4. Februar 2015

Antriebslos...

Ich erstelle so ungerne negative Posts, doch es gehört ja zu meinem Weg dazu und deshalb lasse ich sie nicht einfach aus.

Mir geht es momentan irgendwie nicht so gut. Ich habe mich jetzt etwas beruhigt, aber vorhin war ich echt voller Wut und Traurigkeit. Ihr wisst ja, dass ich in letzter Zeit keinen einzigen drückfreien Tag hatte und deshalb auch mein Zwischenziel nicht erreicht habe. Heute kamen dann zwei relativ große Rückfälle dazu - einmal morgens vor der Schule und einmal vorhin nach der Schule. Morgens war es so, dass ich die Zeit vergessen habe und in den typischen Trancezustand gefallen bin. Irgendwann wollte ich es dann nur noch übertreiben und hätte es fast so sehr ausgereizt, dass ich nicht zur Schule gegangen wäre. Vorhin habe ich mit kleinen, wenigen Drückereien angefangen und konnte dann plötzlich nicht mehr aufhören, bis ich mich endlich abgeschminkt habe. Es ging in etwa nach dem Prinzip "Ganz oder gar nicht" und daraus resultierte ein rot angeschwollenes Gesicht... Da ich der Annahme war, alleine zuhause zu sein, war mir das egal. Als ich jedoch das Badezimmer verlassen hatte, kam meine Schwester nach Hause und konnte direkt sehen, dass ich gerade gedrückt habe. Sie hat nichts gesagt, aber ich habe mich so geschämt. Am liebsten hätte ich sie weinend umarmt, aber ich habe stattdessen den Mund gehalten und mich in mein Zimmer verkrochen. Dort habe ich folgende Fotos geschossen:



Das ist mein Gesicht nach einem Drückanfall und ich muss euch ehrlicherweise gestehen, dass es eine kleine Überwindung für mich ist, diese Fotos hier zu posten. Fotos vom Hautzustand der Schultern oder des Dekolletés ohne Gesicht zu machen ist das Eine, aber Fotos zu machen, wo man nur das Gesicht sieht, ist in meinen Augen viel persönlicher. Doch ich möchte mich nicht vor mir selbst und auch nicht vor euch verstecken, deshalb habe ich die Fotos gemacht und dafür extra die Haare aus dem Gesicht gestrichen und versucht, das beste Licht einzufangen. Das, was ihr seht, ist die ungeschminkte Wahrheit.

Kennt ihr das eigentlich, wenn ihr in einem Raum mit irre hellem Licht und einem Spiegel seid? Wenn ihr euch dann betrachtet und erkennt, wie schlimm eure Haut eigentlich aussieht... Wenn ihr euch dann vielleicht selbst fragt, wie ihr so vor die Tür gehen könnt. Mir ging es heute so, als ich auf der Schultoilette war. Natürlich habe ich versucht, mir selbst einzureden, dass es nur am Licht liegt, aber andererseits kann das Licht nichts herbeizaubern, was nicht eh schon da ist. Jedenfalls sieht meine Haut momentan nicht schön aus und ich würde das gerne ändern, aber mir fehlt die Motivation. Wo ich in mir nach ihr suche, ich finde sie nicht. Gleichzeitig frage ich mich, wo all meine Erfolge plötzlich hin sind? Ich habe so viele Schritte nach vorne gemacht, doch im Moment merke ich davon leider viel zu wenig. Es ist fast an den Haaren herbeigezogen, aber der Sommer steht schon fast vor der Tür und bis dahin möchte ich eigentlich auf sicherem Boden stehen, was das Skin Picking betrifft. Es ist mein sehnlichster Wunsch, endlich frei zu sein.

Kommentare:

  1. Hey, lass den Kopf nicht hängen. Ich weiß nur zu gut, wie du dich hetzt fühlst. Aber mach kleine Schritte, stell deine Welt nicht auf einmal auf den Kopf... Nimm dir Zeit, denke mal darüber nach, was die Auslöser für Skin-Picking sein könnten und wie du sie lösen könntest. Wahrnehmung ist da ein besonderes Thema. Immer wenn ich über meinen Rücken streiche, spüre ich "riesige" Berge, dabei sind es nur leichte Erhöhungen von max. 1mm. Streichel dich mal an deinen "markanten" Stellen. Es kostet Überwindung und vielleicht die ein oder andere Träne. Ich habe mich vor ein paar Tagen erst dazu überwinden können. Mein Mann war an meiner Seite und hat mir in der Situation Halt gegeben. Denk mal drüber nach, welche Rolle dein Freund in deinem Leben spielt... Bei mir kam die Wende, als ich vor vier Jahren ausgezogen bin. Mittlerweile mit 27 bin ich an dem Punkt, wo ich sagen kann, ich habe es im Griff und fast überstanden, das sind 15 Jahre nach Ausbruch des ganzen... Geb dir Zeit und beschäftige dich mal mit deiner Haut, indem du sie nur streichelt. Ich wünsche Dir viel Kraft! Du schaffst das!
    Gruß Jenny

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    1. Ungeduld ist eine meiner Schwächen, das ist mir durchaus bewusst... Irgendwie dachte ich, dass meine Schritte im Großen und Ganzen klein genug sind. Aber vermutlich hast du recht und ich sollte mich erstmal wieder darauf konzentrieren, mit kleinen Erfolgen anzufangen und mich dann zu steigern. Den Tipp mit der Wahrnehmung mithilfe von dem über die Haut streichen werde ich mir merken und gleich vor dem Schlafen mal ausprobieren!

      Ansonsten bedanke ich mich sehr herzlich für die lieben Worte und die Aufmunterung! :)

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  2. Ich denke, genau das ist der Schlüssel zum Glück: Die Haut nicht als Feind, sondern Freund anzusehen. Ich hasse meine Haut manchmal richtig und versuche mir dann immer wieder zu sagen, dass ich dankbar sein muss, dass sie (noch) so unbeschadet ist, trotz jahrelanger Malträtierung.

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  3. Es geht mir ganz genau so. Ich sehe gerade auch so aus. Es tut gut zu sehen, dass wir nicht alleine sind. Du bist trotzdem wunderschön, lass dir bitte nie etwas anderes einreden.

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  4. @Madame Medusa: Ja, das ist ganz richtig! Meine Erkenntnis dahingehend hat auch lange gedauert...

    @Nutella Girl: Dankeschön und nein, ich gebe mein Bestes! :)

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  5. Ich kann das sehr gut nachempfinden. Ich sehe auch so aus. Aber es ist auch zu verführerisch und so entspannend. Ich bin wie in Trance. Danach bin ich enttäuscht von mir selber weil ich wieder mal nicht die Finger von der Haut lassen konnte. Aber wir werden es irgendwann alle schaffen. :)

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