13. August 2017

Emotionsbad

Hallo Blog!

Das hier ist ein absolut ungeplanter Post, in zweierlei Hinsicht. Einerseits entsteht er aus einer Situation, die ich nicht voraussehen konnte und nie beabsichtigt habe; andererseits schreibe ich jetzt einfach aus dem Bauch heraus. Wie es mir in den Kopf kommt. Danach wird es aus genannten Gründen wahrscheinlich wieder für eine Zeit lang still.

Und hi C.! Ich weiß, dass du es liest. Früher oder später. Verzeih mir, dass ich hier schreibe statt mit dir zu reden. Aber nun ja, das geht schlecht, wenn wir uns gerade im Streit befinden. Und wenn ich meine Gedanken nicht bei dir loswerden kann, wo sonst? Ich muss sie einfach niederschreiben (d.h. "loswerden"), sonst würden sie mich mindestens noch den ganzen Tag verfolgen. Vielleicht tun sie es aufgrund ihrer Wichtigkeit und Bedeutung trotzdem, allerdings ist das hier ein Versuch, das zu verhindern oder wenigstens zu verringern. Es ist meine Art, damit umzugehen.

Also los...

Ich habe es selten so stark gemerkt wie jetzt und wollte es darüber hinaus vielleicht auch nie wahrhaben, weil es mir meine eigenen Schwächen recht deutlich vor Augen führt. Aber ich muss es nun zugeben: Ich hasse Streit und Eskalationen, dafür bin ich ein viel zu friedliebener Mensch, der sich auch viel zu gerne in seiner Komfortzone aufhält, wo alles rosig ist. Und wenn ich dort mal (zwangsweise?) rausgezogen werde, will ich so schnell es geht wieder rein. Denn außerhalb meiner Komfortzone lauert dieser Haufen an unglaublich starken Emotionen. Dort habe ich den Schutz meiner Komfortzone nicht mehr und bin ihnen ausgeliefert. Lassen wir jetzt mal ungeachtet, dass ich immer sage, wir sollten Gefühle wahrnehmen und ausleben, ja!? Vor diesem Emotionen habe ich Angst, weil sie so viel größer und mächtiger sind als ich selbst. Sie überrollen mich rücksichtslos und begraben mich unter sich. Kaum liege ich unter ihnen, kann ich nur noch davon träumen, mich zu beruhigen und einen vernünftigen Weg in's Freie zu finden. Neeeein, stattdessen komme ich nicht umhin, diese Emotionen reflexartig abbauen zu wollen. Wie eine Irre gebe ich mich also dem hin, was ich als "Lösung" sehe. Genau das passiert gerade: Ich sitze hier im Bett, schreibe zwar, doch mache zwischendurch große Pausen, um an meiner Haut zu kratzen. Von einem - Gott sei Dank kleinen - Drückanfall gerade eben ganz zu schweigen. Dabei klappte es die vergangenen Tage echt so super! Doch kaum werde ich aus meiner gewohnten Stimmung gezogen, verwandelt sich alles in ein Chaos. Mit dem Skin Picking ist es aber noch nicht getan! Das wäre ja zu schön. Nein, ich bade im Selbstmitleid und verliere plötzlich die Lust zu allem. Vielleicht geplante Erledigungen oder Verabredungen werden über den Haufen geworfen, dafür liege ich lieber den ganzen Tag nutzlos im Bett. Ich habe auch keine Lust, mich abzulenken, obwohl ich weiß, dass es besser für mich wäre. Mir fehlt sogar die Lust und Motivation zum Essen! Dabei liebe ich Essen. Unter dem Einfluss dieser vielen Emotionen fühle ich mich halt wie gelähmt. Will mich nicht bewegen und nichts tun, auch Konversationen fallen mir jetzt schwer. Deswegen rede ich mit keinem über das hier, sondern schreibe es einfach nur nieder. Währenddessen kommen aber noch körperliche Konsequenzen zu Tage...mich nimmt sowas nämlich immer so sehr mit, dass es sich in meinem körperlichen Zustand widerspiegelt: Ich zittere am ganzen Körper, fühle mich total schwach, habe Knie aus Wackelpudding und mein Herz rast. Manchmal ist es so schlimm, dass ich glaube, jeden Moment umzukippen und mein Bewusstsein zu verlieren. Als wenn eine Stromleitung durchknallt. Ein gewisses Maß geht völlig klar, doch irgendwann ist es viel zu viel und es geht nichts mehr.

Was für Emotionen hier draußen auf mich lauern? Ich kann die gar nicht aufzählen, ehrlich gesagt. Es ist im Moment sowieso schwierig, sie auseinanderzuhalten. In meiner Komfortzone hätte ich den nötigen Abstand, um diesen Haufen systematisch zu betrachten, doch jetzt, wo ich unter ihnen liege... Keine Ahnung. Es ist ein Gemisch aus allem, was sich böse miteinander verbunden hat und keine Übergänge mehr zeigt. Was ich weiß: Es ist zu viel für mich. So schnell komme ich da alleine nicht mehr raus.

Aber hey, wisst ihr was? Ich merke gerade, dass mir das Schreiben echt schonmal ein wenig hilft. Im Gegensatz zu vorhin fühle ich mich geordneter und nicht mehr so verloren. Ich fühle mich zwar immer noch ausgeliefert, aber das vergeht hoffentlich im Laufe des Tages. Vielleicht muss ich wirklich versuchen, dieses Emotionsbad zu durchleben. Nicht nur wie gelähmt drunter liegen, sondern aufmerksam wahrnehmen. Geht das? Ich werd's sehen.

Im Augenblick fällt mir nichts mehr ein. Danke dafür, dass ihr euch auch solche Beiträge durchlest! Es sind zweifelsohne Situationsposts, aber auch die müssen ab und zu sein. Bis bald!

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Jaqueline.
    Danke für diesen tollen Post!
    Ich hab für einen Augenblick gedacht du wärst ich.
    Wie du geschrieben hast und wie du fühlst... mir fehlen die Worte. Ich bin begeistert denn du hast mich richtig angesprochen und berührt.
    Als würdest du mir aus der Seele schreiben. So fühlte es sich an.
    Und es kam verdammt noch mal zu richtigem Zeitpunkt!
    Und somit ein riesen Lob an dich!
    Du hast mich gerade vom knibbeln abgehalten und den drang gelindert. Den drang sowohl zu kratzen als auch den Juckreiz.

    Du hast mich als Leserin so eben dazu gewonnen :)
    Und gerne empfehle ich diesen Blog weiter :)

    Ganz Liebe Grüße
    JEMIMA

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