Halli hallo, Freunde der Nacht.
In den folgenden Minuten mache ich meine
Ankündigung von letztens wahr und ihr werdet endlich etwas über meinen Köln-Aufenthalt anlässlich des Drehs für einen TV-Beitrag über Skin Picking lesen. Ich werde mich hauptsächlich auf den Hergang zu dieser großen Aktion und auf meine Gefühle dazu beziehen und weniger etwas zum Ablauf des Drehtages an sich sagen. Am Ende zeige ich euch noch ein paar Fotos, doch ihr kennt es ja: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Fangen wir also bei 0 an: Die Idee war nicht neu, die Entscheidung fiel nicht erst kürzlich. Ich hatte nämlich schon vor einigen Monaten Kontakt mit einer anderen Produktionsfirma, jedoch wurde daraus dann leider nichts. Schon dort hatte ich mich also sehr mit der Vorstellung angefreundet, meine Geschichte im Fernsehen zu erzählen und endlich etwas bewegen zu können. Dann kam es relativ überraschend dazu, dass ich von einer Mitarbeiterin der jetzigen Produktionsfirma per E-Mail kontaktiert wurde, woraufhin sich ein paar Telefonate ergaben, in denen ich ihr detaillierter über das Skin Picking und meine Erfahrungen erzählte. Die Mitarbeiterin schien so zuversichtlich, dass ich ebenfalls mit einer Menge Optimismus bei der Sache war.
Als das Vorhaben immer realistischer wurde, kam natürlich die Frage auf, wann und wie gedreht wird. Eigentlich wäre es eher üblich, dass mich das Drehteam bei mir zuhause besucht hätte, doch ich werde euch nun erklären, wieso das nicht der Fall gewesen ist.
Vielleicht wisst ihr bereits, dass in Köln die (noch) einzige Selbsthilfegruppe für Skin Picking stationiert ist. Da ich schon seit Längerem in Kontakt mit Frau Bäumer - der Leiterin der Selbsthilfegruppe und Betreiberin der Seite
www.skin-picking.de - stehe, wollte ich die Selbsthilfegruppe sowieso unbedingt mal besuchen. Eigentlich war (und ist auch immernoch) geplant, dass ich beim Treffen am 19.10.15 mit dabei sein werde, wie ihr auch auf dem Blog von Frau Bäumer lesen könnt (dafür einmal
hier klicken). Doch zufälligerweise hat es sich einrichten können, den Dreh mit einem Treffen der Selbsthilfegruppe zu verbinden, sodass auch die Selbsthilfegruppe und mein Besuch dort Teil des TV-Beitrags werden. Aus dem Grund bin ich also nach Köln gefahren. Und wieso nun dieses Datum? Das kam eigentlich sehr spontan und war auch extrem kurzfristig, aber es hat zeitlich sehr gut gepasst und daher haben wir alle die Chance wahrgenommen. Gott sei Dank hat es geklappt, kann ich nur sagen!
Eventuell fragt ihr euch, wie es mir erging, seit ich klipp und klar wusste, dass ich nach Köln fahren werde, um dort einen TV-Beitrag zu drehen, den tausende Menschen später sehen können... Nunja, eigentlich kann ich dazu nicht viel sagen. Ich hatte weder Angst, noch Sorge und auch die große Aufregung kam erst am Drehtag selbst. Ich freute mich einfach nur, so eine große Chance erhalten und darüber hinaus so eine riesige Entwicklung in den letzten Monaten geschafft zu haben, denn das ist mir zu dem Zeitpunkt erst wieder klar geworden! Im November 2014 fing das Bloggen an... Erst entwickelte es sich schleichend, doch dann folgte ein großer Schritt nach dem Anderen und jetzt, nur ca. 7 Monate später, bin ich so weit, dass ich die Dermatillomanie in die Öffentlichkeit der Fernsehwelt trage. Ist das nicht wahnsinnig? Das ist für mich persönlich schon fast unbegreiflich. Es hat eine wirklich riesige Bedeutung für mich, dass es nun endlich soweit ist, dass die Dermatillomanie mehr in das Licht der Öffentlichkeit rückt und dass ich dazu einen Großteil beitragen werde.
Und was denke und fühle ich in Bezug auf die Menschen in meiner Umwelt? Auch hier kann ich sagen: Ich habe keine Angst und auch keinerlei Bedenken, im Gegenteil. Denn wisst ihr, was mich an der ganzen Sache mit der Dermatillomanie fast am meisten stört? Dass man als Außenstehender und eventuell Unwissender die Folgen (also Narben, Pickel und Pickelmale) nur sieht, jedoch nichts über die Hintergründe erfährt und so vielleicht anfängt, sich komische Geschichten auszudenken, um sich das Gesehene erklären zu können. Wie soll ich als Einzelperson etwas daran ändern? Ich kann nicht zu jedem meiner Mitschüler laufen und denen von meiner Verhaltensstörung erzählen und das will ich auch gar nicht. Daher bin ich froh, dass ich dieses "Problem" jetzt quasi auflösen kann. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass sicher nicht viele Menschen, die mich kennen und/oder auf meine Schule gehen, den TV-Beitrag sehen werden, doch es werden mit Sicherheit ein paar Vereinzelte sein. Jeder, der es sieht, wird etwas Großes über mich erfahren und jeder wird auf diese Weise aufgeklärt, ohne, dass ich dafür jedem Einzelnen mühselig erklären muss, worunter ich genau leide. Wer weiß, vielleicht verbreitet es sich ja und ich werde darauf angesprochen, keine Ahnung. Ich bin für alles offen und halte es darüber hinaus für unwahrscheinlich, dass man mir mit abwertenden Kommentaren oder Ähnlichem begegnet. Das ist ein zusätzlicher Grund, weshalb ich keine Angst verspüre. Meine einzigen Gedanken in Bezug auf andere Menschen, die den TV-Beitrag sehen könnten, beziehen sich auf Fremde. Ich stelle mir die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass ich in meiner Kleinstadt oder meinetwegen auch in der nächsten Großstadt von fremden Personen wiedererkannt und angesprochen werde. Wäre vermutlich ziemlich witzig dann, aber warten wir mal ab.
Zu guter Letzt könnte man mir die Frage stellen, was ich mir davon erhoffe. An dieser Stelle würde ich dann antworten, dass ich mir nichts Konkretes erhoffe. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass der TV-Beitrag seinen Sinn und Zweck erfüllt. Dieser Zweck besteht für mich darin, dass ein großer Haufen an Menschen informiert und aufgeklärt wird, dass das Skin Picking vermehrte Bekanntheit in der gesamten Gesellschaft erlangt und dass bestenfalls einige Betroffene erreicht werden, die sich ab dann selbst in den Kampf begeben können. Ganz vielleicht bringt der TV-Beitrag einen Stein ins Rollen, der wieder etwas Anderes ins Rollen bringt, was dazu führt, dass es in ferner Zukunft vielleicht mehr Selbsthilfegruppen gibt. Das wäre wirklich toll, doch dafür muss Einiges passieren und ich denke, dass der TV-Beitrag da nur der erste Schritt sein kann bzw. wird.
Nun möchte ich noch eine Kleinigkeit zum Drehtag selbst erzählen, wie ich mich gefühlt habe und wie ich ihn fand. Anfangs war ich natürlich viel nervöser als am Ende, ganz klar. Jeder Mensch braucht seine Zeit, um aufzutauen, denke ich. Auch ich brauchte diese Zeit, aber erfreulicherweise taute ich ziemlich schnell auf. Im Laufe des Tages wurde ich immer lockerer und entspannter, wozu auch das sehr nette und lustige Team beigetragen hat. Außerdem war das Team der Hauptgrund dafür, dass ich den ganzen Tag über so viel Spaß hatte, denn wir haben uns in meinen Augen gut verstanden und auch der Dreh an sich verlief relativ reibungslos. In keiner Sekunde hatte ich das Gefühl, dass ich abbrechen und nach Hause gehen möchte; es fühlte sich stattdessen mit jeder Minute immer richtiger und besser an! Ich fühlte mich sicher und gut aufgehoben, weshalb ich neugierig guckende Passanten während des Drehs auch wunderbar ausblenden konnte. Natürlich habe ich sie wahrgenommen, doch ich habe nicht auf sie geachtet oder mich blöd gefühlt. Ich habe nur auf mich und meine "Aufgabe" geachtet, weil ich so sehr bei der Sache war.
Alles in Allem fand ich den Tag sehr schön und vor allem auch erfahrungsreich, nicht zuletzt wegen dem Treffen mit der Selbsthilfegruppe. In Bezug darauf habe ich mir vorgenommen, im Oktober erst recht nochmal nach Köln zu fahren (doch dazu werdet ihr zu passender Zeit etwas lesen)! Wegen der Hitze war es auch etwas anstrengend, allerdings denke ich, dass es sich lohnen wird.
An dieser Stelle folgen noch ein paar Eindrücke vom Drehtag. Die ersten beiden Fotos sind morgens entstanden, als ich mich gerade fertiggemacht hatte und das Ergebnis kurz für meine Mum festhalten wollte. Die anderen Fotos wurden von
Tobias Heppermann (einem Teammitglied) geschossen, als wir gerade im Park waren und einen Großteil drehten. Er hatte mir angeboten, ein paar Fotos für meinen Blog zu machen und das konnte ich selbstverständlich nicht verneinen! Entschuldigt bitte die nicht gerade perfekte Qualität aller Bilder, doch daran ließ sich leider nichts ändern...
Was ich auch noch für mich persönlich mitgenommen und für euch fotografiert habe, ist der Flyer der Selbsthilfegruppe. Ihr könnt ihn euch bei Interesse
hier runterladen.
Wenn ihr mögt, informiere ich euch über den Ausstrahltermin des Beitrages, sofern ich ihn weiß.
Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Wochenende und bis bald! :)