18. Dezember 2014

Allein

Guten Abend ihr da draußen!

Ich habe genau in diesem Moment so einen riesigen Drang, über mein Skin Picking zu reden, dass es schon fast unaushaltbar ist. Ich möchte so gerne alles an Gedanken/Sorgen/Problemen/Geheimnissen rund um meine Dermatillomanie bei jemandem loswerden, mich austauschen, andere Menschen informieren oder einfach nur in den Armen einer vertrauten Person liegen und weinen. Tja, wo kann ich meine wirren Gedanken besser loswerden als hier?

In einem meiner Posts erwähnte ich, dass es äußerst wichtig ist, darüber zu sprechen. Reden hilft! Doch irgendwie stellt das Thema eine Art Zwickmühle dar... Einerseits ist es, wie bereits gesagt, extrem wichtig, Vertrauenspersonen darüber in Kenntnis zu setzen, sich Ratschläge/Beistand einzuholen usw., aber andererseits möchte man das an einigen Stellen dann doch nicht. Und warum nicht? Ganz einfach; man fühlt sich allein. Mir persönlich geht es jedenfalls so, dass ich mich mit dem großen Thema psychische Störung sehr allein in meinem sozialen Umfeld fühle. Ich kenne niemanden persönlich, der auch von Skin Picking betroffen ist oder eine andere Verhaltensstörung in der Art hat, was für mich bedeutet, dass mich nie jemand zu 100% verstehen wird. Niemand wird je fühlen können, was ich gefühlt habe bzw. fühle und das macht mich fertig. Ich möchte so gerne mein Innerstes zeigen und preisgeben, was in mir vorgeht, aber das ist einfach nicht möglich. Also bleibt alles an Gefühlen und Sorgen letzendlich doch in mir und zerfrisst mich innerlich, ob ich nun will oder nicht. Verdeutlichen könnte man das vielleicht mit folgendem Vergleich: 'Du befindest dich an einem Ort voller Menschen, wie z.B. der Innenstadt oder irgendwelche großen Events. Du stehst direkt zwischen so vielen anderen Menschen, hörst ihre Stimmen, siehst sie und sie sehen und hören dich. Trotzdem fühlst du dich abgekapselt, wie in einer Seifenblase oder einer eigenen Welt. Die Anderen hören deine Worte, doch sie verstehen dich nicht. Sie sehen dein Äußeres, doch sie sehen nicht in dich hinein, wie könnten sie auch?' Und genau aus dem Grund, dass man sich nie vollkommen verstanden fühlt, bleibt man schlussendlich allein mit seinen Problemen. Man ist allein mit sich selbst, mit dem Kampf gegen die Verhaltensstörung und das macht es so unglaublich schwer. In Momenten der Traurigkeit bist dann nur du da, du und deine eigenen Gedanken. Niemand kann dich aufmuntern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich unbetroffene Menschen das nicht vorstellen können. Sie würden das Skin Picking und die damit verbundenen Probleme vielleicht runterspielen, weil sie eben nicht verstehen, was dahinter steckt. In meiner Vergangenheit habe ich mir so oft Aufforderungen anhören müssen wie "Hör doch einfach auf! Du machst es nur schlimmer" und das ist das beste Beispiel für das, was ich gerade erklärte. Als Betroffener fühlt man sich in solchen Situationen sehr unverstanden - man möchte am liebsten erklären, wieso/weshalb/warum man das macht und was in einem vorgeht, doch man kann es einfach nicht in Worte fassen. Es sind Gefühle, die tief in einem vorgehen und die man nur dann versteht, wenn man sie selbst fühlt.

Ebenfalls habe ich sehr oft von Freundinnen oder Familienmitgliedern gehört, dass es ja gar nicht so schlimm sei mit meiner Haut und dass ich sie zeigen sollte. Natürlich war der Hintergedanke bei solchen Aussagen sicherlich Motivation für mich, aber auch da fehlt den Leuten das Wissen um meine Erlebnisse, Ängste, Sorgen und Probleme. Ich kann den Menschen das nicht zum Vorwurf machen, sie meinen es ja auch nur lieb, aber mir fällt eine Antwort auf solche Aussagen immer ziemlich schwer. Was soll man darauf sagen? Irgendwo stimmen diese Aussagen, das kann man nicht bestreiten. Man sollte - auf gut Deutsch - darauf scheißen, was Andere denken und sagen! Doch auf der anderen Seite hat man Angst vor Reaktionen, gerade auch deswegen, weil Skin Picking so unbekannt ist. Andere würden nur Pickel, Pickelmale und Narben sehen, aber nicht die Geschichte dahinter bzw. den Grund dafür. Ich persönlich dachte (/denke), dass andere Leute bei dem Anblick meiner Haut sofort Ekel und Abscheu empfinden müssten. Wie oft sieht man schon ein Mädchen, dass Pickel und Narben nicht nur im Gesicht, sondern auch verteilt über den halben Oberkörper hat? In meiner Vergangenheit kam dann noch der Selbsthass dazu - ich fühlte mich wie ein Monster, hasste mich und fand mich selbst abscheulich und ekelhaft. Des Weiteren hatte ich grundsätzlich Angst vor meiner Gesellschaft, da ich in meiner Kindheit und Jugend stark gemobbt und fertiggemacht wurde, doch das ist ein anderes Thema, was ich hier gar nicht breittreten möchte. Mir geht es nur darum, Erklärungsversuche für solche Ängste und Unsicherheiten zu starten. Antworten auf die Frage "Warum spricht diese und jene Person nicht über ihre Probleme und geht offen damit um? Warum zeigt die Person nicht ihr wahres Ich?" zu geben. Natürlich gibt es unendlich viele Gründe dafür, wieso jemand sich mit seinen Problemen versteckt, aber einer der Hauptgründe ist doch immer die Gesellschaft, oder nicht? Was jedenfalls völlig klar ist: Es wird immer Leute geben, die kein Verständnis zeigen (können) und ein respektloses Verhalten an den Tag legen. Diese Leute nehmen nur das auf, was sie sehen und hinterfragen es nicht. Sie ziehen ihre eigenen Schlussfolgerungen, auch wenn sie falsch oder noch so blöde sind. Außerdem sieht man als Betroffener niemanden mit derart schlechter Haut, weshalb man sich erneut schlecht und allein fühlt. Man sieht nur die Menschen, die tolle Haut haben und dies teilweise nicht einmal schätzen. Das ist auf eine Art und Weise ungerecht, doch man kann's nicht ändern.

Damit bin ich auch schon am Ende meines Posts angelangt, welcher bis jetzt leider sehr negativ und wie voller Selbstmitleid wirkt... Um dem entgegenzuwirken, will ich Folgendes herausheben: Steht zu euch! Steht zu dem, was ihr seid und dazu, wie ihr ausseht. Ich denke mir an dieser Stelle stets "Ja, ich habe Narben und ja, sie sehen nicht schön aus. Aber mich hätte es auch so viel schlimmer treffen können, also schätze ich, was ich habe! Die Narben sind nur ein Teil von mir, mich macht so viel mehr aus als nur meine psychische Störung. Dieser eine Teil darf nicht mein komplettes Leben derart negativ bestimmen, das ist schlicht und einfach nicht richtig. Mach etwas aus dem, was du hast und sieh über deine Fehler hinweg! Du bist schön und hast viele tolle Facetten, vergiss das nicht." Das möchte ich euch, wenn ihr betroffen seid, gerne an's Herz legen. Geht in den Kampf, denn nur dann könnt ihr gewinnen.

Bis bald, Jacqueline.

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