26. Mai 2015

Hass

Ab und zu plane ich meine Posts und in den restlichen Fällen schreibe ich vollkommen spontan, ohne Struktur und von meinen Gedanken und Gefühlen geleitet. Vielleicht habt ihr den Unterschied bereits selbst bemerken können. Eigentlich wollte ich jetzt einen sehr langen, strukturierten und geplanten Post veröffentlichen, doch meine heutige Gefühlslage gibt das nicht her... Also verschiebe ich das und lasse euch heute mal wieder Teil meiner Gedankenwelt werden.

Kennt ihr solche Momente, in denen ihr euch selbst hasst? Ich meine nicht den oberflächlichen Hass wegen Übergewicht oder einer krummen Nase... Ich meine wirklich tiefen und unaushaltbaren Hass gegen jeden Teil von euch - bezogen auf Aussehen und Charakter... Ich hasse es, dass meine Augenbrauen ausfallen. Ich hasse es, dass ich mir einmal am Haaransatz bei meinem Scheitel Haare abgeschnitten habe, die jetzt komisch nachwachsen... Überhaupt hasse ich meine kompletten Haare - ihre Struktur, ihre Naturfarbe, ihre Neigung zu Spliss. Ich hasse es, dass meine Haut von Narben übersät ist und dass ich aussehe wie ein Alien, besonders von der Seite. Ich hasse meine Augenringe und meine trockenen Hände nach dem Duschen. Ich hasse mein komplettes Spiegelbild und nicht nur das, sondern auch die Person, die in dem Körper steckt. Dass diese Person so herrisch und gemein ist. Dass sie so ungeduldig ist und schnell aufgibt, wenn etwas nicht beim ersten Mal klappt... Dass diese Person so schnell wegen Banalitäten losheult und andererseits wegen Kleinigkeiten aggressiv wird, die sie selbst verursacht. Nicht zuletzt hasse ich es, dass diese Aggressivität komplette Macht über diese Person ergreifen kann, sodass eine Art Handlungsunfähigkeit erreicht wird. Denken und Handeln werden unmöglich, weil diese Person von Aggressionen gegen sich selbst geleitet ist und hart darum kämpfen muss, nicht auszurasten und etwas zu zerstören. Auch die Fähigkeit, anständig mit Menschen in der Umgebung umzugehen, geht verloren, stattdessen wird diese Person dann abweisend und weiß sich nicht zu helfen, weil sie am liebsten alleine sein würde...alleine an einem einsamen Ort. Aber auch ohne sich selbst, quasi als nicht existierende Person. So geht es mir gerade. Ich hasse mich im Moment so sehr, dass ich mit Sachen umher werfen könnte. So sehr, dass ich jeden Spiegel zerstören könnte, den ich in unserer Wohnung finde. Ich könnte mir die Seele aus dem Leib schreiben und mich als leere Hülle in mein Bett legen und für immer schlafen. Ich weiß nicht, woher solche Hassanfälle kommen... Sie kommen ganz plötzlich und ohne wirklichen Grund. Es ist gewissermaßen eine blöde Eigenart von mir, die ich nicht loswerde und ebenso wenig verstehe. Früher hatte ich solche Anfälle häufiger, doch auch heute treten sie, wie ihr seht, noch ab und zu auf. Ich komme mir dann so fremd vor und würde am liebsten einen Schalter betätigen, der mich auf der Stelle in einen anderen Körper mit anderem Leben befördert. Hauptsache, ich könnte mir selbst entfliehen und müsste mich nicht mehr aushalten. Denn ich hasse mich auch dafür, dass ich mich hasse und diese Anfälle bekomme...ein Teufelskreis. Und was ich fast am meisten hasse: Dass ich nicht die richtigen Worte für meinen Hass finde! Ich habe jetzt Einiges dazu geschrieben und trotzdem fühlt es sich so an, als hätte ich nicht das gesagt, was ich wirklich fühle und denke. Als würde mich sowieso niemand verstehen, egal, was ich sage. Scheiße, ich fühle mich wie so ein unfähiger Haufen Müll, der es nicht verdient hat, geliebt zu werden. Was hab ich schon zu bieten? Was bringt es, dass ich stark sein kann, wenn ich in anderen Momenten schwach und zerbrechlich bin? Was bringt es, dass ich verständnisvoll und witzig sein kann, wenn es Momente gibt, in denen ich ein garstiges, aggressives Charakterschwein bin? Was bringt mein hart erkämpfter Optimismus, wenn mein Selbsthass mich in manchen Momenten noch zum Pessimismus drängt? Ich wünschte, ich könnte meine Probleme, Schwächen, Sorgen etc. in ein Paket quetschen und abschicken - am besten an's Ende der Welt, wo ich nie wieder mit ihnen in Kontakt kommen muss. Aber nein, ich muss mich stattdessen jeden Tag erneut mit ihnen auseinandersetzen und häufig tue ich das, ohne drüber nachzudenken. Was dazu führt, dass sich Trauer, Entsetzen, Enttäuschung und Frust ansammeln und irgendwann in solchen Aggressionsanfällen/Heulanfällen ausbrechen. Ja, das ist eine ganz gute Beschreibung. Ich schlucke alles an Emotionen so lange runter, bis es nicht mehr geht und ich sie auskotze; als Ganzes oder nur teilweise. Anschließend schlucke ich wieder alles runter, weil es ja irgendwo hin muss und ich niemanden zum Reden habe, bei dem ich zumindest einen winzigen Teil dieses Brockens an Scheiße loswerden kann. So läuft das schon mein ganzes Leben lang, wenn ich ehrlich bin. Ich hab noch nie großartig über mich und mein Leben geredet, sondern alles mit mir selbst ausgemacht. Heute bereue ich das, doch es ist zu spät. Mir kommts so vor, als wäre diese riesige Ansammlung in mir mittlerweile einfach zu groß, um sie loszuwerden. Es ist zu viel, um es noch in Worte zu fassen und dann auch noch so in Sätze zu formen, dass es verständlich für Außenstehende ist. Also bleibe ich mit all dem unausgesprochenen Zeugs in mir alleine und werde weiterhin Emotionsanfälle bekommen, bei denen mir niemand helfen kann. Mir ist in der Hinsicht insgesamt nicht mehr zu helfen, glaube ich. Das klingt extrem negativ, ich weiß... Doch ich weiß auch, dass diese momentane Laune wieder vergehen wird und dass nach Regentagen auch wieder sonnige Tage kommen werden. Mir wird es bald wieder besser gehen und ich werde lernen, besser mit dem dunklen Abgrund tief in mir umzugehen. Ich werde lernen, mit all dem, was ich jetzt beschrieben habe, im Einklang zu leben. Wie ich das lernen werde? Ich werde es mir selbst beibringen, ganz einfach.

Life is hard, but you have to be harder.

Achja, es gibt noch Neuigkeiten. Schlechte Neuigkeiten, über die ich jetzt so wenig Worte wie möglich verlieren will.
1. Gestern Abend habe ich wieder gedrückt... Einerseits ist damit eindeutig klar, dass mein Zwischenziel nicht hundertprozentig erreicht werden kann, doch andererseits habe ich 8 freie Tage geschafft und das macht mich für's Erste stolz. Ab heute werde ich wieder all meine Kräfte bündeln und nicht mehr drücken. Für mich selbst.
2. Eigentlich wollte ich das hier nicht thematisieren, doch spätestens bei dem nächsten Part meiner Fotoserie wäre es unausweichlich... Mein Freund und ich haben uns vor 10 Tagen getrennt, zumindest vorerst. Es soll keine Trennung für immer sein, doch man wird sehen, wie es weitergeht, wenn es soweit ist. Mehr möchte ich dazu nicht preisgeben, da das sehr privat und noch dazu mehr als kompliziert ist. Für euch ist nur wichtig: Ab jetzt werde ich ihn "D." nennen, sofern ich ihn erwähnen muss. Also wundert euch nicht.

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