18. September 2016

Gastpost - Part 3

Guten Abend, guten Abend!

Das Wochenende war leider wieder schneller rum als gedacht. Besonders viel genießen konnte ich es bis auf eine Motorradtour am Freitag nicht so wirklich... Und weil es auch jetzt schon wieder so spät ist, habe ich nicht mehr die Zeit und Lust, einen großen Post zu schreiben. Das könnt ihr hoffentlich verstehen und seid mir nicht allzu böse. Kommende Woche werde ich das nachholen, versprochen! Aber wie ihr seht, melde ich mich ja mit einem neuen Gastpost wieder. Der Text dafür trudelte gestern in meinem E-Mail-Postfach ein und ich möchte mich auch hier auf meinem Blog noch einmal dafür bedanken! Ohne den Mut und die Mithilfe anderer Betroffener könnte ich dieses kleine Projekt vergessen.

Der letzte Part ist zwar nicht lange her, aber es passt gerade so gut. Und falls euch diese Postserie absolut unbekannt ist, schaut doch vorher schnell beim ersten Teil rein, wo ich genauer erläutere, wofür ich das Ganze gestartet habe und was diese Serie so beinhaltet. Nach dem folgenden Abschnitt geht es dann auch schon los, viel Spaß dabei!

Vorher möchte ich euch als Betroffene ganz direkt ansprechen: Ihr habt niemanden zum Reden, möchtet aber trotzdem mal euer Herz ausschütten oder Frust rauslassen? Ihr traut euch nicht, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen, möchtet aber dennoch, dass eure Geschichte von Menschen gelesen wird? Ihr habt ein paar tolle Tricks und Tipps oder einfach nur liebe Worte für Leidensgenossen, die ihr loswerden wollt? Ein eigener Blog wäre euch zu viel Arbeit, aber einen kleinen Post würdet ihr gerne verfassen? Dann meldet euch gerne bei mir! Schreibt mir eine E-Mail mit dem Betreff "Gastpost" an folgende Adresse: dermatillomanie-blog@web.de. Selbstverständlich dürft ihr auch Bilder mitsenden, wenn ihr das wollt. Ihr könnt dabei entweder von Anfang an namenslos bleiben oder mich darum bitten, euch zu anonymisieren. Ich werde euren Text dann unverändert innerhalb dieser Postserie veröffentlichen, sodass ihr selbst eventuelle Kommentare Anderer dazu lesen könnt.


"Liebe Jacqueline und ihr anderen lieben Leute, die hier mitlesen,

ich melde mich jetzt auch mal mit einem Gastpost. Der Grund dafür ist, dass ich gerne in Kontakt treten möchte mit Leuten, die in derselben Lage sind wie ich. Einfach mal ein bisschen frei heraus sagen, über welche Dinge ich so gerade nachdenke und vielleicht ja sogar ein bisschen Rückmeldung bekommen.
Das kann ich bei meiner kleinen Schwester und meinem Freund zwar auch und ich habe ihnen auch schon von meiner Lage erzählt, nur ist deren Hinweis der allseits bekannte "Hör doch einfach auf!". Ich will damit nicht sagen, sie haben mir nicht geholfen, beide haben super liebe Ideen und werden mir auch weiterhin helfen! Aber ich dachte, ich wende mich mal an jemanden, der das Leid zu 100% nachempfinden kann!

Ich würde jetzt mal glatt behaupten, es ist bei mir nicht wirklich schlimm mit dem Kratzen und Drücken, aber eben so sehr, dass ich mich unangenehm dadurch fühle! Vor einiger Zeit bin ich mal auf die Idee gekommen, im Internet nicht nach Symptombekämpfung meiner Pickel zu suchen, sondern zu schauen, weshalb ich immer so viel am kratzen bin.. und da habe ich dann vom Skinpicking gelesen und bin nach einer Weile auf deine Seite, liebe Jacqueline, gestoßen! Auf jeden Fall finde ich das sehr mutig von dir! Du bist einer der wenigen Menschen die ich kenne, die nicht durch die Welt rennen und sagen, sie wollen sie verbessern, sondern das einfach umsetzen, ohne groß Dank dafür zu verlangen! Respekt, du bist ein bewundernswerter Mensch!

In so vielen Dingen, die im Internet beschrieben wurden, habe ich mich selbst entdeckt. Nicht gerne schwimmen gehen, keine Ausschnitte tragen und beschämt sein, wenn jemand einen nach nem Anfall sieht! Gut, mal eben eins! Lasst euch wirklich nicht zu sehr von der Schule beeindrucken, stressen, was auch immer! Ich denke, bei mir hat das den ganzen Mist erst wirklich unschön gemacht!
In der 11. Klasse hatte ich ziemlich heftigen Stress, der mehrmals in Heulanfälle ausartete, mir Rücken-, Kopf- und Regelschmerzen bereitete, sowie schlechte Haut und große Anfälligkeit für Krankheiten! Eines Abends lag ich im Bett meiner Eltern, welches eine Art Zufluchtsort für mich wurde, da ich hier meine Krankheiten, Heulanfälle und Gespräche mit meiner Mama ausharrte! Ich sollte eigentlich zur Mathenachhilfe fahren, da ich Mathe LK hatte, aber im ersten Halbjahr mit 4 LP unterpunktet hatte und mein Abi in Gefahr war. Ich lag da, mal wieder unter Tränen und habe nicht verstanden, wieso ich mich überhaupt noch dem Alltag stelle, da ich doch sowieso zu schlecht zu sein scheine.. Meine Mama hat meine Hand gehalten, während ich ihr das sagte! Daraufhin meinte sie etwas, was mein Leben veränderte und aus mir einen neuen Menschen machte, der, der ich jetzt bin! Was genau sie sagte, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. An den Inhalt und ihr ernstes Gesicht kann ich mich allerdings noch erinnern! Sie meinte, sie sieht sich das nicht weiter an, wie ich leide. Sie meinte, ich soll die Schule abbrechen und mir eine Auszeit gönnen! Es war für mich eine Art Erleuchtung! Wieso diesen dummen von der Gesellschaft angestrebten Lebensweg wie ein Roboter mitmachen und als Mensch dabei völlig kaputt gehen? Mein Abitur habe ich doch gemacht, aber eben auf einem eigenen Weg! Mir war die ersten Tage nach diesem, bisher nicht letzten, aber bis heute schlimmsten Zusammenbruch, nicht klar, was genau ich machen sollte, aber durch liebe Menschen, viele Gespräche und ein bisschen suchen habe ich eine kleine Privatschule gefunden, die lustigerweise gleich neben der alten Schule lag! Ich habe die 11. Klasse noch ordnungsgemäß zu Ende gebracht und alles an Wissen für mich selbst mitgenommen was ging, denn das war mein neues Lebensmotto, ich lerne und lebe für mich und muss niemandem etwas beweisen! Auf der neuen Schule waren wir Anfangs 9 Leute, was wirklich angenehm war. Normalerweise ist hier ein 12 jähriges Abi vorgesehen, aber auf dieser Schule sind es 13 Jahre! Ich hatte also ein Jahr in dem meine Zensuren eh nicht zählten und ich mich darauf konzentrieren konnte, alles soweit aufzuholen und dann entspannt mein Abitur zu machen.

Das ständige Beschäftigen mit meiner Haut hat sich aber leider bis heute gehalten und ich denke, es ist zu einer schlechten Angewohnheit geworden, die hauptsächlich in stressigen Phasen meines Lebens extrem auftritt, mich aber auch im Alltag begleitet. Ich denke, ich habe in letzter Zeit jedoch für mich gelernt, dass man nicht nach der einen großen Lösung suchen sollte, sondern jeden Tag im kleinen Stil ein bisschen FÜR einen guten Umgang mit der Haut kämpfen sollte! Und vielleicht helfen euch ja diese Tipps, welche ich zur Zeit immer wieder versuche anzuwenden, auch wenn es nicht immer klappt:

1. Viel Wasser trinken.
2. Auf gesunde Ernährung achten. Dabei solltet ihr vor allem auf euren Körper hören und nicht auf irgendwelche Ernährungstipps!
3. Macht Sport! Bewegung hilft nicht nur gegen Pickel an sich, sondern hält euch auch davon ab, euch mit eurer Haut zu beschäftigen.
4. Lasst, wie Jacqueline das auch schon geschrieben hat, einfach mal das Licht aus, wenn ihr ins Bad geht.
5. Wenn ihr nur schon daran denkt an euren Pickeln zu kratzen, macht eine alternative Beschäftigung. Flechtet euch zum Beispiel die Haare oder malt ein kleines Bild.
6. Wenn ihr schon dabei seid, eure Haut zu bearbeiten, geht einfach eben schnell unter die Dusche. Das hilft mir, das Gefühl zu verjagen, ich könne durchs Kratzen den Stress los werden.
7. Ich nutze auch die App EzHabit, auf die schon in einem früheren Gastpost aufmerksam gemacht wurde. Ich stecke mir dort auch immer eigene Ziele.
8. Erzählt ruhig jemandem von euren Problemen. Jacqueline erzählt euch das auch dauernd, solltet ihr wirklich drauf hören! Meine Mama hat sich zum Beispiel etwas ganz liebes ausgedacht. Wenn ich bei der App mein Monatsziel erreiche, schenkt sie mir jetzt etwas kleines.
9. Wenn ich merke, dass ich einen "Kratztag" habe, ziehe ich mir lange, hochgeschlossene Sachen an, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen.
10. Außerdem könnt ihr an solchen Tagen einfach mal sagen, dass ihr euch einen schönen Tag macht. Schaut einen netten Film, lest ein Buch oder geht eine Runde spazieren.

Das soll's eben gewesen sein von meiner Seite! Ich hoffe, ihr konntet was für euch hiervon mitnehmen und wer weiß, vielleicht hat ja der ein oder andere eine Frage an mich, dann schreibt das doch einfach in die Kommentare oder schreibt mir eine Mail (marienur.so@gmail.com)!
Ganz viel Stärke und Willenskraft wünsche ich euch allen!

Herzliche Grüße,
Marie"

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