27. Juni 2016

Das erste Gespräch

Und da war schon wieder eine Woche ohne ein Zeichen von mir rum. :D Man, die Zeit vergeht momentan trotz meines langweiligen Alltags wie im Flug.

Heute möchte ich thematisieren, wie, wann, wo man neuen (und bis dato unwissenden) Bekannten am besten von der Dermatillomanie erzählt. Muss man das überhaupt? Sollten sie es selbst herausfinden? Mir ist kürzlich erst klar geworden, dass man auf solche Fragen keine allgemeingültige Antwort geben kann. Es gibt kein Patentrezept dafür, wie man dieses große Thema am besten anfängt. Es ist immer unterschiedlich und kommt sowohl auf den Gesprächspartner, als auch auf die Situation und den Ort an. Außerdem liegt es auch am Betroffenen selbst, denn nicht jeder kann und möchte seine Gefühle dazu in Worte verpacken.

Bei mir war es bisher ja so, dass eigentlich alle Menschen um mich herum davon schon eine ganze Zeit wussten. Meine letzten "ersten Gespräche" über die Dermatillomanie liegen recht lange zurück - man könnte fast sagen, ich bin da ein bisschen aus der Übung. Ich bin daran gewöhnt, dass meine Mitmenschen davon wissen und ich problemlos oberflächlich davon reden kann, ohne, dass ich ein Fass aufmache. Wenn ich ausführlicher über meine psychische Störung rede, dann sind es ohnehin ebenso betroffene Menschen, mit denen ich da spreche bzw. schreibe (über meine E-Mail hier zum Beispiel). Jetzt komme ich allerdings voraussichtlich bald selbst in die Situation, einer Person, die ich gerade kennenlerne, davon zum ersten Mal zu erzählen. Nochmal zur Verdeutlichung: Ich will hiermit gar nicht sagen, dass man ausnahmslos jedem erzählen muss, dass man an Skin Picking leidet! Um Gottes Willen, nein! Es ist absolut in Ordnung, wenn man für sich selbst sagt, dass man es für sich behalten möchte! Muss eben jeder für sich wissen und da kann einem dann auch niemand reinreden. Nur für mich ist klar: Die Dermatillomanie ist ein großer Teil meines Lebens und meines Charakters, was ich eigentlich keinem vorenthalten will oder kann. Ich möchte so akzeptiert werden, wie ich bin und dazu gehört eben auch, dass ich psychisch ne "kleine Macke" habe. Aus dem Grund weiß ich, dass ich jedem, der sich mir zwischenmenschlich auf eine gewisse Ebene annähert, davon erzählen werde.

Doch momentan stehe ich noch vor der Frage: Wie? Wenn ich mir die Frage so stelle, versuche ich, mich an damalige erste Gespräche darüber zu erinnern. Doch wisst ihr was? Irgendwie klappt das nicht. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich das damals angestellt habe und dementsprechend weiß ich auch nicht so recht, wie und vor allem wann ich es jetzt machen soll. Am liebsten wär's mir fast, wenn die Person durch einen blöden Zufall einfach davon erfährt und gut. Aber so einfach ist es leider nicht... Es wird nie einfach sein, es wird eine immer wieder neue Herausforderung. Ich werde noch so unglaublich viele Menschen in meinem Leben kennenlernen und wahrscheinlich auch sehr viele Gespräche darüber führen, das ist unvermeidlich. Dabei muss mir auch klar sein, dass ich kein Verständnis erwarten kann. Denn es wird bestimmt auch Menschen darunter geben, die damit nicht (sofort) umgehen können oder wollen und das muss ich akzeptieren. Solche Menschen muss ich ja auch gar nicht in meinem Leben haben, die kann ich dann getrost aussortieren. Aber um zurück zum Hier und Jetzt zu kommen: Ich habe ein bisschen "Schiss" vor diesem ersten Gespräch... Dass ich diese Person, die ich gerade erst kennenlerne, direkt wieder aus meinem Leben streichen muss. Das wäre nicht gerade in meinem Sinne, aber nunja. Vielleicht male ich auch nur den Teufel an die Wand und es wird perfekt akzeptiert, kann ich vorher ja nicht wissen. Deswegen komme ich auch nicht um das Gespräch herum! Wenn ich wissen will, ob auch dieser Teil von mir akzeptiert und respektiert wird, muss ich darüber sprechen. Und es ist darüber hinaus gut möglich, dass ich mir mal wieder viel zu viele Gedanken mache... Vermutlich sollte ich einfach abwarten und einen Moment abpassen, der sich richtig anfühlt. Ich werde bestimmt merken, wann es an der Zeit ist, diesen privaten Teil von mir preiszugeben.

Das ist es auch, was ich euch mitgeben möchte! Ihr solltet es nicht überstürzen und auf Teufel komm raus eine Gelegenheit suchen, es loszuwerden! Wenn ihr neue Menschen kennenlernt und ihr neue Freundschaften aufbaut, werdet ihr das schon hinbekommen! Ihr könnt jede einzelne Person nach einer Zeit besser einschätzen und darauf aufbauend schauen, auf welche Art ihr das "erste Gespräch" führen wollt. Und wenn sich dann eine Situation ergibt, wo es passt, dann nutzt sie. Hinterher werdet ihr euch sicher freier fühlen! Außerdem können sich aus solchen "ersten Gesprächen" viele weitere, durchaus interessante, Gespräche entwickeln. Wer weiß, vielleicht kennt euer Gegenüber bereits selbst jemanden mit diesem Problem. Oder aber ihr schenkt euch das Ganze und redet gar nicht erst darüber, das ist wie bereits erwähnt genauso in Ordnung! Falls ihr einen Rat haben wollt, wie ihr das Thema am besten ansprecht, dürft ihr mich natürlich gerne kontaktieren.

Zu guter Letzt möchte ich noch eine Verlinkung zu einem alten Post von mir anfügen, der das Thema beispielhaft behandelt. Letzten Sommer habe ich nämlich eine Situation gehabt, in der ich Bekannten und fast Fremden von der Dermatillomanie erzählte. Wen das interessiert, der darf gerne vorbeischauen:
http://mein-leben-mit-skinpicking.blogspot.de/2015/07/wenig-worte.html

Ansonsten sind wir hiermit eigentlich auch schon am Ende. Bis bald, ihr Lieben!

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