24. November 2024

10 Jahre - Mein Überblick

Einen wunderschönen guten Sonntagmorgen euch! :)

Der November ist für meinen Blog und mich immer ein wichtiger Monat. Am 02.11.2014, also vor mehr als 10 Jahren, habe ich hier nämlich meinen ersten Beitrag geschrieben und veröffentlicht. Damals war ich 17 Jahre alt, noch nicht mal volljährig und an einem GANZ anderen Punkt im Leben. Ich finde, 10 Jahre sind eine wahnsinnig lange Zeit und doch habe ich das Gefühl, dass sie gewissermaßen verflogen sind...

Jedes Jahr habe ich einen Post verfasst, um auf das zurückliegende Blogjahr (immer gerechnet von November bis November) zu schauen. Um Highlights übersichtlich und gesammelt festzuhalten. Um schöne Momente gedanklich nochmal in den Händen zu halten. Um Entwicklungen jeglicher Art zu erkennen. Um schmerzhafte Erinnerungen anzuerkennen. Um Fortschritte zu würdigen. Um die Achterbahn des Lebens (mit Skin Picking) nachzuzeichnen.

Die letzten Jahre, als sich das Bestehen meines Blogs zum siebten, achten oder neunten Mal jährte, habe ich immer gedacht, dass ich besondere Geschütze auffahren werde, wenn die 10 voll ist. Und nun sitze ich hier und stelle fest "Man, die letzten zwölf Monate waren einfach anders!". Ich habe im Jahr 2024 bis jetzt nur 16 Blogbeiträge verfasst, weil ich mein Leben eher an anderer Stelle gelebt habe, vermute ich? Klar, Skin Picking ist nach wie vor ein alltäglicher Begleiter, aber ich war/bin größtenteils damit beschäftigt, von einem großen Kapitel meines Lebens ins nächste einzusteigen. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, zu sagen, dass dieser Wechsel vom Lebensabschnitt namens "Studium" zum Lebensabschnitt namens "Einstieg ins Berufsleben" der bisher einschneidendste war (und das meine ich erstmal nicht zwingend negativ). Als ich Ende 2023 diesen Post mit euch teilte, habe ich auch bereits damit gerechnet, dass mir viele Veränderungen bevorstehen werden. 2024 ist bis jetzt nicht frei von Schmerz gewesen, aber die Änderungen, egal wie gut sie an sich sein mögen, haben einfach massive Einflüsse auf meinen Alltag. In der Anfangszeit in meinem ersten Job wollte ich noch weiterhin alles gleichzeitig packen: Vollzeitjob (inklusive der ein oder anderen Überstunde), bürokratische Erledigungen, Nebenjob, Ehrenamt, Beziehung und Haushalt führen, Freundschaften pflegen, etc. Ein Ding der Unmöglichkeit. Der Nebenjob wurde gekündigt und viele Bereiche wurden/werden von Zeit zu Zeit vernachlässigt, das gebe ich offen zu. Am meisten vernachlässe ich mich selbst. Ich mag meinen Job, aber ich habe noch nicht gelernt, ihn mit anderen Teilen meines Lebens angemessen zu vereinbaren. Bis jetzt lebe ich fast einzig und allein für meinen Job. Das muss sich ändern, ich weiß. Die 2025-Jacqueline wird sich drum kümmern, versprochen! Aber das erklärt vielleicht auch ein wenig, wieso es die letzten Monate so still war und wieso es sich komisch für mich anfühlt, einen Rückblick wie die letzten Jahre zu verfassen. Der Perfektionist in mir will zwar um jeden Preis die gleiche Struktur beibehalten, aber mein Gefühl sträubt sich dagegen. Dieses Jahr nicht. Punkt.

Das bedeutet nicht, dass es über das letzte Jahr keine Highlights gegeben hat. Die gab es! Geht ins Archiv schauen, die 19 Beiträge seit November 2023 sollten beinahe übersichtlich genug sein. Für mich persönlich, in meinem Herzen, sind die kleinen und großen Momente der letzten 12 Monate ausreichend gewürdigt. Ich verspüre gerade nicht das Bedürfnis, sie nochmal öffentlich aufzurollen. Stattdessen verspüre ich das Bedürfnis, euch transparent zu machen, dass ich momentan nicht weiß, wohin die Reise mit diesem Blog gehen wird. Ich muss mich zuerst selbst neu sortieren, denn es ist nichts mehr wie vorher. Mein Leben ist nicht mehr vergleichbar mit dem, was die 18-, 20- oder 24-jährige Jacqueline gelebt hat. Es ist nicht mal mehr das, was ich Anfang 2024 noch gelebt habe. Es wurden endlich die erforderlichen Grundsteine gelegt, damit ich mich selbst wieder finden und neu definieren darf. Damit werde ich 2025 hoffentlich anfangen können! Die Dermatillomanie wird weiter Teil meines Lebens bleiben, daran habe ich keine Zweifel. Und sicherlich werde ich weiter von meinem Leben mit der Erkrankung berichten, denn zu erzählen gibt es genug. Ebenso ist es mir nach wie vor ein Herzensanliegen, mich für BFRBs wie Skin Picking und auch allgemein für psychische Krankheiten einzusetzen! Aber es wird anders als früher. Wie genau, das muss ich erst herausfinden.

Ich hoffe, ihr habt trotzdem noch Lust, dabei zu bleiben und mit mir gemeinsam herauszufinden, wie eine neue Ära meines Blogs aussehen kann. Nennen wir es einfach so, oder? Ich bin absolut kein Taylor-Swift-Fan, aber der Begriff passt einfach. Es bricht ein neues Zeitalter für meine Öffentlichkeitsarbeit an. Nach 10 Jahren vielleicht genau richtig!?

Danke für euren Support innerhalb des letzten Jahrzehnts! Danke für alle Kommentare, alle Mails, alle lieben Kontakte bei Workshops und den Konferenzen, jegliche Interaktionen auf Instagram und einfach dafür, dass ich hier sein durfte. So wie ich bin. Das weiß ich zu schätzen. Die Jacqueline der letzten Jahre hat es gebraucht.
 
Passt gut auf euch auf. Bis bald wieder. :)

22. November 2024

Der Selbsthilfetag in München

......Hi? ...Noch jemand da? :D

Wieder ist über ein Monat ohne einen neuen Beitrag vergangen. Ich denke, ich muss mir einfach eingestehen, dass ein regelmäßiges Posten wie zu Studiums-/FSJ-/Abizeiten mit Vollzeitjob nicht mehr möglich ist. Zumindest vorerst nicht, denn aktuell fordert mein Job sehr viel von meiner Kraft und Zeit ein. Das könnte in Zukunft besser werden, aber das lässt sich noch schwer sagen. Derzeit habe ich allerdings zwei Wochen Urlaub (das erste Mal nach meiner Probezeit) und daher mehr Ressourcen hierfür.

In meinem Rückblicks-Beitrag von Anfang Oktober hatte ich euch angekündigt, noch mehr über den Selbsthilfetag in München von Anfang Juli zu erzählen. Es ist jetzt zwar schon bald 5 Monate her und aus dem Grund vielleicht nicht mehr so suuuuper interessant, aber ich möchte es trotzdem nachholen. Der Tag war einfach zu besonders, um unerwähnt in der Versenkung zu verschwinden.

Zu Beginn nochmal kurz die Facts: Das ganze Event mit Termin am 06.07.2024 wurde vom Selbsthilfezentrum (SHZ) München organisiert und veranstaltet. Veranstaltungsort war der Marienplatz direkt vor dem Rathaus und Veranstaltungszeit war von 10:30-16:30 Uhr. Rund 60 Selbsthilfegruppen und Initiativen hatten ihre Stände aufgebaut - für alle Interessierten, d.h. sowohl für andere SHGs als auch für Passanten. Zusätzlich gab es ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Begrüßung/Eröffnung durch das SHZ München sowie musikalischer Begleitung. Ein Event zum Informieren, Austauschen und Netzwerken also. Hier seht ihr nochmal die Ankündigungsflyer.

Die SHG München ist, das möchte ich mal unabhängig erwähnen, eine super liebe und aufgeschlossene Gruppe, mit der ich gut in Kontakt stehe. Bei jedem meiner Besuche wurde ich total herzlich empfangen und fühlte mich wunderbar aufgehoben. Einfach so gute Seelen da! So eine SHG würde ich mir hier vor Ort wünschen. :) Wenn sie nicht so weit weg wären, würde ich auch häufiger vorbeischauen, das steht fest. Jedenfalls wurde ich bereits Monate vor dem Selbsthilfetag von der Münchner SHG, teils scherzhaft und teils ernst, gefragt, ob ich nicht dabei sein möchte. Das wäre doch cool. Und ja, das dachte ich auch und fand die Idee daher von Anfang an gut. Ich richtete alles so ein, dass ich trotz meines neuen Jobs am besagten Wochenende nach München reisen und diesem schönen Event beiwohnen konnte. An- und Abreise waren etwas stressig, das muss ich zugeben, aber es hat sich sehr gelohnt!

Jetzt erstmal ein paar Eindrücke des Tages:
















Ihr seht schon: Strahlend blauer Himmel, viel Sonne und angenehme Temperaturen haben den Tag begleitet. Ja, doof nur, dass Jacqueline aus dem Norden Deutschlands nicht für diesen Wetter- und Temperatur-Kontrast vorbereitet war. :D Ich kam irgendwie aus unter 20 Grad mit Grau in Grau und habe beim Anblick des Wetterberichts für München nur gedacht "als ob das so warm wird". DOCH es wurde so warm!! Ich hatte nur meine Jeans und ein T-Shirt und schwitzte mir da in München bei an die 30 Grad mit purem Sonnenschein einen ab, das war echt nicht mehr normal. :D Aber es sollte nicht bei einem Extrem bleiben. Gegen Ende der Veranstaltung zog ein heftiges Gewitter auf und ihr dürft dreimal raten, wer mittendrin war? Genau, wir! Verzweifelt am versuchen, den Pavillon vor dem wegfliegen zu retten und alles in Sicherheit zu bringen, wurden wir mitten auf dem Marienplatz vom Platzregen geduscht. Ein paar Standnachbarn halfen uns noch, aber am Ende waren wir wirklich komplett durchnässt. Wenn ich jetzt so zurückdenke, ist es irgendwo auch ganz witzig. War schließlich ein einmaliges Erlebnis. :D Aber als wir frierend in das Lokal gingen, wo wir im Anschluss gemeinsam in gemütlicher Runde essen wollten, war es weniger witzig... Naja. Gutes Essen konnte die Laune dann glücklicherweise schnell wieder heben.

Abgesehen davon war es ein mehr als gelungener Tag! Wir haben mal den Versuch unternommen, zu schätzen, wie viele Interessierte an unserem Stand waren und sind auf ca. 30 Personen gekommen, wenn ich mich nicht irre. Wenn wir noch jene mitrechnen, die nur schüchtern aus der Ferne geguckt haben, sind es bestimmt mehr gewesen. Es war wirklich alles dabei: (Potenziell) Betroffene, Angehörige und Freunde, anderweitig Interessierte, Personen aus anderen SHGs... Super bunt! Und was für schöne Gespräche wir geführt haben... Ich erinnere mich z.B. noch sehr gut an eine ältere Dame, die uns all diese typischen Sprüche nannte, die wir alle kennen und die sie jahrzehntelang anhören musste. Als sie da so stand und realisierte, dass es für dieses Verhalten einen Namen gibt und sie nicht einfach nur komisch ist, spürte man förmlich die Erleichterung in ihr. Denn da gab es noch andere Menschen, die sehr ähnliche oder sogar genau die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Das war echt mein Highlight! Die Erinnerung daran, dass jede einzelne Person zählt, die neu von dem Krankheitsbild erfährt und mit diesem Wissen weiter durch die Welt läuft. Denn für diese eine Person kann das alles verändern, selbst im gesetzten Alter. Genau für solche Momente sind Events wie der Selbsthilfetag da!

Für mich persönlich war es obendrein einfach nur wunderschön, einige bekannte Gesichter aus der SHG mal wieder zu sehen und sich zu updaten. Ich liebe das, denn die BFRB-Community ist echt eine Art Familie bzw. Zuhause für mich. Es bedeutet mir unheimlich viel, wenn da sogar jemand ganz aus Österreich herkommt, um einerseits den Selbsthilfetag mitzumachen und andererseits mich zu besuchen. Like...what? :D Verrückt! Was für eine tiefe Verbindung wir in der Community haben, "einfach nur", weil wir alle ein ähnliches Verhalten ausüb(t)en. Tja, wir verstehen einander eben wirklich und wissen genau das enorm zu schätzen.

Deshalb dickes DANKE an alle Beteiligten für diesen tollen Tag! <3

14. Oktober 2024

Der buten un binnen Beitrag

Hallo, ihr Lieben!
 
Ich hatte euch zuletzt berichtet, dass es drei neue TV-Beiträge über Skin Picking zu sehen gibt. Ich hoffe, ihr habt mal reingeschaut!? Kann ich euch nur ganz dick empfehlen!

In diesem Blogpost möchte ich ein wenig mehr über den Beitrag von buten un binnen sprechen, in dem ich mit meiner Dermatillomanie zu sehen war. Wie kam das Ganze zustande? Wie war der Drehtag? Wie finde ich den fertigen Beitrag? All solche Fragen möchte ich dabei unter die Lupe nehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund meiner bisherigen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Beiträgen, denn dies ist ja nicht der erste Fernsehbeitrag, in dem ich zu sehen war.

Hier könnte ihr dazu nochmal nachlesen, falls Interesse besteht:

Nun zurück zum aktuellen TV-Beitrag. Die ursprüngliche Erstanfrage von buten un binnen kam Mitte September. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich noch die Rede von Radio und Online-Artikel - alles im Rahmen der diesjährigen bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit unter dem Motto "Hand in Hand für seelische Gesundheit am Arbeitsplatz", die vom 10.10.2024 bis 20.10.2024 geht. In einem darauffolgenden Telefonat wurde ein TV-Auftritt nicht ausgeschlossen. Doch ob das alles was werden würde, war noch nicht in trockenen Tüchern. Nicht lange danach erhielt ich dann die Rückmeldung, dass es gut aussieht und man auf mich zukommen würde. ..... Es passierte und passierte nichts. Gerade, als ich dachte, dass es wohl einfach nichts mehr wird, kam letzte Woche Mittwoch der Anruf.

Aus dem Beitrag vom buten un binnen regionalmagazin 10.10.2024

Das Telefonat verlief gut, ein TV-Beitrag sollte es also werden. Aber es war bereits der 09. Oktober...nicht mehr viel Zeit für Mitte Oktober, was ich bis dahin in meinem Kopf als Zeitraum abgespeichert hatte. Und dann diese Formulierung von der Redakteurin: "Aber einen kleinen Haken hätte die Sache... Hättest du denn heute oder morgen spontan Zeit?". Ich, die Unspontanität in Person, war erstmal völlig sprachlos. :D Wie? Heute? Morgen? Jetzt? So schnell? Lange Rede, kurzer Sinn: Nach nicht mal einer Stunde habe ich mich gesammelt, auf der Arbeit kurz was abgesprochen und dann zurückgerufen, um ihr mitzuteilen, dass wir direkt am nächsten Tag drehen können. Ungewohnt spontan für mich, aber hey, man darf sich auch mal aus der Komfortzone trauen! Erst recht für so einen Zweck, denn diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen! Auch nicht davon, dass meine Haut die Tage zuvor völlig explodiert ist und ich damit ziemlich gestruggled habe.

Am nächsten Tag haben wir uns nachmittags für den Dreh verabredet. Die erste witzige Sache: Wie sich im Laufe der Dreharbeiten herausstellte, kannten die Redakteurin und ich uns mehr oder weniger flüchtig. Denn wir waren gemeinsam im gleichen Bachelorstudiengang vor rund sieben Jahren. Die Welt ist manchmal so irre klein, haha. Abseits dessen haben das Drehteam und ich fleißig gearbeitet und damit alle relevanten Szenen in etwas über einer Stunde auf Band bekommen. Wow! Das war deutlich schneller als erwartet und um Läääängen schneller als die bisherigen Dreharbeiten, die ich mitgemacht habe. Ebenso ungewohnt war die generell spontane, kurzfristige und etwas "chaotische" Art. Weniger denken und mehr machen. Einfach machen, es muss nicht perfekt sein. Überall kleine Challenges für die kleine Planerin und Perfektionistin in mir. Richtig gut! Einerseits war der Dreh damit so anders als die bisherigen und gleichzeitig fühlte sich alles auf eine vertraute Art und Weise routiniert an. Ich war im Prinzip gar nicht aufgeregt, eher gespannt und total bereit für alles, was kommen sollte.
 
Denn ich wusste zu dem Zeitpunkt auch schon ein weiteres, sehr wichtiges Detail: Der Beitrag sollte noch am Abend des gleichen Tages ausgestrahlt werden. Keine lange Wartezeit auf die Ausstrahlung! Wahnsinn, was für eine Arbeit da von allen Beteiligten abgeliefert wurde. Derart kurzfristig und unter Strom zu arbeiten, wäre nicht so meins. Jedenfalls ist die Ausstrahlung damit auf den 10.10.2024 gefallen, was nicht nur der Start der Aktionswoche war, sondern auch noch der World Mental Health Day. Passender geht es wohl kaum?

Aus dem Beitrag vom buten un binnen regionalmagazin 10.10.2024

Der fertige Beitrag ist um die 3 Minuten lang und gibt einen ersten groben Überblick über die Erkrankung. Neben den Szenen mit mir kam auch ein Psychotherapeut zu Wort, der die Thematik fachlich eingeordnet hat. Insgesamt muss ich sagen: Für die Kurzfristigkeit ist das ein durchaus gelungener Kurzbeitrag geworden! Klar, einige schöne Szenen und Aussagen wurden nicht integriert, aber das ist normal und gehört dazu. In erster Linie geht es darum, potenziell Betroffene auf das Krankheitsbild aufmerksam zu machen und sie ein kleines Stückchen zu sensibilisieren. Dieses Ziel ist zweifelsfrei erreicht, würde ich sagen.
 
BFRBs brauchen mehr Sichtbarkeit! Es muss sowohl in der Gesellschaft als auch in Fachkreisen mehr darüber gesprochen werden und dafür brauchen wir Formate, die über die Thematik berichten wollen. Wir brauchen eine Stimme, die gehört wird. Und ganz ehrlich? Da bin ich buten un binnen unendlich dankbar, dass sie dem Skin Picking Raum gegeben haben. Denn das setzt ein Zeichen: Dieses Thema ist sehenswert, dieses Thema ist ernstzunehmen. Ich hoffe sehr, dass in Zukunft noch viele weitere Formate über BFRBs berichten möchten.

GANZ herzlichen Dank an buten un binnen für diese kurzfristige, aber doch sehr schöne Zusammenarbeit. Ich werde solche Ereignisse niemals für selbstverständlich nehmen. Es ist immer noch total besonders für mich, so etwas machen zu dürfen. Wer weiß, was die Zukunft noch so alles bringt...

10. Oktober 2024

TV-Dreierlei

Einen wunderschönen guten Abend! :)
 
Ich komme einfach mal ganz direkt und ohne Umschweife zum Punkt: Ich bringe heute 3 (!!!) TV-Beiträge zum Thema Skin Picking mit. Drei. D R E I! Ich glaube, ihr versteht nicht ganz, was das bedeutet. :D Es ist Wahnsinn, was sich inzwischen so tut, wenn wir öffentliche Beiträge zu BFRBs betrachten. Sie erhalten immer mehr mediale Präsenz und das ist etwas, wofür ich unendlich dankbar bin. Vor einigen Jahren sah das noch ganz anders aus... Die ersten Online-Artikel zum Thema erschienen 2015 und noch im gleichen Jahr wurde der erste deutsche TV-Beitrag dazu ausgestrahlt (klick), wovon ich Teil sein durfte. Das Ganze gewinnt immer mehr an Fahrt und wenn das so weitergeht, bin ich mehr als zufrieden!

Kommen wir nun aber endlich zu den TV-Beiträgen. Der erste von ihnen ist nun schon einen guten Monat her - ich hatte es bisher einfach nicht geschafft, euch darüber zu informieren. Normalerweise bin ich da ja immer ganz vorne mit dabei, weil ich mich natürlich auch total über so tolle Neuigkeiten freue! Aber zuletzt, das muss ich ganz ehrlich zugeben, fiel es mir schwer, da am Ball zu bleiben. Es waren keine Kapazitäten da...
Der Beitrag ist jedenfalls wieder von Volle Kanne im ZDF, die ja im Februar erst über Nägelkauen berichtet hatten (siehe hier). Eine weitere Parallele: Christina Gallinat ist als Expertin im Interview dabei. :) Die Protagonistin Laura könnte euch eventuell bekannt vorkommen, denn auf meinem Blog existiert ein Bild von ihr und mir (schaut mal hier). Und ich finde, sie hat das wirklich ganz ganz großartig gemacht! Richtig starke Leistung, wie offen und selbstsicher sie von ihren Erfahrungen mit Skin Picking erzählt hat. Da war ich an mehreren Stellen emotional sehr berührt von Lauras Worten, vor allem auch deshalb, weil ich schon länger immer mal wieder mit ihr in Kontakt stehe und sie sogar mal persönlich getroffen habe.

Auf den jetzt gleich folgenden TV-Beitrag wurde ich erst heute aufmerksam gemacht. Eine Skin-Picking-Betroffene hat erst vor wenigen Tagen im Hessischen Rundfunk von ihrer Geschichte erzählt. Dieser Beitrag ist sogar ganze 7 Minuten lang, was für so ein gemischtes Nachrichtenformat eine ansehnliche Länge ist! Und was ich auch hier richtig gelungen finde (wovon sich die ersten medialen Berichte von damals mal was abschneiden könnten), ist die Ernsthaftigkeit in der Berichterstattung. Es wird an mehreren Stellen ganz klar gesagt, dass Skin Picking eine ernstzunehmende psychische Erkrankung und eben keine schlechte Angewohnheit ist. That's the spirit we need! Davon mal abgesehen, dass auch diese Protagonistin einen echt souveränen Auftritt hingelegt hat, wow. Habe mich sehr von diesem Aspekt des Regulierens und Abschottens angesprochen gefühlt, den sie in den ersten Minuten erwähnt. Bisschen schade, aber das passiert in den meisten Berichten: Die Formulierung von Skin Picking als Zwangsstörung. Ich werde nicht müde, an dieser Stelle auf die Details hinzuweisen - Zwangsspektrumsstörung und nicht Zwangsstörung.

Zu guter Letzt noch eine überraschende Wendung: Im dritten TV-Beitrag, den ich heute mitbringe, bin ich die Protagonistin. Das alles ist eine ziemlich witzige Geschichte, die ich euch gerne in einem separaten Post erzählen möchte. Daher an dieser Stelle nur der Hinweis: Es handelt sich um einen ganz kurzen Minibeitrag, der kurzfristig produziert wurde. Dreh- und Ausstrahlungstermin waren beide heute. :D Aber dafür ist er gelungen und erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck, nämlich dem Thema eine Stimme zu geben und Aufmerksamkeit auf das Krankheitsbild zu lenken. Mehr dazu im bald folgenden Post.
TV-Beitrag Nr. 3 im buten un binnen regionalmagazin von Radio Bremen (ab 11:09): https://www.butenunbinnen.de/videos/sendungen/butenunbinnen-8064.html
 
Schaut gerne rein, teilt die Beiträge und lasst euch einmal mehr gesagt sein: Ihr seid nicht allein! <3

4. Oktober 2024

Schneller Rückblick

Über 3 Monate ist mein letzter Beitrag nun schon her... Ich glaube, das ist die längste Beitragspause in der Geschichte dieses Blogs... :o Unnormal. Das Leben zieht förmlich in Lichtgeschwindigkeit an mir vorüber. Es ist viel passiert in der Zwischenzeit - viel Gutes, aber auch viel Anstrengendes. Ein Teil von mir möchte euch von einigen dieser Geschehnisse berichten, ein anderer Teil möchte einfach wieder loslegen, mit irgendwas. Daher versuche ich einen Mittelweg - ein schneller Rückblick über die vergangenen Monate.
 
Aber erstmal: Hallo und herzlich willkommen auf meinem Blog (der übrigens bald 10 Jahre alt wird, WTF). :) Es freut mich sehr, dass ihr noch hier seid! Ich bin immer noch die alte Jacqueline, wie ihr mich kennt. In der Zwischenzeit um ein Jahr gealtert und um immens viele Erfahrungen reicher. Das Skin Picking ist nach wie vor ein beständiger Begleiter in meinem Leben und das wird auch noch für einige Zeit so bleiben. Das spüre ich tief in mir und irgendwo spüre ich da auch eine Art Akzeptanz, was diesen Umstand angeht.

Zurück zu den letzten Monaten. Ich habe einige Bilder dabei, anhand derer wir ausgewählte Stationen der letzten Zeit nachlaufen werden.


Das war Anfang Mai, an meinem fünften Arbeitstag im ersten Job nach dem abgeschlossenen Studium. In den ersten paar Wochen dröhnte mir jeden Abend der Kopf, so viele neue Infos wollten aufgenommen und verstanden werden. Doch es war auch so unfassbar spannend, tagtäglich etwas Neues zu lernen. Es machte dadurch nämlich auch ne Menge Spaß!




Als diese Fotos entstanden, war es Ende Mai und mein Hautzustand ganz in Ordnung. Zumindest aus damaliger Sicht, denn aus jetziger Sicht ist das, was ich da sehe, beneidenswert. So ein "ruhiges" Hautbild irgendwie. Da könnte ich jetzt nur von träumen... Jedenfalls ging mir schon zu diesem Zeitpunkt das tägliche Schminken langsam auf den Sack. :D Eins wusste ich nämlich schon sehr früh: In diesem Job werde ich NIE ungeschminkt sein. Nie. Das gibt das Setting einfach nicht her. So ähnlich wie in meinem Nebenjob, den ich übrigens Ende Juni zu Ende Juli gekündigt hatte, weil es einfach nicht mehr machbar war. Die ersten zwei Monate versuchte ich noch, einen Vollzeitjob, einen Nebenjob auf Minijob-Basis, lauter Bürokratie-Unsinn, einen Haushalt, Freunde, Beziehung und ehrenamtliche Tätigkeiten im Hintergrund unter einen Hut zu bekommen, aber ich musste schnell einsehen, dass das nichts wird. Daher die Entscheidung, meinen Nebenjob nach fast 9 Jahren zu kündigen. Stand jetzt wüsste ich bei Gott nicht, wie ich das überhaupt noch packen sollte, ich schaffe ja schon den Haushalt kaum und von dem Führen meines Blogs bzw. Instagram-Profils ganz zu schweigen...


Hier seht ihr ein KI-generiertes Bild von mir, weil meine Kollegin das wesentlich origineller findet als Namenskärtchen für die Plätze im Büro. Was sagt ihr: Ist eine Ähnlichkeit erkennbar? :D
Ich bin jedenfalls extrem froh und unendlich dankbar, dass das Team mich von Anfang an herzlich aufgenommen hat und mich schon bei so vielen Situationen unterstützt hat. Die richtigen Arbeitskollegen machen soooo viel aus, ehrlich.



Der Selbsthilfetag in München Anfang Juli. Ich hatte in meinem letzten Post darüber berichtet und werde auch noch ausführlicher von diesem großartigen Ausflug erzählen, wahrscheinlich im folgenden Beitrag. Der wird dann wie immer mit zahlreichen visuellen Eindrücken geschmückt sein, ich habe nämlich mein Bestes gegeben, das Ganze angemessen fotografisch zu begleiten.




Das war Mitte Juli. So oder so ähnlich ist mein Hautzustand seitdem bis heute. Ich komme einfach nicht mehr auf ein stabiles Niveau und bin ganz aktuell ziemlich genervt davon. Skin Picking ist täglich Thema, verlangsamt mich am Morgen vor der Arbeit und am Abend vor dem Schlafengehen. Ich habe keinen Bock mehr, das ständig (halbwegs) wegschminken zu müssen. Gib meiner Haut Zeit zu atmen, man. Diese ganze Schminke tut ihr nicht gut.


Meine Fetthaut und ich Ende Juli nach einem langen Tag mit 13 Stunden Schminke tragen. Uff, das war lang! Dementsprechend glänzte meine Haut auch. Dieses Foto zu machen und zu zeigen, war/ist eine Überwindung, denn ich hasse meine fettige Haut so sehr. Nach wenigen Stunden ist das Make-Up bereits am schwimmen vor lauter Fett. Aber hey, wenigstens war das Abendlicht ein Träumchen!



Das war mein 27. Geburtstag. Ein Anlass, um mich mal etwas schicker zu machen und meine neue Bluse anzuziehen. Obwohl die Zeit kurz zuvor sehr turbulent war und es an dem Tag auch schlechte Neuigkeiten gab, habe ich früh Feierabend gemacht und versucht, den Stress ein wenig zu vergessen. Es wurde ein schönes Wochenende mit wertvoller Quality-Time, die es viel zu selten gibt.

Ja, das waren so im Kern die letzten Monate. Im September gab es noch ein Klassentreffen von meinem Abijahrgang, am gleichen Abend eine Einweihungsfeier einer guten Freundin, ein schönes und leckeres Essengehen mit Arbeitskollegen und einen langersehnten Termin beim Frisör zum Färben nach über einem Jahr (!). Es ist viel gewesen und ganz ehrlich? Es ist nach wie vor viel. Ich weiß nicht, ob es je aufhören wird, viel zu sein. Trotzdem vertraue ich darauf, dass die Zeit ihren Teil regeln wird. Auf jeden Fall freue ich mich riesig, wieder mehr zu schreiben und mit euch in Kontakt zu gehen. Danke für eure Geduld! Bis bald. :)