27. Juni 2015

Rückfall

Ich sitze auf meinem Bett am Fenster, nachdem wir gefrühstückt haben. Eigentlich sollte ich Zähne putzen, aber ich bin wie angewurzelt...betrachte meine Beine und die Spuren von den letzten Drückanfällen. Mir schießen warnende Gedanken durch den Kopf, doch sie sind so fern, dass sie mich nicht erreichen. Es beginnt: Meine Hände suchen sich ihren Weg und meine Augen fixieren die ersten Stellen, die meine Hände sofort bearbeiten. Nebenbei höre ich ganz dumpf und undeutlich, wie mir meine innere Stimme sagt, dass ich mich zurückhalten muss und nur ein paar Stellen bearbeiten darf. Doch meine Euphorie überdeckt diese Stimme - ich habe extrem viel Spaß, lebe mich aus und fühle mich gut. Es ist wie ein Höhenrausch, der mich in eine andere Welt befördert und mich die Zeit vergessen lässt. Zwischendurch lasse ich immer kurz von mir ab, weil meine Zimmertür offen steht und meine Schwester nichts sehen soll. Sobald sie weg ist, machen meine Hände wie von alleine weiter; sie sind unaufhaltsam. Im nächsten Moment platzt die Seifenblase der Euphorie, ich stoppe und erkenne, was ich getan habe. Meine Beine sind übersät von roten, angeschwollenen Stellen und mir schießen Tränen in die Augen. Meine Schwester kommt überraschend ins Zimmer, weswegen ich augenblicklich meine Beine mit meinen Armen verdecke und ihr nicht ins Gesicht sehe. Gott sei Dank geht sie schnell wieder und ich kann mir eine lange Hose anziehen. Keiner wird den Rückfall sehen, es bleibt mein Geheimnis.

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