wir nicht unsere Diagnose(n), wir sind viel viel mehr als das! Wir sind unabhängig davon ganze Menschen mit verschiedenen Eigenschaften, Stärken, (vermeintlichen) Schwächen, Werten, Einstellungen, Zielen, Vorlieben und Talenten. Nicht alle Menschen mit der selben Diagnose sind gleich, sie sind trotzdem individuell und erleben auch eine individuelle Krankheitsgeschichte. Und die Antwort auf die Frage "Wer bin ich? Was macht mich aus?" ist niemals eine psychische Erkrankung! Deshalb seht ihr dort oben mich mit meiner Diagnose Dermatillomanie und drei der Eigenschaften, die mich als Menschen ausmachen. In dem Beitrag findet ihr noch weitere Menschen und weitere Diagnosen, es beschränkte sich nämlich nicht bloß auf BFRB's.

Ich habe mich riesig gefreut, dass ich Teil dieses kleinen Projekts mit dieser so wichtigen Message sein durfte! Dafür möchte ich auch hier auf meinem Blog noch einmal öffentlich Dankeschön sagen! :)

Zu guter Letzt kommen wir zu Aufnahmen, die eher metaphorisch etwas Unschönes und Dunkles zeigen, nämlich einen schlechten Tag, was mein Skin Picking angeht.



Die Aufnahmen sind vom Freitag, den 25. März. Es war irgendwie einer dieser besonders beschissenen Tage. Und ja - ich lebe seit so langer Zeit schon einfach irgendwie mit dem Skin Picking vor mich hin. Ich unternehme wenig dagegen und bin nicht aktiv, sondern nehme es, wie es kommt und das ist halt okay. Dadurch befinde ich mich mit leichten Ausreißern in einem recht konstanten mittelmäßigen Hautzustand. Aber Freitag.... Puh, da hatte ich mal wieder den schlimmsten und längsten Drückanfall seit Langem. Es war gar nicht mal stundenlang (das kenne ich natürlich auch), aber im Vergleich zu dem, was ich zuletzt gewohnt war, fühlte es sich lange und intensiv an. Meine Hände hatten es aber auch besonders eilig, wollten überall drücken und kratzen und möglichst jede Stelle mitnehmen. Und ich war nur noch darauf bedacht, dass ich den seelischen und körperlichen Schmerz in jeder einzelnen Pore spüren will. Ich war sehr hart zu mir... Habe ein paar verstaubte Denk- und Verhaltensmuster wiederentdeckt... Tja und dann kam der Moment, in dem ich einen Schritt vom Spiegel weg gemacht habe und das Werk in seiner Gänze betrachten konnte (wozu man währenddessen ja nicht wirklich fähig ist, weil man den Blick dafür verliert). Ab da wollte ich nichts lieber als mir die Haut vom Körper zu reißen und mir selbst zu entfliehen. Ich bin es so leid und hasse es manchmal so sehr, dass ich diesen Vergnügungspark für meine von Dermatillomanie erkrankte Seite ständig mit mir herumtrage. In jeder Sekunde meines Lebens muss ich Kraft aufwenden, um nicht zum Sklaven dieser Krankheit zu werden. Dafür habe ich momentan und seit Langem keine Kraft, verdammt nochmal. Und ja, manchmal hasse ich es wirklich, psychisch krank zu sein.
 

 
Das war ein Auszug meiner Gedanken und Gefühle des besagten Tages. Ich habe mich mal wieder in einen ziemlich schlechten Hautzustand mit unendlich viel Entzündungspotential katapultiert (wie an den Fotos danach zu erkennen ist) - damit muss ich jetzt leben. Mal schauen, wie das weiter verläuft. Bisher sieht es nach einer ordentlichen Talfahrt aus... Was mich aber sehr positiv überrascht und gewissermaßen auch aufgefangen hat: Die ganzen lieben, mitfühlenden Kommentare bei Instagram. Ihr habt mir beigestanden und mir gezeigt, dass auch ich nicht alleine bin. Das tat so gut! Dafür bin ich wirklich von Herzen dankbar! Und siehe da, hier schließt sich der Kreis: Denn das ist für mich der Lichtblick an diesem eigentlich dunklen Ereignis gewesen.