12. August 2016

Gastpost - Part 2

Moooin!

Ich bin so froh, euch mitteilen zu dürfen, dass ich die nächste Freiwillige für einen Gastpost finden konnte. :) Ehrlicherweise hatte ich nämlich Angst, dass keiner mehr so mutig ist und ich das (meiner Meinung nach schöne) Projekt verwerfen muss, bevor es richtig angefangen hat. Glücklicherweise ist das nicht der Fall. Danke dafür! Wenn ihr noch nicht genau über diese Postserie Bescheid wisst, schaut doch beim ersten Teil vorbei.

Bei jedem Part dieser Serie werde ich den fettgedruckten Abschnitt des ersten Teils wieder einfügen, um euch jedes Mal erneut zu motivieren und anzuspornen!
Und nun möchte ich euch als Betroffene ganz direkt ansprechen: Ihr habt niemanden zum Reden, möchtet aber trotzdem mal euer Herz ausschütten oder Frust rauslassen? Ihr traut euch nicht, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen, möchtet aber dennoch, dass eure Geschichte von Menschen gelesen wird? Ihr habt ein paar tolle Tricks und Tipps oder einfach nur liebe Worte für Leidensgenossen, die ihr loswerden wollt? Ein eigener Blog wäre euch zu viel Arbeit, aber einen kleinen Post würdet ihr gerne verfassen? Dann meldet euch gerne bei mir! Schreibt mir eine E-Mail mit dem Betreff "Gastpost" an folgende Adresse: dermatillomanie-blog@web.de. Selbstverständlich dürft ihr auch Bilder mitsenden, wenn ihr das wollt. Ihr könnt dabei entweder von Anfang an namenslos bleiben oder mich darum bitten, euch zu anonymisieren. Ich werde euren Text dann unverändert innerhalb dieser Postserie veröffentlichen, sodass ihr selbst eventuelle Kommentare Anderer dazu lesen könnt.

Jetzt halte ich aber mal den Mund und es geht los!


"Die Fremde in mir.

Es ist früh am Morgen und ich ringe damit aufzustehen. Noch 1 Stunde dann muss ich los zur Arbeit. Essen, fertig machen, die letzten 20 Minuten verbringe ich wie fast jeden Morgen vor dem Spiegel. Es ist Zeit das Gesicht einzukleistern. Pinsel, Make-Up und Puder, los geht’s. "Sieht gar nicht mal so übel aus, so kann ich raus gehen". Wenige Minuten später bin ich soweit, ich setze mich auf meinen Fahrradsattel und trete los. 20 Minuten dauert es bis zur Arbeit. In dieser Zeit vergesse ich sie: Meine Haut. Ich weiß, durch den milden Luftzug kann sie sich entspannen. Man sieht es nicht mehr so sehr, die Wunden, die Unreinheiten, die Unterlagerungen. Arbeit beginnt und meistens gibt es auch gut zu tun. Glücklicherweise darf ich auch Musik hören, was mich wiederum ablenkt. Bis zum Mittag, gegen 14 Uhr, hält dieses positive Gefühl an. Ich merke jedoch immer wieder, wie meine Mischhaut das Make-Up ruiniert und sich zeigen will. Es verwischt. Es sieht nicht mehr schön aus. Den Grind sieht man. Ich fahre mit der Hand über meine Wangen, Nase, Stirn. In diesem Moment merke ich sie wieder, die Fremde in mir. Sie kratzt die Stellen auf, drückt an der Haut herum, knaupelt und juckt. Blut tritt hervor. Sie nimmt sich ein Taschentuch, unauffällig. Manchmal geht sie auch ins Bad, wartet bis die Blutung aufhört. Geblieben ist eine rote Stelle, mehr oder weniger groß und dick. Jetzt beginnt die Zeit des Schams. Niemand soll es sehen, diese Schandtat. Ich werde verbittert, ärgere mich über mich selbst und möchte fliehen, vor Personen, Leute, die mich angucken. Wenn ich gefragt werde, schaue ich kurz hin, dann wieder weg, am liebsten auf den PC Monitor. Ich reagiere nur kurz, keine Gegenfragen, denn das Gespräch soll schnellst möglich beendet werden. Sie verändert mich, sie macht mich hässlich – äußerlich als auch innerlich. Positive Stimmung gleich 0. Mit Make-Up und Pinsel bewaffnet gehe ich auf die Toilette und versuche, alles wieder unscheinbar zu machen. Wenigstens jetzt kann ich wieder den Leuten länger als 1 Sekunde in die Augen schauen, ohne mich gleich verstecken zu wollen. Es ist ein Kampf mit ihr – jeden Tag. Das Ziel ist: die Finger nicht an das Gesicht zu lassen, die Wunden heilen zu lassen, sich nicht mehr zu schämen, falls es doch passiert, innerliche Ruhe und Entspannung zu finden, Stress anders abzubauen, sich schön zu fühlen auch wenn man an sich rumpult. Sie zu besiegen – die Fremde in mir.

Hallo liebe Leser,
das war ein kleiner Auszug einer meiner Gefühlslagen in den letzten Monaten. Es klingt da oben sehr dramatisch, war es auch^^. Und es hat sich wie oben beschrieben, genauso abgespielt. Im Moment geht es mir aber besser. Ich habe zwei Wochen Urlaub und bin in meinem Heimatdorf, mein kleiner privater "Kurort". Meine Haut erholt sich gut und ich habe seit mehreren Tagen die Finger nicht mehr ans Gesicht gelassen. Die Wunden verheilen und ich fühle mich seit langer langer Zeit wieder wohl. Heute war ich das erste Mal bei einer Psychotherapeutin, spezialisiert auf Verhaltenstherapie, und ich war sehr positiv überrascht. Endlich eine Person, bei der ich nicht gefühlt gegen eine Mauer geredet habe. Sie stellte mir Fragen, schrieb sich auf, was ich erzählte und hörte zu. Ich enthüllte mich das erste Mal komplett vor einer Person, jemanden den ich nicht kenne. Aber es waren tolle 50 Minuten. Wir haben Anhaltspunkte gefunden, die Auslöser sein können und ich habe ihr so gut es ging meine Ereignisse der letzten zwei Jahre erzählt (In dieser Zeit hat Skin Picking bei mir angefangen).

Dies war meine Geschichte vom Kampf mit dem Skin Picking (wenn auch nur kurz und ein Ausschnitt davon).

Ich bleibe am Ball und versuche meine jetzige Ruhe beizubehalten und dem Drang zu widerstehen.

Viele Grüße
No Name"

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